Luxemburg: Land und Leute
Land & Leute
Würden heute noch Operetten geschrieben, Luxemburg böte eine perfekte Kulisse. Das zwischen Belgien, Frankreich und Deutschland eingeklemmte Land ist das einzig verbliebene Großherzogtum der Welt. Die bewaldeten Höhenzüge der Ardennen im Norden, das tiefe Flusstal der Sauer und das fruchtbare Ackerland im Süden bilden eine zuweilen malerische Landschaft, in die hier und da kleine Städtchen eingestreut sind.
Doch Luxemburg kann auch anders. Eine Reihe machtvoller Gremien der EU, zu deren Gründungsmitgliedern das Land gehört, hat hier ihren Sitz: der Europäische Gerichtshof, der Europäische Rechnungshof, die Europäische Investitionsbank und das Sekretariat des Europäischen Parlaments. 1986 wurden die Luxemburger als „überzeugte Europäer“ mit dem Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet. Weltweit ist das der einzige jemals an ein gesamtes Volk verliehene Preis.
Die Luxemburger sind Stadtmenschen: Nur 10 Prozent der 460.000 Bürgerinnen und Bürger leben auf dem Land. Mit rund 79.000 Einwohnern gehört die Hauptstadt Luxemburg zwar zu den kleineren Kapitalen der Welt. Doch zwischen Montag und Freitag strömen viermal so viele Menschen dorthin. Die meisten Luxemburger wohnen in einer der zwölf Land- und Kleinstädte des Großherzogtums. Selbst die größeren Ortschaften haben kaum mehr als 20.000 Einwohner. Sie liegen zumeist im Südwesten des Landes. Dort, in der Minette-Region, konzentriert sich die Eisen- und Stahlindustrie. Rund um die beiden Städte Diekirch und Ettelbrück hat sich im Norden ein dritter Ballungsraum gebildet. "Die Familienstrukturen hier wirken auf mich gesünder als in Deutschland, zumindest gesünder als bei deutschen Stadtmenschen. Das finde ich toll. In deutschen Großstädten sind die Leute oft suchend und einsam. Hier in Luxemburg gibt es einfach keine Großstadt. Der Familienzusammenhalt wird aktiv gepflegt, die Familien treffen sich regelmäßig. Nach der Arbeit gehen die Leute weniger in Kneipen, sondern eher zu ihrer Familie nach Hause. Für Ausländer ist es so leider oft schwierig, Leute kennenzulernen.“
Melina Krämer arbeitet seit fünf Jahren als Erzieherin in Luxemburg.
Bedingt durch die starke EU-Präsenz ist der Ausländeranteil mit rund 43 Prozent extrem hoch. Vor allem Portugiesen, Franzosen und Italiener leben hier schon in zweiter oder dritter Generation. Mehrsprachigkeit und eine weltoffene Mentalität ist mithin oberste Bürgerpflicht. Neben ihrer Muttersprache lernen die Kinder bereits in der Grundschule Deutsch und Französisch, später kommen Englisch und andere Sprachen hinzu.
Luxemburg ist etwa 45 Kilometer breit und 60 Kilometer lang. Über das politische Geschick des Landes bestimmen die Regierung und der Großherzog. Die Gesetzessprache ist Französisch, im täglichen Leben gesprochen werden Deutsch, Französisch, Luxemburgisch (Lëtzebuergisch) und, im Business, Englisch. Nach der Schweiz hat die Großregion Luxemburg – sie umfasst Lothringen, Rheinland-Pfalz, Saarland und die belgische Wallonie – die zweitgrößte Anzahl an Berufspendlern in Westeuropa. Etwa 40 Prozent aller in Luxemburg tätigen Arbeitnehmer passieren täglich einen Schlagbaum – vermutlich der einzig verbliebene im Herzen der EU.
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Blick in die Wirtschaft
Die Wirtschaft ist eine der erfolgreichsten und wachstumsstärksten der gesamten Europäischen Union. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf nahm 2007 real um 4,5 Prozent zu (EU: 2,9 Prozent).
Die Wirtschaftsstruktur, die früher von Schwerindustrie und Landwirtschaft geprägt war, hat sich seit Beginn der 1970er-Jahre erheblich gewandelt. Seit 1975 hat sich die Regierung darum bemüht, dass neue Wirtschaftszweige entstehen, neue Industrien angesiedelt und den Banken- und Versicherungssektor gestärkt. Für 2009 wird allerdings nur noch ein Realwachstum in Höhe von 1,2 Prozent (EU: 0,2 Prozent, Quelle: Europäische Kommission) erwartet.
"Deutsche wollen vor allem deshalb in Luxemburg arbeiten, weil man dort unter dem Strich netto deutlich mehr verdienen kann als in Deutschland. Viele gehen aber auch einfach deswegen über die Grenze, weil die Beschäftigung in Luxemburg ständig ansteigt und man daher in vielen Bereichen ohne Schwierigkeiten Arbeit findet.“
Hans-Josef Puch, Mitarbeiter im EURES-Netzwerk, ZAV in Trier
Prägend ist der Dienstleistungssektor – er trägt 80 Prozent zur gesamten Wertschöpfung bei. Innerhalb dieses Sektors ist die Finanzbranche am bedeutendsten: Sie erwirtschaftet mehr als die Hälfte (53 Prozent) des gesamten BIP Luxemburgs.
Zentrum des Dienstleistungssektors ist die Hauptstadt Luxemburg: Dort sitzen die meisten Banken und Versicherungen, aber auch bedeutende Organisationen der EU – zum Beispiel der Gerichtshof und der Rechnungshof. Die verarbeitende Industrie hingegen konzentriert sich nach wie vor im früheren Revier der Schwerindustrie im Südwesten des Landes, dessen Zentrum bei Esch/Alzette liegt. Produziert werden vor allem Eisen und Stahl, Nahrungsmittel, chemische Produkte, Gummi, Kunststoffe, Metallprodukte, Maschinen, Papier, Reifen, Glas und Aluminium.
Weitere Informationen über Luxemburg finden Sie unter www.ont.lu, unter www.debelux.org; http://ec.europa.eu und unter www.auswaertiges-amt.de.
Weiterführende Informationen:
www.auswaertiges-amt.de
Das Auswärtige Amt informiert auf seinem Online-Portal unter dem Stichwort "Länderinformationen" über europäische und außereuropäische Länder. Die Themen: Politik, Wirtschaft, Kultur, Stand der bilateralen Beziehungen und Einreisebestimmungen des jeweiligen Ziellandes sowie Reise-, Sicherheits- und Gesundheitshinweise.
http://www.ont.lu
Das Online-Portal informiert mehrsprachig über das landestypische Leben und bietet viele Kontaktadressem zu weiterführenden Institutionen.
www.ec.europa.eu
Übersicht über die verschiedenen Regional- und Minderheitensprachen, die in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union gesprochen werden. Die Webseite bietet Informationen zur Geschichte der Region sowie der Entwicklung und Verbreitung von Regional- und Minderheitensprachen.
www.debelux.org
Das Online-Portal bietet grenzübergreifende Informationen zur Wirtschaftslage und zu den Arbeitsmärkten in den drei Ländern Belgien, Luxemburg und Deutschland. Es enthält ein Firmenverzeichnis und eine eigene Jobbörse.
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