Slowenien: Land und Leute
Land & Leute
„Balkan sind immer nur die anderen“, spricht der slowenische Philosoph Slavoj Zizek seinen Landsleuten aus der Seele. Zum Balkan fühlte sich Slowenien nie zugehörig, was den Jugoslawien-Architekten Tito stets schmerzlich berührte, war Slowenien doch seit 1918 faktisch eine Teilrepublik des Landes. Doch für Österreich, dessen Provinz es zu Zeiten der Donaumonarchie noch war, schlug das Herz der Slowenen ebenso wenig. Am liebsten wollen sie niemandem Rechenschaft schuldig sein. 1991 erklärten sie sich zur unabhängigen Republik Slowenien. Von der Fläche her ist Slowenien noch kleiner als Hessen. Das Land hat zwei Millionen Einwohner und trat im Jahr 2004 der Europäischen Union bei.
Ein klassisches Transitland, wird Slowenien von Norden nach Süden und von Westen nach Osten von Schnellstraßen durchzogen. Auf diesen gelangt man binnen weniger Stunden von Österreich nach Kroatien und von Italien nach Ungarn oder umgekehrt. Der Blick aus dem Auto bietet ein abwechslungsreiches Panorama aus Bergen, Wäldern und Flüssen.
Wer auf dem Weg gen Süden von der Autobahn nach rechts abbiegt, sieht bald das Mittelmeer vor sich liegen. Zu Slowenien gehört auch ein Stück der Adriaküste. Genau 46,6 Kilometer misst die slowenische Riviera in der Region Istrien. Dort liegt auch der Überseehafen Koper, der Slowenien mit der ganzen Welt verbindet. An der Küste und auf den Flüssen und Seen ist Wassersport sehr beliebt. In den Alpen im Osten kann man wandern und Ski fahren.
Etwas mehr als eine viertel Million Menschen leben in der Landeshauptstadt Ljubljana. Das einstige Laibach liegt zu Füßen einer Burg und ist eine lebendige, junge Stadt mit zahlreichen Festivals und einer eindrucksvollen Architektur. Sie deckt die ganze stilistische Skala von der Renaissance bis zum Jugendstil ab. Die nächstgrößere Stadt Maribor hat 110.000 Bürger, danach folgen nur halb so bevölkerungsreiche Kleinstädte und verstreut liegende Dörfer.
Vier von fünf Landesbewohnern sind Slowenen. Starke Minderheiten stammen aus Kroatien, Serbien, Italien, Ungarn und Deutschland. Die Amtssprache ist Slowenisch; in ethnisch gemischten Regionen genießen Italienisch und Kroatisch besonderen Schutz. Knapp 60 Prozent der Slowenen sind römisch-katholisch.
Slowenien hat seine Selbstständigkeit gut genutzt. Der kleine Staat hat seine Wirtschaft solide von Landwirtschaft zu Industrie und Dienstleistungen umstrukturiert und gilt als ökonomisches Musterland unter den jungen EU-Mitgliedern. Ein Problem wird Slowenien jedoch so schnell nicht lösen können – die Ähnlichkeit seines Namens mit dem der Slowakei. 600 Kilo Post werden jedes Jahr irrtümlich einer Adresse im falschen Land zugestellt.
Weitere Informationen über Slowenien finden Sie unter www.auswaertiges-amt.de, http://ec.europa.eu und www.slowenia.si.
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Blick in die Wirtschaft
Seit der politischen Wende hat Slowenien seine Wirtschaft von einer zentral gelenkten Planwirtschaft zu einem marktwirtschaftlichen System umstrukturiert – mit Erfolg: Die Arbeitslosigkeit ist gesunken, die Löhne sind gestiegen. Heute verkauft Slowenien seine Erzeugnisse vor allem an die westlichen Industrieländer und bezieht auch den Großteil seiner Einfuhren von dort. Deutschland ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner. Etwa 250 deutsche Unternernehmen haben sich in Slowenien angesiedelt. Seit dem EU-Beitritt 2004 hat Slowenien den Güteraustausch auch mit Ungarn, Polen, Tschechien, der Slowakei, Bulgarien und Polen deutlich ausgeweitet. Der Euro wurde am 1. Januar 2007 eingeführt.
Noch in der ersten Hälfte des Jahres 2008 erzielten viele Unternehmen in Slowenien sehr hohe Exportquoten – insbesondere in der Kfz-, Elektro- und Maschinenbranche. Ab Jahresende jedoch machte sich der weltweite Konjunkturabschwung bemerkbar: Die Aufträge in der Industrie gingen im Dezember 2008 um rund ein Drittel zurück. Für 2009 rechnen Experten mit gut 10 Prozent weniger Warenexporten als in 2008. Die EU-Kommission prognostiziert Slowenien für 2009 ein BIP-Wachstum von 0,6 Prozent; in 2010 soll die Wirtschaft dann wieder um 2,3 Prozent wachsen. Noch in der ersten Hälfte von 2008 hatte das BIP um 5,6 Prozent zugenommen.
"Slowenien leidet wie andere Länder auch unter den Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise. Hier trifft es besonders die Metallund die Automobilzulieferindustrie, denn sie hängen stark vom Export ab. Andere Bereiche hingegen sind noch relativ stabil. Wir rechnen damit, dass das Wirtschaftswachstum in 2009 maximal ein Prozent betragen wird.“
Gertrud Rantzen ist Geschäftsführerin der Deutsch-Slowenischen Industrie- und Handelskammer.
Einer der lukrativsten Wirtschaftszweige ist der Tourismus; er konzentriert sich vor allem auf die Alpenregion, die Adria und auf Ljubljana. Zu den wichtigsten Ausfuhrgütern gehören Maschinen und Transportausrüstungen, chemische Erzeugnisse, Halbwaren, Eisen und Stahl, Rohstoffe und Nahrungsmittel. Die verarbeitende Industrie trug 2007 ein knappes Viertel zum BIP bei, der Immobilienhandel und Servicedienstleistungen rund 16 Prozent, der Groß- und Einzelhandel 12 Prozent.
Über die Wirtschaftspolitik und die Gesetzgebung informiert Sie die Website des slowenischen Wirtschaftsministeriums (www.mg.gov.si).
Interessante Links:
www.auswaertiges-amt.de
Das Auswärtige Amt informiert auf seinem Online-Portal unter dem Stichwort "Länderinformationen" über europäische und außereuropäische Länder. Die Themen: Politik, Wirtschaft, Kultur, Stand der bilateralen Beziehungen und Einreisebestimmungen des jeweiligen Ziellandes sowie Reise-, Sicherheits- und Gesundheitshinweise.
www.ec.europa.eu
Übersicht über die verschiedenen Regional- und Minderheitensprachen, die in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union gesprochen werden. Die Website bietet Informationen zur Geschichte der Region sowie zur Entwicklung und Verbreitung von Regional- und Minderheitensprachen.
http://www.zsss.si
Eine Kurzübersicht mit Grundinformationen in vielen verschiedenen Sprachen zu Leben und Arbeiten in Slowenien.
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