Studieren in Italien

 

Hochschullandschaft

Italien ist das Mutterland der Universitäten. Im 11. Jahrhundert wurde in Bologna die erste Universität Europas gegründet. Heute gehört die Universität Bologna zu den zehn Mega-Universitäten, die knapp 40 Prozent aller Studierenden auf sich vereinen. Insgesamt sind rund 1,8 Millionen Studierende an den italienischen Hochschulen eingeschrieben. Rund 60 Prozent brechen das Studium jedoch vor dem Abschluss ab, häufig um ein Jobangebot anzunehmen.

Als jüngste Universität wurde im Oktober 1997 die Freie Universität in Bozen gegründet. Der Unterricht findet dort in drei Sprachen statt (Deutsch, Italienisch und Englisch). Mehr Informationen gibt es unter www.unibz.it.

Eine Liste binationaler Studiengänge finden Sie auf der Website des deutsch-italienischen Hochschulzentrums in Trient unter www.ait-dih.org. Ziele des Hochschulzentrums sind die Entwicklung von neuen binationalen Studienprogrammen mit Bachelor- und Masterabschluss, gemeinsam betreute Promotionsvorhaben und die Gründung von Graduiertenkollegs.

Das italienische Hochschulsystem wurde in den letzten Jahren nach angloamerikanischem Vorbild reformiert. Heute unterteilen sich die Hochschulen wie folgt:

Università und istituti universitari
In Italien gibt es über 70 traditionelle Universitäten mit breitem Fächerspektrum. Drei Viertel davon sind staatlich. Die staatlich anerkannten privaten Universitäten werden von öffentlichen Institutionen, Kirchen oder Verbänden getragen.

Politecnici
Es gibt drei Technische Universitäten (Mailand, Turin und Bari), die sich auf wissenschaftliche Ingenieurstudiengänge spezialisiert haben.

Scuole superiori
Die drei Scuole superiori sind mit den Grandes écoles in Frankreich vergleichbar. Sie bemühen sich um eine intensive Verbindung von Lehre, Forschung und Berufsvorbereitung.
Damit gehen sie über das erreichbare Ausbildungsniveau an Massenuniversitäten weit hinaus.

Istituti superiori di educazione fisica (ISEF )
Die bisherigen eigenständigen Sporthochschulen wurden bis auf die Sporthochschule in Rom in bestehende Universitäten eingegliedert.

Istituti di alta formazione artistica e musicale
Die Kunst- und Musikhochschulen zählen seit Kurzem zum Bereich der höheren Bildung, aber nicht zu den Universitäten.

Fernstudium
Einige italienische Universitäten bieten Fernstudien an, unter anderem die Universität in Bergamo (www.unibg.it) oder das FOR.COM-Konsortium in Rom (www.forcom.it).


nach oben nach obenDruckversionDruckversion

Informationen zum Studium

Das akademische Jahr besteht aus zwei Semestern. Das erste beginnt im September/Oktober und endet im Januar/Februar. Das zweite beginnt im Februar und endet im Juli. Jedes Semester besteht aus etwa 14 Wochen Vorlesungszeit und sechs Wochen Prüfungszeit.

Medizinische Berufe wie Physio- und Ergotherapeut sowie Krankenpfleger, die in Deutschland über eine Ausbildung zu erreichen sind, setzen in Italien ein Studium voraus.

Im Jahr 2000 führte Italien eine weitreichende Reform der Studienstrukturen an den Universitäten durch, die seit dem Studienjahr 2001/02 greift. Im Zuge der europäischen Angleichung der Hochschulsysteme wurden ein zweistufiges Studium, vergleichbare Abschlüsse und Leistungspunkte in das Prüfungswesen eingeführt.

Wertvolle Informationen zum Studium in Italien liefern die Länderinformationen des DAAD (www.daad.de), das Centro Studi Orientamento (www.cestor.it) und das Bildungsministerium unter www.universo.miur.it. Das Ministerium bietet auch eine Datenbank zur gezielten Suche nach Studiengängen unter http://cercauniversita.cineca.it. Informationen auf Englisch finden Sie unter www.study-in-italy.it.

nach oben nach obenDruckversionDruckversion

Studiengebühren

In Italien ist das Studium an Universitäten und Lehreinrichtungen mit Universitätsrang gebührenpflichtig. Die Gebühren werden jedes Jahr neu festgelegt. Ihre Höhe hängt von der jeweiligen Bildungseinrichtung ab. Die Spanne reicht von 750 EUR bis 3.000 EUR (Zahnmedizin). Hinzu kommen Einschreibgebühren von rund 170 EUR.

nach oben nach obenDruckversionDruckversion

Zulassung und Bewerbung

Voraussetzung für das Studium an einer italienischen Universität ist das „Esame di stato“, das nach zwölf Schuljahren erworben werden kann. Es entspricht der allgemeinen oder fachgebundenen Hochschulreife in Deutschland. Nicht eindeutig geregelt ist die Zulassung zum Studium für Bewerber mit Fachhochschulreife. Nach einer EU-Richtlinie sollen Studienbewerber in EU-Ländern die gleichen Studiengänge belegen können wie im Herkunftsland. Letztlich entscheidet die Hochschule über die Zulassung zum Studium. Italienische Konsulate (www.ambberlino.esteri.it) und Kulturinstitute in Deutschland stellen die „Wertigkeitserklärung“ (Dichiarazione di valore) des Schulabschlusses aus. Außerdem sind gute italienische Sprachkenntnisse wesentliche Voraussetzung. Sie werden jedoch nicht mehr an allen Universitäten durch einen Sprachtest überprüft.

Für einige Fächer gibt es Zulassungsbeschränkungen (numero programmato). Italienweite Zulassungsbeschränkungen bestehen für die Studienfächer Architektur, Human-, Zahn- und Tiermedizin. Die Zahl der Studienanfänger in den einzelnen Studienorten wird jährlich durch das Bildungsministerium (Ministero per l’istruzione, l’università e la ricerca – MIUR) festgelegt. Auch die einzelnen Universitäten können Zulassungsbeschränkungen für ausgewählte Fächer festlegen.

Alle Studienbewerber müssen sich einem Auswahltest unterziehen. Für jedes Studienfach gibt es fachspezifische Tests, die die Eignung für das Studienfach feststellen sollen. Das Testergebnis zählt 60 bis 80 Prozent, die Abiturnote 20 bis 40 Prozent. Die Bewerber werden in der Reihenfolge des Gesamtergebnisses zugelassen. Bewerber für zulassungsbeschränkte Studiengänge müssen zusätzlich an einer Wettbewerbsprüfung (Esame di concorso) teilnehmen. Mehr Informationen finden Sie unter www.alphatest.it.

Studienbewerber aus den EU-Ländern sind den italienischen Bewerbern gleichgestellt. Bei den Auswahltests konkurrieren sie unmittelbar mit den Bewerbern aus Italien. „Ausländerquoten“ gibt es nur noch für Bewerber aus Ländern außerhalb der EU.

nach oben nach obenDruckversionDruckversion

Finanzierung

Deutsche, die ihr Studium ganz oder teilweise im Ausland absolvieren möchten, können nach dem neuen Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) leichter gefördert werden. Unter www.das-neue-bafoeg.de erfahren Sie mehr darüber. Auf der Internetseite finden Sie auch ein nach Ländern gegliedertes Verzeichnis der Ämter für Ausbildungsförderung.

Das europäische Bildungsprogramm Erasmus fördert Studienaufenthalte im europäischen Ausland. Im Rahmen dieses Bildungsprogramms können Studierende für die Dauer von drei Monaten bis zu einem vollen Studienjahr im Ausland verbringen. Das Stipendium ist eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung eines Auslandsstudiums. Hier ist der DAAD die erste Adresse (http://eu.daad.de).

nach oben nach obenDruckversionDruckversion

Teil- oder Vollstudium?

Wenn Sie ein oder zwei Semester im Ausland studieren möchten, sollten Sie dies erst nach dem Grundstudium tun. Für die Zeit des Auslandsstudiums lassen Sie sich am besten beurlauben. Es besteht zwar auch die Möglichkeit der Exmatrikulation für diesen Zeitraum, doch ist dies nicht ratsam, weil Sie dadurch möglicherweise Ihren Studienplatz gefährden. Auch die Zugehörigkeit zur Krankenversicherung könnte verloren gehen.

In jedem Fall empfiehlt es sich, vorab beim Studentensekretariat und bei der Krankenversicherung genaue Informationen einzuholen. Das Akademische Auslandsamt Ihrer Heimatuniversität hilft bei allen Fragen zum Auslandsstudium. Die Adressliste aller Auslandsämter finden Sie unter www.hochschulkompass.de. Unter http://eu-community.daad.de informiert der DAAD über den Studienalltag und die kulturellen Besonderheiten in den europäischen Ländern. Dort finden Sie auch Berichte von Studierenden über ihre Erfahrungen im Ausland.

Ein Vollstudium im Ausland ist nur dann empfehlenswert, wenn Sie tatsächlich Ihr Studium dort abschließen. Bei einer späteren Arbeitsaufnahme in Deutschland könnten sich hinsichtlich der Anerkennung von Abschlüssen und der Zulassung zu manchen Berufen Schwierigkeiten ergeben – etwa bei Tätigkeiten im öffentlichen Bereich. Auskunft erteilen Hochschullehrer, die fachliche Kontakte zu Hochschulen im Ausland unterhalten.

Die Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen, die im Ausland erbracht wurden, ist nicht einheitlich geregelt. Dies liegt an der föderalen Struktur des deutschen Bildungssystems und an der Autonomie deutscher Hochschulen. Wichtig ist, alle Fragen vor Beginn des Auslandsstudiums zu klären. Auf diese Weise ersparen Sie sich hinterher böse Überraschungen. Das Informationssystem anabin informiert über das Niveau ausländischer Hochschulabschlüsse im Vergleich zu denen in Deutschland (www.anabin.de).


Zum Studium in Italien liefern die Länderinformationen des DAAD (www.daad.de) oder das italienische Bildungsportal CONICS (www.conics.it) oder die Website www.collegecontact.com wertvolle Informationen. Da die Qualität der Bildungseinrichtungen schwer einzuschätzen ist, ist deutschen Studienbewerbern eher zu einem Teilstudium in Italien zu raten.
Das Europäische Hochschulinstitut in Fiesole bei Florenz wurde 1976 von den EU-Mitgliedschaften als internationales Lehr- und Forschungsinstitut für Postgraduates gegründet. Es hat drei wichtige Aufgaben: 1. Weiterbildung von Hochschulabsolventen. Dazu gehören ein Doktoratsprogramm für 450 Forschungsstudenten (Rechts-, Wirtschafts-, Politik- und Sozialwissenschaften sowie Geschichte und Kulturgeschichte) und ein Masterprogramm für europäische und internationale Rechtsvergleiche (LL.M.). 2. Europäisches Zentrum für fortgeschrittene Studien in den Sozial- und Geisteswissenschaften. 3. Zentrale Stätte für Konferenzen, Workshops und Seminaren für Führungskräfte auf europäischer Ebene (Fiesole): www.iue.it.

nach oben nach obenDruckversionDruckversion

Nach dem Studium

Das European University Institute in Fiesole bei Florenz wurde 1976 als internationales Lehr- und Forschungsinstitut für Postgraduierte gegründet. Es bietet Weiterbildungen für Hochschulabsolventen an, zum Beispiel ein Doktoratsprogramm für 450 Forschungsstudierende (Rechts-, Wirtschafts-, Politik- und Sozialwissenschaften sowie Geschichte und Kulturgeschichte) und ein Masterprogramm für europäische und internationale Rechtsvergleiche (LL.M.). Außerdem gibt es am Institut ein Europäisches Zentrum für fortgeschrittene Studien in den Sozial- und Geisteswissenschaften. Das Institut richtet Konferenzen, Workshops und Seminare für Führungskräfte auf europäischer Ebene aus. Mehr Informationen finden Sie unter www.iue.it.

Berufseinstieg für Hochschulabsolventinnen und -absolventen

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt
Von 2000 bis Mitte 2008 sank die Arbeitslosenquote in Italien von 10 Prozent auf rund 6 Prozent (Quelle: Eurostat). In den nächsten Jahren wird sie vermutlich weiter leicht fallen. Bemerkenswert sind die regionalen Unterschiede: Während in Norditalien nur gut 4 Prozent der 25- bis 34-Jährigen arbeitslos sind, sind es in Mittelitalien 7 und im Süden fast 16 Prozent. Ein vergleichsweise hoher Teil (jeder Dritte) der Erwerbstätigen ist selbstständig.
Viele Firmen rekrutieren Arbeitskräfte aus dem Ausland, im Nordosten sogar bei jeder dritten Neueinstellung. Etwa ein Zehntel der Stellen, für die ausländische Arbeitskräfte gesucht werden, wird für Hochschulabsolventinnen und -absolventen ausgeschrieben.

Aussichten für Hochschulabsolventen
2007 war ein Rekordjahr für italienische Akademikerinnen und Akademiker: Seit 2001 hat es nicht mehr so viele offene Stellen für sie gegeben. Die weitaus meisten Jobs (85 Prozent) bietet der Dienstleistungssektor, 11 Prozent die Industrie. Berufserfahrung ist meist gewünscht. Viele Unternehmen melden einen großen Bedarf an Führungskräften. Der Berufseinstieg verläuft allerdings auch nach einem Studium nicht immer reibungslos. Etwa 14 Prozent der Graduierten befinden sich drei Jahre nach ihrem Abschluss auf Jobsuche. Ein längeres Praktikum erhöht die Chancen beim Berufseinstieg deutlich; allerdings bringt nur jeder fünfte Studienabgänger entsprechende Erfahrungen mit.

Auffällig sind die niedrigen Verdienste in Italien: Ein Jahr nach Studienabschluss verdienen Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen im Durchschnitt etwa 1000 Euro netto. Gerade junge Freiberufler arbeiten viel und verdienen wenig.

Fast Vollbeschäftigung in Medizin und Technik
Außerordentlich gering ist die Arbeitslosigkeit von Absolventinnen und Absolventen der Medizin und der Pflegewissenschaften. Sie finden in der Regel kurz nach ihrem Studienabschluss eine Stelle. Auch frisch gebackene Elektro- und IT-Ingenieurinnen und -Ingenieure müssen sich um ihren Berufseinstieg keine Sorgen machen: An sie richtete sich im Jahr 2007 jede achte Stellenausschreibung auf dem Arbeitsmarkt für Akademiker.
Für Absolventinnen und Absolventen eines naturwissenschaftlichen Fachs ist der Arbeitsmarkt ungünstiger. Jeder zehnte Chemiker und Pharmazeut sucht drei Jahre nach Studienabschluss einen Job; bei Hochschulabgängerinnen und -abgängern mit einem Abschluss in Geologie oder Biologie liegt der Anteil noch höher. Selbst ein Doktortitel bietet keine Gewähr für einen reibungslosen Berufsstart: Unter den „dottori“ in Naturwissenschaften befinden sich drei Jahre nach dem Abschluss 13 Prozent in einer Bewerbungsphase.

Wirtschaftsberufe: Breites Stellenangebot, viel Konkurrenz
Relativ zahlreich sind die Jobangebote für Wirtschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Etwa jede dritte offene Akademikerstelle war im Jahr 2007 für sie ausgeschrieben. Besonders gefragt sind Angestellte in der Buchhaltung und allgemeinen Verwaltung. Dennoch liegt die Arbeitslosenquote unter Ökonominnen und Ökonomen bei zehn Prozent. Ein Grund dafür liegt in der Konkurrenz mit Berufseinsteigerinnen und -einsteigern, die einen kaufmännischen Abschluss an einer Handelsoberschule gemacht haben.

Schwierige Lage für Geistes- und Sozialwissenschaftler
Wie in vielen anderen europäischen Ländern haben auch in Italien Geistes- und Sozialwissenschaftler die größten Probleme beim Übergang von der Hochschule in den Beruf. Nur die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen eines sprach- oder literaturwissenschaftlichen Faches hat drei Jahre nach dem Abschluss eine Arbeit – oft die gleiche, die sie schon im oder vor dem Studium begonnen haben. Mit einem Pädagogik-Examen konnte man sich 2007 zwar auf sehr viele Stellenangebote bewerben. Lehrerinnen und Lehrer im öffentlichen Dienst haben allerdings oft befristete Arbeitsverhältnisse mit geringer Stundenzahl und geringem Verdienst.




Forschung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung informiert auf seinem Portal www.internationale-kooperation.de über Forschungsprogramme und -initiativen. Zu den wichtigsten zählen hierbei das Nato-Wissenschaftsprogramm „Science for Peace and Security“ (www.nato.int) und die europäische Forschungsinitiative „EUREKA“ (www.eureka.be). Über Stipendien, Arbeits- und Forschungsmöglichkeiten für Forscher und Wissenschaftler informiert http://ec.europa.eu/euraxess. Von dieser Webseite aus sind die nationalen Mobilitätsportale mit ihrem Beratungs- und Informationsagebot für Wissenschaftler zu erreichen. Der EU-Dienst „Cordis“ (http://cordis.europa.eu) bietet Hunderte von freien Doktoranden- und Postdoktorandenstellen vieler Fachrichtungen in Europa an.

In Italien setzte die Internationalisierung von Forschung und Wissenschaft später als in anderen Industriestaaten ein. Heute zählt Italien zu den bedeutenden Forschungsnationen und hat eine diversifizierte Forschungsstruktur. In der Grundlagen- und Weltraumforschung gehört Italien zur internationalen Spitzengruppe.

Zu den großen italienischen Forschungsorganisationen gehören die "Agenzia Spaziale Italiana" (www.asi.it) und das "Consiglio Nazionale delle Ricerche" (www.cnr.it).

 

nach oben nach obenDruckversionDruckversion

Bildausschnitt: Foto einer lächelnden Frau, die mit einem Spiralblock in den Händen in einem Bibliotheksgang steht.
 
Symbolbild: Ein junger Mann vor einer Tafel mit Einsteins berühmter Formel E=mc²
 
Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) - Info-Center der ZAV: 0228 / 713 13 13 - E-Mail: zav-auslandsvermittlung@arbeitsagentur.de