Studieren in der Tschechischen Republik
Hochschullandschaft
Der akademische Gedanke und die Hochschulbildung sind in Tschechien tief verwurzelt. 1348 wurde die Karls-Universität als erste mitteleuropäische Universität gegründet, 1573 folgte die Gründung der Universität Olomouc (Olmütz).
In Tschechien gibt es 26 öffentlich-rechtliche Hochschulen (davon 24 Hochschulen universitären Typs und zwei nicht universitären Typs), 46 Privathochschulen und 2 staatliche Hochschulen universitären Typs (Universität der Verteidigung, Polizeiakademie). Der Schwerpunkt der nicht universitären Hochschulen liegt auf Bachelorprogrammen. Sie können auch Masterstudiengänge anbieten, nicht jedoch die Ausbildung zum Doktorgrad. Die Ausbildung an den nicht universitären Einrichtungen ähnelt der Ausbildung an den deutschen Fachhochschulen. Universitäre Hochschulen haben alle Studienprogramme beziehungsweise -abschlüsse im Angebot, außerdem nimmt die Forschung immer mehr Raum ein. An der Akademie der Wissenschaft wird fast ausschließlich Forschung betrieben, und zwar auf exzellentem Niveau; Studiengänge werden hier nicht angeboten.
"Prag ist natürlich einer der beliebtesten Studienorte für Ausländer in Tschechien. Man sollte sich in der Studienortwahl aber nicht nur von der Attraktivität einer Stadt, sondern auch von der Bewertung der Fakultäten und von den Bedingungen des jeweiligen Studiengangs leiten lassen. Die jährlichen Rankingergebnisse findet man unter www.lidovky.cz. Kleinere Hochschulstandorte bieten oft sehr gute Arbeitsbedingungen, hervorragende Betreuung und eine angenehme familiäre Atmosphäre.“
Astrid Winter ist DAAD-Lektorin an der Karls-Universität und Leiterin des Prager DAAD-Informationszentrums.
Die drei bekanntesten öffentlichen Hochschulen sind neben der Univerzita Karlova in Prag (www.cuni.cz) die Masarykova Univerzita in Brno (www.muni.cz) und die Univerzita Palackého in Olomouc (www.upol.cz). Für die öffentlichen Hochschulen ist das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport zuständig. Es bietet auf seiner Homepage eine Liste mit Links zu den Hochschulen und Instituten an: www.msmt.cz (> Tertiary Education). Für die Universität der Verteidigung und die Polizeiakademie ist das Verteidigungs- oder das Innenministerium zuständig.
Die privaten Hochschulen wurden ab 1998 eingeführt, sind gebührenpflichtig und in der Regel nicht universitären Typs (Ausnahme: Johann-Amos-Comenius-Universität Prag). Das Studienangebot konzentriert sich auf die Fachgebiete Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Informatik, Kunst, angewandte Ökologie und Gesundheitswesen. Auf der Homepage des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport finden Sie eine Linkliste der privaten Institute: www.msmt.cz (> Tertiary Education).
Auch Fernstudien sind möglich: Es gibt das Nationale Zentrum für Fernstudien (www.csvs.cz) und vier lokale Zentren für Fernstudien: die Universitäten in Liberec (www.vslib.cz), Brno (www.vutbr.cz) und Olomouc (www.cdiv.upol.cz) und die Erwachsenenbildungsakademie J. A. Komenského in Prag (www.ujak.cz).
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Forschung
Die wissenschaftliche Forschung konzentriert sich in Tschechien auf die Institute der Akademie der Wissenschaften und auf die Universitäten, wobei Forschung und Lehre traditionell eher getrennt sind. Das für 2010 geplante Hochschulgesetz soll in dieser Hinsicht einiges ändern – vorgesehen ist die Differenzierung in Lehr- und Forschungsuniversitäten und die stärkere Verzahnung zwischen Akademie und Hochschulen. Im Forschungsranking schneiden neben den Prager Universitäten auch die Universitäten in Brno/Brünn und Olomouc/Olmütz hervorragend ab.
Die Akademie der Wissenschaft ist in 54 öffentliche Forschungsinstitute gegliedert und wird direkt aus dem Staatshaushalt finanziert. Sie genießt ein sehr hohes Renommee aufgrund der auch im internationalen Maßstab exzellenten Forschung in allen Wissenschaftszweigen. Aufgrund von Kooperationen mit den Hochschulen werden die Institute auch in die universitäre Lehre einbezogen.
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Informationen zum Studium
Das akademische Jahr ist in zwei Semester aufgeteilt, Oktober bis Dezember und Februar bis Juni; im Juli und August ist vorlesungsfreie Zeit. Die genauen Prüfungsund Vorlesungszeiten werden vom Dekan für die jeweilige Fakultät festgelegt. Mit der Reform von 1990 wurde ein dreigliedriges Studiensystem eingeführt, das die Stufen Bachelor-, Master- und Promotionsstudium umfasst.
Nach jedem Semester müssen die Studierenden Prüfungen ablegen. Das mehrstufige modularisierte Studiensystem nach den Vorgaben des europäischen Bologna-Prozesses ist in der Tschechischen Republik fast durchgängig an den Hochschulen umgesetzt oder kurz vor der Akkreditierung. Das Kreditpunktesystem ECTS und das Diploma Supplement werden daher schon fast überall angewandt. Detaillierte Informationen über das Hochschulsystem bietet Ihnen Czech NARIC (Centre for Higher Education Studies) im Internet unter www.csvs.cz. Außerdem hilft Ihnen die tschechische Niederlassung des DAAD gerne mit Informationen weiter: www.daad.cz (oder Tel.: +420 224 931 182).
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Studiengebühren
An den staatlichen Universitäten ist das Studium für EU-Bürger kostenlos, sofern sie auf Tschechisch studieren. Für fremdsprachige Studienprogramme werden Studiengebühren erhoben. Sie betragen je nach Studienfach zwischen 2.273 € und 7.580 € pro Studienjahr. Die einzelnen Hochschulen legen die Gebühren selber fest.
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Zulassung und Bewerbung
Voraussetzung für ein Studium ist die tschechische Hochschulzugangsberechtigung Maturitní Vysvedæeni oder ein Äquivalent wie die deutsche allgemeine Hochschulreife. Ob die deutsche Fachhochschulreife anerkannt wird, hängt vom jeweiligen Studienfach ab. Die Zulassungsbedingungen variieren von Hochschule zu Hochschule. Deshalb sollten Sie sich direkt bei Ihrer Zielhochschule erkundigen. Weil es viel mehr Anwärter als Studienplätze gibt, müssen Studienbewerberinnen und -bewerber in der Regel ein Aufnahmeverfahren bestehen. Ihre Bewerbungsunterlagen (Abiturzeugnis und andere Zeugnisse, Pass, Antrag auf Zulassung zum Studium, ein kurzer Lebenslauf und ein Gesundheitszeugnis) müssen bis zum 30. März bei der tschechischen Hochschule angekommen sein. Im Juni findet die in der Regel mündliche Aufnahmeprüfung statt, die Einschreibung folgt im September.
Unterrichtssprache ist in der Regel Tschechisch. Die Sprachkenntnisse werden vor Beginn des Studiums überprüft. Ausländischen Studienbewerberinnen und -bewerbern bieten die Hochschulen bei Bedarf einen einjährigen Sprachkurs an.
Fremdsprachige Studiengänge (vorwiegend auf Englisch, teilweise auf Deutsch, Französisch und Spanisch) und Kooperationen mit ausländischen Hochschulen nehmen zu.
Besonders attraktiv für Deutsche sind die trinationalen Studienangebote des Internationalen Hochschulinstituts Zittau (www.ihi-zittau.de) und der Neisse University (www.neisse-uni.org). Im Verbund bieten dort deutsche, tschechische und polnische Hochschulen Studiengänge in Fächern wie Betriebswirtschaftslehre, Sozialwissenschaften, Umwelttechnik sowie Informations- und Kommunikationsmanagement an.
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Finanzierung
Deutsche, die ihr Studium ganz oder teilweise im Ausland absolvieren möchten, können nach dem neuen Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) leichter gefördert werden. Unter www.das-neue-bafoeg.de erfahren Sie mehr darüber. Auf der Internetseite finden Sie auch ein nach Ländern gegliedertes Verzeichnis der Ämter für Ausbildungsförderung.
Das europäische Bildungsprogramm Erasmus fördert Studienaufenthalte im europäischen Ausland. Im Rahmen dieses Bildungsprogramms können Studierende für die Dauer von drei Monaten bis zu einem vollen Studienjahr im Ausland verbringen. Das Stipendium ist eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung eines Auslandsstudiums. Hier ist der DAAD die erste Adresse (http://eu.daad.de).
Erasmus-Stipendiaten müssen keine Studiengebühren in der Tschechischen Republik zahlen. Sie erhalten einen Mobilitätszuschuss, der den Mehrbdarf, der durch ein Auslandsstudium entsteht, teilweise abdeckt. Die in Tschechien erbrachten Studienleistungen werden zu Hause anerkannt.
Zudem vergibt der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds (www.zukunftsfonds.cz) jährlich Stipendien für einen Studienaufenthalt in Tschechien.
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Teil- oder Vollstudium?
Wenn Sie ein oder zwei Semester im Ausland studieren möchten, sollten Sie dies erst in einer fortgeschrittenen Studienphase tun. Für die Zeit des Auslandsstudiums lassen Sie sich am besten beurlauben. Darüber hinaus bietet eine Reihe von "Internationalen Studiengängen" die Gelegenheit, studienbezogene Auslandsaufenthalte auf der Grundlage geregelter Kooperationsbeziehungen mit österreichischen Hochschulen zu absolvieren und gegebenenfalls auch einen Doppelabschluss zu erwerben. Eine Übersicht der Kooperationsbeziehungen zwischen deutschen und österreichischen Hochschulen gibt die Hochschulrektorenkonferenz HRK unter www.hochschulkompass.de.
Es besteht zwar auch die Möglichkeit der Exmatrikulation für die Zeit des Auslandsstudiums, doch ist dies nicht ratsam, weil Sie dadurch möglicherweise Ihren Studienplatz gefährden. Auch die Zugehörigkeit zur Krankenversicherung könnte verloren gehen. In jedem Fall empfiehlt es sich, vorab beim Studentensekretariat und bei der Krankenversicherung genaue Informationen einzuholen.
Das Akademische Auslandsamt Ihrer Heimatuniversität hilft bei allen Fragen zum Auslandsstudium. Die Adressliste aller Auslandsämter finden Sie unter www.hochschulkompass.de. Unter http://eu-community.daad.de informiert der DAAD über den Studienalltag und die kulturellen Besonderheiten in den europäischen Ländern. Dort finden Sie auch Berichte von Studierenden über ihre Erfahrungen im Ausland.
Ein Vollstudium im Ausland ist nur dann empfehlenswert, wenn Sie tatsächlich Ihr Studium dort abschließen. Bei einer späteren Arbeitsaufnahme in Deutschland könnten sich hinsichtlich der Anerkennung von Abschlüssen und der Zulassung zu manchen Berufen Schwierigkeiten ergeben - etwa bei Tätigkeiten im öffentlichen Bereich.
Das Informationssystem anabin informiert über das Niveau ausländischer Hochschulabschlüsse im Vergleich zu denen in Deutschland (www.anabin.de).
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Nach dem Studium
Neben den Promotionsstudiengängen gibt es postgraduale Studiengänge an öffentlichen Universitäten. Einige der postgradualen Studienprogramme werden auf Englisch angeboten. Die U.S. Business School Praha (USBSP) bietet in Kooperation mit dem Rochester Institute of Technology in USA ein MBA-Studium (Studiendauer: ein Jahr) und einige Zertifikatskurse auf Englisch an. Mehr Informationen: www.usbsp.cz. Die University of New York in Prag (UNYP) hat Master- und MBA-Studiengänge in ihrem Programm. Die Kurse finden am Wochenende statt. Das 16-monatige MBA-Studium wird in Kooperation mit der französischen École Supérieure de Commerce et de Management (ESCEM) durchgeführt. Die einjährigen Master-Studiengänge werden in Kooperation mit 15 US-Universitäten durchgeführt. Mehr Informationen: www.unyp.cz.
Berufseinstieg für Hochschulabsolventinnen und -absolventen
Lage auf dem Arbeitsmarkt
In Tschechien sinkt die Arbeitslosigkeit seit zehn Jahren kontinuierlich. Die Arbeitslosenquote betrug im April 2008 4,4 Prozent - der niedrigste Stand seit 1997. Damit liegt Tschechien weit unter dem EU-Durchschnitt von 6,7 Prozent (Quelle: Eurostat).
Regional betrachtet gibt es die niedrigste Arbeitslosenquote in der Hauptstadt Prag und im umliegenden Mittelböhmen (unter 3 Prozent), die höchste in Nordböhmen und Nordmähren (mehr als 10 Prozent).
Während in den Bereichen Landwirtschaft, Forstwesen, Textilindustrie und Kohletagebau Stellen abgebaut werden, verzeichnen Chemieindustrie und Bauwesen seit einigen Jahren ein beachtliches Beschäftigungswachstum.
Aussichten für Hochschulabsolventen
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Hochschulabsolventinnen und -absolventen ist sehr gut: Obwohl in den vergangenen zehn Jahren ihre Zahl um die Hälfte gestiegen ist, liegt die Arbeitslosenquote dieser Gruppe mit 1,8 Prozent deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Der Beschäftigungszuwachs ist vor allem mit einer strukturellen Veränderung vieler Branchen nach dem EU-Beitritt des Landes sowie mit neuen Investitionen in moderne Technologien zu erklären .
Im Jahr 2007 haben 63.000 junge Menschen ihr Studium abgeschlossen; vor allem hatten Pädagogen, Ökonomen, Elektrotechniker, EDV-Kräfte, Maschinenbau- und Bauingenieure oder Juristen gute Chancen einen Arbeitsplatz zu finden.
Viele Stellen für Ingenieure, auf dem Bau und im Sozialwesen
Die Aussichten für Hochschulabgängerinnen und -abgänger sind viel versprechend: Wer Studienfächer wie Architektur oder Ingenieurwesen studiert hat, trifft auf ein Überangebot an freien Stellen. Nach Angaben der Arbeitsämter gehören Maschinenbau, Bauwesen und Elektrotechnik zu den Fächern, die beste Chancen auf einen sicheren Arbeitsplatz bieten. Zudem haben Absolventinnen und Absolventen in den Bereichen Sozialfürsorge und Gesundheitswesen wegen des ständig steigenden Durchschnittsalters der Bevölkerung eine gute Perspektive auf dem Arbeitsmarkt.
Nach Untersuchungen des tschechischen Zentrums für Bildungspolitik an der Karlsuniversität wird es im Jahr 2016 auf dem Immobilienmarkt sowie in der Forschung und Entwicklung deutlich mehr Stellen geben als heute (+25 Prozent). Ähnliche Prognosen gelten für Schulwesen, Verkehr und Kommunikation sowie die Optik-Industrie.
Es fehlen Sprachkenntnisse und Praxis
Das größte Hindernis bei der Stellensuche ist für Hochschulabsolventinnen und -absolventen nach den Angaben der Arbeitsämter ein Mangel an praktischen Erfahrungen, denn in Tschechien ist das System der studienbegleitenden Praktika noch nicht ausgebaut. Firmen bezeichnen zwar die fachlichen Kenntnisse der Hochschulabgängerinnen und -abgänger als sehr gut. Allerdings klagen Arbeitgeber über Mängel in den Bereichen Fremdsprachen, Kommunikation, selbständiges Arbeiten und Problemlösung . In Deutschland ausgebildete Bewerberinnen und Bewerber mit solchen Kompetenzen haben hier also gute Aussichten.
Deutsche als Anwälte oder Architekten
Deutsche haben als EU-Bürger freien Zugang zum tschechischen Arbeitsmarkt. Das größte Hindernis für eine Beschäftigung sind nach Angaben von Fachleuten des Zentrums für Bildungspolitik der Karlsuniversität in Prag unzureichende Tschechischkenntnisse. Niedriger sind die sprachlichen Hürden, wenn Sie eine Anstellung in einer Anwaltskanzlei, einem internationalen Architekturbüro oder einer Niederlassung einer ausländischen Firma anstreben; Geschäftssprache ist hier teilweise Englisch oder Deutsch.
Das Programm "MORE" (Mobility for Young Researchers in Central and Eastern Europe) hat sich die wechselseitige Mobilität junger Wissenschaftler aus Deutschland sowie Mittel- und Osteuropa auf die Fahnen geschrieben und berät als Koordinierungsstelle interessierte Nachwuchswissenschaftler (www.kowi.de).
Nützliche Links:
www.daad.de
Internet-Portal des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes mit umfassenden Informationen zum Bildungs- und Hochschulwesen, Praktika, sowie Forschen und Lernen in der Tschechischen Republik mit vielen Zusatzhinweise sowie weiterführenden Links zu allen relevanten Stellen und Institutionen.
www.msmt.cz
Das mehrsprachige Online-Portal enthält Informationen über Bildung und Weiterbildung, einschließlich Erwachsenenbildung, bietet Hinweise und Kontakte zur Anerkennung von Qualifikationen sowie weiterführende Links zu allen relevanten Institutionen.
www.studieren-in-tschechien.de
Das Online-Portal informiert über das Studium in der Tschechischen Republik. Die einzelnen Themen sind übersichtlich gegliedert: Allgemeines, Finanzierung, Bewerbung und Studiengänge. Erfahrungsberichte und Frequently Asked Questions runden das Informationsangebot ab.
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