Estland: Land und Leute
Land & LeuteIm Baltikum feiert man nationale Sängerfeste. Und die Esten singen leidenschaftlich gern. Dass ihre Heimat „das Land der tausend Stimmen“ genannt wird, erfüllt sie deshalb mit großem Stolz. Es gibt mehr als tausend estnische Chöre mit insgesamt rund 32.000 Mitgliedern. Das ist viel für ein kleines, dünn besiedeltes Land.Bis zur politischen Unabhängigkeit des Baltikums durften patriotische Lieder im Baltikum öffentlich nicht gesungen werden. Ihre Lieder aber ließen sich gerade die Esten nie ganz verbieten. Während der Perestroika strömten Tausende zu Musikfestivals im ganzen Land. 1988 versammelte sich ein Drittel der estnischen Bevölkerung auf dem Sängerfeld der Hauptstadt Tallinn.1990 traten 30.000 Sänger und Sängerinnen in einem Chor auf. Das bescherte ihnen einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Die Freiheitsbewegung der Balten ging unter der Bezeichnung „Singende Revolution“ in die Geschichtsbücher ein. Estland wurde 1991 unabhängig und ist seit 2004 Mitglied der NATO und der Europäischen Union. Die nördlichste Baltenrepublik ist ungefähr so groß wie Dänemark, hat aber nur etwa ein Viertel der Einwohner – 1,4 Millionen. Davon sind knapp 70 Prozent Esten; ein Viertel sind Russen. Es gibt ukrainische, weißrussische und finnische Minderheiten. Estland grenzt im Norden und Westen an die Ostsee, im Süden an Lettland und im Osten an die Russische Föderation. Das Land hat gut 1.400 Seen und weit über 1.500 Inseln. Das Klima ist maritim bis gemäßigt kontinental. Im Juli herrschen durchschnittlich kühle 17 Grad, die Winter sind lang. Im Februar zeigt das Thermometer im Schnitt 6 Grad unter null. Die ehemalige Hansestadt Tallinn liegt 80 Kilometer südlich von Helsinki. Ihre Altstadt gehört zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Stätten in Europa und wurde 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Estnisch ist eng verwandt mit Finnisch und die einzige Amtssprache des Landes. In den Regionen im Nordosten, in denen mehr Russen leben als Esten, ist Russisch Verkehrssprache. Um Staatsbürger Estlands zu werden, muss man Estnisch können. Das gebieten sowohl der Nationalstolz als auch das Gesetz. Zugleich will die kleine Republik aber auch die Landessprache weiter fördern, die bis 1990 von Russisch abgelöst zu werden drohte. Nur etwa 30 Prozent der Bevölkerung gehören einer Kirche an. Kaum 14 Prozent sind evangelisch-lutherisch, knapp 13 Prozent russisch-orthodox. Weniger als ein Prozent sind Baptisten oder Katholiken. Alle Schulen in Estland sind online. Der kostenlose Zugang zum Internet für jeden Bürger ist gesetzlich garantiert. Wer keinen eigenen Rechner hat, klinkt sich gratis in einen der zahlreichen öffentlichen Terminals ein. Weitere Informationen über Estland finden Sie unter www.auswaertiges-amt.de, http://ec.europa.eu, www.visitestonia.com und www.baltikuminfo.de. Blick in die WirtschaftNachdem die Wirtschaft bis Ende 2007 stetig gewachsen war, hat sich die Situation seit Anfang 2008 rapide gewandelt: Innerhalb der EU zählt Estland zu den Ländern, die am stärksten von den negativen Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen sind. Insbesondere im verarbeitenden Gewerbe gingen die Umsätze stark zurück. Insgesamt schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in 2008 um 3,6 Prozent. Die Inflationsrate lag bei 10,4 Prozent. Prognosen für 2009 gehen von einem weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung um bis zu 4 Prozent aus.Die private Nachfrage und die Investitionen auf dem Immobilienmarkt, die das Wachstum der vergangenen Jahre maßgeblich begründet hatten, haben seit Ende 2007 stark nachgelassen: Kosumenten und Unternehmen warten ab und sparen. Ein positiver Effekt ist, dass die Preise für Rohstoffe und Nahrungsmittel zum Teil deutlich gesunken sind und die hohe Inflationsrate etwas zurückgegangen ist. Die Wirtschaftsleistung unterscheidet sich je nach Region: Wachstum gibt es vor allem in der Hauptstadtregion um Tallinn. Auf dem Land hingegen wurden zwischen 1990 und 2004 knapp 78 Prozent aller Stellen in der Landwirtschaft abgebaut (Quelle: Estnisches Statistikamt). Zu den wichtigsten Wachstumsbranchen gehören die Häfen, der Tourismus und die Energiewirtschaft. Gut 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes entfielen im ersten Halbjahr 2008 auf den Dienstleistungssektor, etwa 15 Prozent auf das verarbeitende Gewerbe und nur noch 2,2 Prozent auf die Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei (Quelle: Gtai). Die Hälfte des estnischen Bruttoinlandsproduktes wird von Firmen erwirtschaftet, die teilweise oder vollständig in ausländischem Besitz sind (Quelle: Deutsch-Baltische Handelskammer).
Der IT-Standard ist auf einem hohen Niveau: Drei Viertel aller erwachsenen Esten haben einen eigenen Internetzugang. Stolz ist das kleine Land auf innovative Projekte wie E-Government und E-Voting. Seit dem Beitritt Estlands zur EU ist die Estnische Krone per Gesetz durch den festen Wechselkurs von 15,6466 : 1 an den Euro gekoppelt. Wann die nationale Währung durch den Euro ersetzt werden kann, hängt davon ab, ob das Land das EU-Inflationskriterium einhalten kann. Estland arbeitet derzeit darauf hin, die Gemeinschaftswährung in 2011 oder 2012 zu übernehmen. Weitere Informationen zur wirtschaftlichen Entwicklung finden Sie auf der Website der Deutsch-Baltischen Handelskammer in Estland, Lettland und Litauen unter www.ahk-balt.org sowie bei der Wirtschaftsförderung Estlands (www.investinestonia.com). Interessante Links:
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