Studieren in Ungarn

 

Hochschullandschaft

Ungarn begann – anders als andere osteuropäische Staaten – schon vor dem Ende des Sozialismus in Osteuropa, das Bildungswesen zu demokratisieren: 1988 stellte die kommunistische Partei ihre Arbeit an den Hochschulen ein, die obligatorischen „Ideologiefächer“ wurden abgeschafft. Nach 1989 erhielt die Reform neue Impulse und mündete 1993 in das Gesetz für Hochschulbildung, das die Autonomie der Hochschulen festlegt.

Universitäten und Colleges
Ungarns akademische Bildungslandschaft setzt sich aus Universitäten (Egyetem) und Colleges (Föiskola) zusammen. Seit 1996 hat die Regierung die historisch bedingte Vielzahl an Hochschulen reduziert. Gegenwärtig gibt es 72 staatlich anerkannte Hochschulen (Universitäten und Colleges): Die Universitäten sind akademisch ausgerichtet, die Colleges sind berufsorientiert und mit deutschen Fachhochschulen vergleichbar. Außerdem betreiben vor allem die Kirchen eigene Hochschulen, die den staatlichen gleichgestellt sind. Für die Hochschulen ist das Ministerium für Bildung und Kultur zuständig (www.okm.gov.hu). Eine Linkliste aller Universitäten und Colleges in Ungarn finden Sie auf der Homepage des Bildungsministeriums unter www.okm.gov.hu (> Higher Education > Higher Education Institutions in Hungary).

Fernstudium
Einige ungarische Hochschulen gehören dem Europäischen Netzwerk für Fernstudien und E-Learning an. Näheres erfahren Sie unter www.eden-online.org.

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Informationen zum Studium

Das akademische Jahr ist in zwei Semester gegliedert. Das Wintersemester beginnt Anfang September und endet Ende Januar. Das Sommersemester beginnt Anfang Februar und endet Ende Juni. Seit September 2003 sind alle ungarischen Hochschulen verpflichtet, Studienleistungen mit dem europäisches Kreditpunktesystem ECTS zu bewerten. 60 Kreditpunkte entsprechen einem Studienjahr. Die ungarischen Hochschulen bieten drei akademische Abschlüsse an: Bachelor, Master und Doktor.

Föiskolai oklevél
Wer einen drei-bis vierjährigen College- Studiengang erfolgreich abschließt, erhält den Titel "Föiskolai oklevél". Er entspricht dem Bachelor-Grad. Um einen internationalen Vergleich zu erleichtern, erlaubt das neue ungarische Hochschulgesetz College-Absolventen, alternativ den Bachelor-Grad zu führen.

Egyetemi oklevél
Die Universitäten vergeben den Titel "Egyetemi oklevél". Er entspricht dem Master-Grad. Studiendauer: vier bis fünf Jahre (Fachrichtung Medizin: sechs Jahre). Um einen internationalen Vergleich zu erleichtern, erlaubt das Hochschulgesetz Universitätsabsolventen, alternativ den Master-Grad unter Angabe der jeweiligen Fachrichtung zu führen.

Doktori fokozat (PhD) oder Mester fokozat (DLA - Doctor of Liberal Arts)
Das Promotionsstudium setzt den Universitätsabschluss "Egyetemi oklevél" oder ein ausländisches Äquivalent voraus. Studiendauer: drei Jahre. Je nach Studienrichtung vergibt die Universität den Abschluss "Doktori fokozat" oder "Mester fokozat". Medizinische und juristische Fakultäten vergeben die Titel "Dr. med." und "Dr. jur.".

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Studiengebühren

Ausländische Studierende müssen für ein Hochschulstudium in Ungarn Gebühren zahlen. Sie variieren je nach Fakultät und Hochschule. Bei fremdsprachigen Studiengängen (Deutsch oder Englisch) muss man mit Studiengebühren von bis zu 10.000 € pro Jahr rechnen. Genaue Informationen erhalten sie von den Hochschulen.

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Zulassung und Bewerbung

Voraussetzung für die Zulassung zu den für manche Studiengänge obligatorischen mündlichen und schriftlichen Aufnahmeprüfungen der ungarischen Hochschulen ist der Sekundarschulabschluss II (Érettségi bizonyítvány) oder ein Äquivalent – etwa das deutsche Abitur.

Das Zulassungsverfahren ist nicht einheitlich geregelt. Es obliegt den einzelnen Hochschulen, nach welchen Kriterien sie ihre Bewerber aussuchen. Das Ministerium für Bildung und Kultur plant allerdings, die Regelungen zu standardisieren. Die Zulassungsbedingungen für Bewerber mit fachgebundener oder Fachhochschulreife müssen im Einzelfall geklärt werden. Die Universitäten setzen für manche Studiengänge voraus, dass man bestimmte Schwerpunktfächer in der Schule belegt hatte (für das Medizinstudium etwa muss man die Schwerpunktfächer Physik und Chemie in der Oberstufe gehabt haben). Wer diese Voraussetzung nicht erfüllt, muss zunächst ein Vorstudium absolvieren.

Viele Hochschulen lassen Bewerbungen bis kurz vor Studienbeginn zu, also sogar noch im August. Bei einigen muss man sich jedoch bis spätestens Anfang März bewerben – erkundigen Sie sich daher rechtzeitig bei Ihrer Zielhochschule nach den Fristen. Ausländische Studienbewerber können ihre Bewerbungsunterlagen direkt bei der Zielhochschule einreichen. Informationen über Studiengebühren, Zulassungsbedingungen und Bewerbungsfristen finden Sie unter www.studieren-in-ungarn.de.

Unterrichtssprache ist normalerweise Ungarisch. Es gibt jedoch für ausländische Studierende eine Palette fremdsprachiger Studiengänge (Deutsch und Englisch). Beispielsweise bietet die Semmelweis Universität in Budapest deutschsprachige Studiengänge in Medizin an. Mehr Informationen gibt es unter www.ungarnaktuell.de und www.okm.gov.hu.

Auf der Homepage des National Higher Education Information Centre können Sie nach fremdsprachigen Studiengängen suchen (www.felvi.hu). Die Central European University (www.ceu.hu) ist eine amerikanische Privatuniversität, deren Personal auf Englisch unterrichtet.

Die Budapesti Müszaki és Gazdaságtudományi Egyetem (BME – Universität für Technik und Wirtschaft) führte 1997 in Zusammenarbeit mit der Straßburger Marc Bloch Universität den Studiengang „Internationale Ausbildung für Übersetzer und Dolmetscher“ ein. Studierende werden in mindestens drei Sprachen unter besonderer Berücksichtigung von EU-spezifischen Anforderungen ausgebildet (Infos unter: http://portal.bme.hu). Die Absolventen erhalten ein französisches Diplom (Diplôme Universitaire de l‘Université Marc Bloch). Ausländische Studienbewerber und -bewerberinnen, die nicht an einem deutsch- oder englischsprachigen Studiengang teilnehmen, müssen ausreichende Ungarischkenntnisse nachweisen.

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Finanzierung

Deutsche, die ihr Studium ganz oder teilweise im Ausland absolvieren möchten, können nach dem neuen Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) leichter gefördert werden. Unter www.das-neue-bafoeg.de erfahren Sie mehr darüber. Auf der Internetseite finden Sie auch ein nach Ländern gegliedertes Verzeichnis der Ämter für Ausbildungsförderung.

Das europäische Bildungsprogramm Erasmus fördert Studienaufenthalte im europäischen Ausland. Im Rahmen dieses Bildungsprogramms können Studierende für die Dauer von drei Monaten bis zu einem vollen Studienjahr im Ausland verbringen. Das Stipendium ist eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung eines Auslandsstudiums. Hier ist der DAAD die erste Adresse (http://eu.daad.de).

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Teil- oder Vollstudium?

Wenn Sie ein oder zwei Semester im Ausland studieren möchten, sollten Sie dies erst in einer fortgeschrittenen Studienphase tun. Für die Zeit des Auslandsstudiums lassen Sie sich am besten beurlauben. Darüber hinaus bietet eine Reihe von "Internationalen Studiengängen" die Gelegenheit, studienbezogene Auslandsaufenthalte auf der Grundlage geregelter Kooperationsbeziehungen mit österreichischen Hochschulen zu absolvieren und gegebenenfalls auch einen Doppelabschluss zu erwerben. Eine Übersicht der Kooperationsbeziehungen zwischen deutschen und österreichischen Hochschulen gibt die Hochschulrektorenkonferenz HRK unter www.hochschulkompass.de.

Es besteht zwar auch die Möglichkeit der Exmatrikulation für die Zeit des Auslandsstudiums, doch ist dies nicht ratsam, weil Sie dadurch möglicherweise Ihren Studienplatz gefährden. Auch die Zugehörigkeit zur Krankenversicherung könnte verloren gehen. In jedem Fall empfiehlt es sich, vorab beim Studentensekretariat und bei der Krankenversicherung genaue Informationen einzuholen.

Das Akademische Auslandsamt Ihrer Heimatuniversität hilft bei allen Fragen zum Auslandsstudium. Die Adressliste aller Auslandsämter finden Sie unter www.hochschulkompass.de. Unter http://eu-community.daad.de informiert der DAAD über den Studienalltag und die kulturellen Besonderheiten in den europäischen Ländern. Dort finden Sie auch Berichte von Studierenden über ihre Erfahrungen im Ausland.

Ein Vollstudium im Ausland ist nur dann empfehlenswert, wenn Sie tatsächlich Ihr Studium dort abschließen. Bei einer späteren Arbeitsaufnahme in Deutschland könnten sich hinsichtlich der Anerkennung von Abschlüssen und der Zulassung zu manchen Berufen Schwierigkeiten ergeben - etwa bei Tätigkeiten im öffentlichen Bereich.

Das Informationssystem anabin informiert über das Niveau ausländischer Hochschulabschlüsse im Vergleich zu denen in Deutschland (www.anabin.de).

Deutschland hat mit Ungarn 1990 ein Abkommen geschlossen, das die "Anerkennung von Gleichwertigkeiten im Hochschulbereich" regelt. Dennoch sollten Sie bereits im Vorfeld klären, ob Ihr angestrebter Abschluss anerkannt wird - dazu können Sie sich an Hochschullehrer wenden, die fachliche Kontakte zu ungarischen Hochschulen haben.

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Nach dem Studium

Colleges und Universitäten bieten postgraduale Studiengänge an. Studiendauer: drei Jahre. Wie einige andere Hochschulen bietet auch die deutschsprachige Gyula Andrássy Universität in Budapest eine „Interdisziplinäre Doktorschule“ für postgraduale Studien an. Näheres erfahren Sie unter www.andrassyuni.hu.



Berufseinstieg für Hochschulabsolventinnen und -absolventen

Die Lage am Arbeitsmarkt
Aus dem einstigen Musterknaben ist das Sorgenkind der Europäischen Union geworden. Ungarn trägt mit einem Haushaltsdefizit von rund sechs Prozent EU-weit die „rote Laterne“. Die Folgen sind auch auf den Arbeitsmarkt spürbar. Die Arbeitslosenquote liegt mittlerweile wieder über dem EU-Durchschnitt. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede: In Budapest und im Westen Ungarns sind relativ wenig Menschen arbeitslos (unter 5 Prozent), während die Quote im Norden und Südwesten teilweise bei über 12 Prozent liegt. Dennoch geht nur jeder Zweite im erwerbsfähigen Alter einer regulären – also sozialversicherungspflichtigen - Beschäftigung nach. Scheinselbständigkeit und Schwarzarbeit sind stark verbreitet.

Besonders hoch ist die Jugendarbeitslosigkeit. Jeder fünfte Ungar unter 24 Jahren sucht einen Job. Nahezu chancenlos sind auf dem Arbeitsmarkt Landarbeiter und Ungelernte. Sie stellen das Gros der Langzeitarbeitslosen und gehören häufig der Minderheit der Roma an.

Chancen für Hochschulabsolventen
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind die Arbeitsmarktchancen für Akademikerinnen und Akademiker mäßig. Vor allem der Übergang von der Hochschule in den Beruf ist schwierig. Die ungarische Regierung versucht mit einem nationalen Aktionsplan, jungen Menschen beim Berufseinstieg zu helfen. Unternehmen, die Hochschulabgängerinnen und -abgängern ermöglichen, in die Arbeitswelt hineinzuschnuppern, erhalten staatliche Zuschüsse. Allerdings mit mäßigem Erfolg. Viele gut ausgebildete junge Ungarinnen und Ungarn gehen ins Ausland, um dort erste Praxiserfahrungen zu sammeln.

Gesucht werden Ingenieure, Informatiker, Ärzte und Ökonomen
Das Arbeitsministerium und die ungarische Industrie- und Handelskammer gehen davon aus, dass es im Jahr 2008 kaum zusätzliche Jobangebote geben wird. Wenn neue Stellen geschaffen werden, dann in erster Linie bei ausländischen Unternehmen. Mercedes-Benz hat angekündigt, ab 2009 in Kecskemét, 80 Kilometer südlich von Budapest, ein neues Werk bauen zu wollen; nach Konzernangaben sollen dadurch 2.500 neue Jobs geschaffen werden.

Am größten ist der Bedarf an Fachkräften auf dem Bau und im verarbeitenden Gewerbe. Begehrt sind auch Maschinenbau- und Elektroingenieure, Informatiker, Ärzte, Logistiker, Finanzexperten, Geschäftsführer, Unternehmensberater und Immobilienexperten.

Besonders gute Aussichten bieten Großunternehmen
Für Bewerberinnen und Bewerber aus Deutschland bieten Großunternehmen die besten Aussichten auf eine Stelle. Jedes sechste Unternehmen gibt an, Ausländerinnen und Ausländer einstellen zu wollen - vorausgesetzt, sie bringen die erforderlichen Sprachkenntnisse mit. Besonders gut dürften die Chancen bei den deutschen Unternehmen sein, die in Ungarn nach eigenen Angaben rund 300.000 Menschen beschäftigen. Wer mehrere Sprachen spricht, hat im Fremdenverkehr die Nase vorn. Ungarisch sollte unbedingt dazugehören.

Freie Stellen gibt es vor allem in Budapest und im Westen Ungarns. Um die konkurrieren Bewerberinnen und Bewerber aus dem Ausland allerdings auch mit gut ausgebildeten ungarischen Rückkehrerinnen und Rückkehrern. Hinzu kommt: Das Lohnniveau in Ungarn steigt zwar allmählich, ist aber verglichen mit den in Deutschland gezahlten Gehältern niedrig.





Forschung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung informiert auf seinem Portal www.internationale-kooperation.de über Forschungsprogramme und -initiativen. Zu den wichtigsten zählen hierbei das Nato-Wissenschaftsprogramm „Science for Peace and Security“ (www.nato.int) und die europäische Forschungsinitiative „EUREKA“ (www.eureka.be). Über Stipendien, Arbeits- und Forschungsmöglichkeiten für Forscher und Wissenschaftler informiert http://ec.europa.eu/euraxess. Von dieser Webseite aus sind die nationalen Mobilitätsportale mit ihrem Beratungs- und Informationsagebot für Wissenschaftler zu erreichen. Der EU-Dienst „Cordis“ (http://cordis.europa.eu) bietet Hunderte von freien Doktoranden- und Postdoktorandenstellen vieler Fachrichtungen in Europa an.

Das Programm "MORE" (Mobility for Young Researchers in Central and Eastern Europe) fördert die wechselseitige Mobilität junger Wissenschaftler aus Deutschland sowie Mittel- und Osteuropa und berät Interessenten (www.kowi.de).

 

Nützliche Links:

Pfeil www.studieren-in-ungarn.de
Das Online-Portal informiert über das Studium in Ungarn. Die einzelnen Themen sind übersichtlich gegliedert: Allgemeines, Finanzierung, Bewerbung und Studiengänge. Erfahrungsberichte und Frequently Asked Questions runden das Informationsangebot ab.

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Bildausschnitt: Foto einer lächelnden Frau, die mit einem Spiralblock in den Händen in einem Bibliotheksgang steht.
 
Symbolbild: Ein junger Mann vor einer Tafel mit Einsteins berühmter Formel E=mc²
 
Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) - Info-Center der ZAV: 0228 / 713 13 13 - E-Mail: zav-auslandsvermittlung@arbeitsagentur.de