Zypern: Land und Leute
Land & LeuteZypern ist ein Land zwischen Orient und Okzident. Geografisch gehört die drittgrößte Insel des Mittelmeers zu Asien. Das türkische Festland ist fast 70 Kilometer entfernt, bis zur syrischen Küste sind es knapp 100 Kilometer, zum griechischen Festland ist es achtmal so weit. Der Nordteil der Insel erklärte sich 1983 zur Türkischen Republik Nordzypern, wird jedoch einzig von der Türkei als unabhängiger Staat anerkannt. Politisch gehört ganz Zypern seit 2004 zur EU, de facto aber nur der griechische Süden – die Republik Zypern. Da etwa 40.000 türkische Soldaten den Norden besetzt halten, kann das EU-Recht dort nicht angewendet werden.Die Hauptstadt Nikosia ist geteilt wie einstmals Berlin. Truppen der Vereinten Nationen sichern die Green Line, die Pufferzone zwischen Nord und Süd. Die Grenze verläuft quer durch die Altstadt und ist bestens bewacht: Stacheldraht und Barrikaden verhindern den unkontrollierten Durchgang. Man kann im Süden auf Podeste steigen und von dort das Niemandsland zwischen den Inselteilen begutachten. Auch das erinnert an Westberlin vor dem Mauerfall. In der Republik Zypern besteht Wahlpflicht. 24 der 80 Sitze im Abgeordnetenhaus sind allerdings vakant. Sie sind für die türkischen Zyprer reserviert.
Auf der Insel leben eine Million Menschen. Etwa zwei Drittel sind Griechen, ein Drittel Türken, 7.500 sind britische Staatsbürger. Dem strategisch günstig gelegenen Zypern gönnte das Vereinigte Königreich nur widerstrebend die Unabhängigkeit: Der Preis, den die frühere britische Kronkolonie 1960 dafür zahlen musste, waren zwei Exklaven auf der Insel, in denen auch heute noch Queen Elizabeth regiert. Sie werden als Militärbasen genutzt. Britisches Erbe sind der Linksverkehr und die Küche in den großen Hotels. Die griechischen Bewohner der Insel sind orthodoxe Christen, die türkischen Zyprer sind sunnitische Muslims. Neben Griechisch und Türkisch wird auf der Insel auch Arabisch gesprochen. Auf Zypern leben circa 4.000 Maroniten; sie gehören zur mit Rom verbundenen Ostkirche. Englisch war lange Zeit Verkehrssprache, verliert aber mittlerweile an Bedeutung. Das Klima auf Zypern ist mediterran. In den Sommermonaten wehen von Nordafrika her die Wüstenwinde ins Land. In Nikosia klettern die Temperaturen im Juli und August durchschnittlich bis auf 37 Grad, im Zentrum der Insel können es aber durchaus 10 Grad mehr werden. Das Mittelmeer erwärmt sich um Zypern bis auf rekordverdächtige 28 Grad. Süßwasser ist chronisch knapp, denn Regen fällt meist nur zwischen Dezember und März. Trotz des Wassermangels und trotz aller Waldbrände und Rodungen ist Zypern immer noch die waldreichste Insel im Mittelmeerraum. Weitere Informationen über Zypern finden Sie unter www.auswaertiges-amt.de, http://ec.europa.eu und www.kypros.org. Blick in die WirtschaftDie zyprische Wirtschaft wuchs in den letzten Jahren überdurchschnittlich stark. 2007 lag das Wirtschaftswachstum bei 4,4 Prozent, 2008 bei etwa 3,7 Prozent. Für 2009 rechnen Experten wegen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise mit nur noch 2,9 Prozent. Dieser Wert kann sich immer noch sehen lassen: Das Wirtschaftswachstum in der EU wird im Durchschnitt voraussichtlich 0,2 Prozent betragen. Sollte die Teilung des Landes überwunden werden, rechnen Experten mit einem BIP-Wachstumsschub von zusätzlich drei Prozentpunkten.Am 1. Januar 2008 hat die griechisch-zypriotische Regierung im Südteil von Zypern den Euro eingeführt. Die Regierung erhofft sich neben dem wirtschaftlichen Nutzen durch verstärkte Investitionen auch, dass der Beitritt zur Eurozone die Wirtschaftsräume des geteilten Inselstaates zusammenbringt. Die Privatwirtschaft dominiert die Produktion des Landes. Bei den Unternehmen handelt es sich im Allgemeinen um kleine Familienbetriebe. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist der Fremdenverkehrs- und Dienstleistungssektor. Vor allem Besucher aus dem Vereinigten Königreich, Deutschland, Skandinavien, Russland sowie den ehemaligen Sowjetrepubliken verbringen ihren Urlaub auf der Insel, für 2009 wird aber mit einem deutlichen Rückgang der Touristenzahlen gerechnet. Viele internationale Unternehmen sehen in Zypern den Brückenkopf, um die Märkte Zentral- und Osteuropas sowie des Mittleren Osten zu versorgen. Über 40 deutsche Unternehmen haben sich auf der Insel niedergelassen, besonders aus den Bereichen Schifffahrt, Finanzdienstleistungen, Handelsgesellschaften sowie Touristik und Anlagenbau.
Der wichtige Transportsektor wird sein Wachstum wegen der internationalen Rezession 2009 vermutlich halbieren. Auch die Bauwirtschaft und der Finanzsektor, die bis 2008 boomten, werden sich nach Einschätzung von Experten abkühlen, ebenso wie der zuvor sehr hohe private Konsum. Als Wachstumsbereiche für 2009 gelten der Hafenausbau, die Wasser- und Abwassertechnik/Entsalzungsanlagen, Energietechnik und Umweltschutztechnik. Neues Wachstumspotenzial erhofft sich Zyperns Regierung zudem durch den Ausbau von Forschung und Entwicklung. Die Regierung fördert mit speziellen Programmen Betriebsgründungen, Gründerzentren und die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Unternehmen. Weitere Informationen zur wirtschaftlichen Entwicklung finden Sie auf der Website der Zyprischen Industrie- und Handelskammer unter www.ccci.org.cy. Interessante Links:
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