Berufliche Bildung in Belgien
AusbildungHaben Sie Lust, im Rahmen der Ausbildung Erfahrungen im Ausland zu sammeln? Dann sollten Sie sich zunächst bei Ihrem Ausbilder oder Berufsschullehrer nach Austausch- und Praktikantenprogrammen erkundigen. Auslandsaufenthalte für Auszubildende werden in der Regel von Bildungseinrichtungen organisiert und über das EU-Bildungsprogramm Leonardo da Vinci gefördert. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.na-bibb.de > Leonardo da Vinci. Übrigens: Mit dem Europass-Mobilitätsnachweis hat die Europäische Union ein europaweit einheitliches Dokument geschaffen, das alle im Ausland gemachten Lernerfahrungen dokumentiert. Der Europass enthält Angaben zu den Inhalten, den Zielen und der Dauer des Auslandsaufenthaltes. Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.europass-info.de. Wenn Sie eine berufliche Erstausbildung komplett im Ausland absolvieren möchten, benötigen Sie umfassende Informationen über das Ausbildungssystem: Welche Ausbildungswege gibt es, wie ist der Stellenwert und das Niveau der Ausbildung, und wie wird die Ausbildung in Deutschland anerkannt? Die folgenden Angaben bieten einen ersten Überblick. Nähere Informationen erhalten Sie unter den angegebenen Adressen. Vollzeitausbildung an einer Sekundarschule Die Ausbildung findet in Vollzeit an der Sekundarschule statt und beginnt ab dem dritten Schuljahr: Schülerinnen und Schüler wählen dann zwischen dem allgemeinbildenden, technischen, künstlerischen oder berufsbildenden Kurs (Ausnahme: In der deutschsprachigen Gemeinschaft wird kein eigenständiger künstlerischer Kurs angeboten). Wer sich für den allgemeinbildenden Kurs entscheidet, plant zumeist ein anschließendes Hochschulstudium. Die technischen und berufsbildenden Kurse hingegen bereiten insbesondere auf den direkten Einstieg ins Berufsleben vor. Zusätzlich zu ihrem Kurs wählen Schülerinnen und Schüler zwischen dem Übergangszweig (er dient der Vorbereitung auf die Hochschule) und dem Qualifizierungszweig/ Befähigungszweig (er bereitet den Einstieg in die Berufswelt vor). Der allgemeinbildende Kurs findet nur im Übergangszweig statt, der berufsbildende Kurs nur im Qualifizierungszweig/Befähigungszweig. Für den künstlerischen und den technischen Kurs stehen beide Zweige zur Wahl. Schulische Teilzeitausbildung Ab dem Ende des zweiten Sekundarschuljahrs (Alter: ca. 15 Jahre) können sich Schülerinnen und Schüler für eine schulische Teilzeitausbildung entscheiden. Sie besuchen dann den Blockunterricht in Teilzeitzentren. Manche dieser Zentren arbeiten autonom, andere sind den Sekundarschulen angegliedert. In der unterrichtsfreien Zeit absolvieren die Auszubildenden Betriebspraktika. Duale Berufsausbildung Ab dem Ende des zweiten Sekundarschuljahrs (Alter: ca. 15 Jahre) kann man alternativ zur schulischen Ausbildung eine duale Berufsausbildung beginnen. Sie dauert in der Regel drei Jahre. Auszubildende arbeiten an drei oder vier Tagen pro Woche in einem Betrieb und besuchen während der restlichen Zeit den berufskundlichen Unterricht an einem Ausbildungszentrum. Die duale Ausbildung wird nicht in allen drei Sprachgemeinschaften Belgiens auf dem gleichen Niveau angeboten. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist ihr Stellenwert besonders hoch. In den beiden anderen Landesteilen spielt die rein schulische Ausbildung eine größere Rolle; das Niveau der dualen Ausbildung ist dort niedriger als in Deutschland. Über die duale Ausbildung speziell in der Deutschsprachigen Gemeinschaft – die sogenannte mittelständische Lehre – informieren die Homepage des Arbeitsamtes der Gemeinschaft: www.adg.be (> Berufs- und Ausbildungsberatung) und die Homepage des Zentrums für Aus- und Weiterbildung des Mittelstandes in Eupen: www.zawm.be. Das flämische Bildungsministerium bietet mit der Broschüre „Gids voor Leerlingen“ einen ähnlichen Service für die Flämische Gemeinschaft an: www.ond.vlaanderen.be/gidsvoorleerlingen. Die Französische Gemeinschaft informiert unter www.orientation.be (> Enseignement secondaire > En alternance). Das sollten Sie beachten . . . Da der Unterricht an den Berufsschulen der Französischen und Flämischen Gemeinschaft auf Französisch beziehungsweise Niederländisch abgehalten wird, sind für ausländische Interessenten sehr gute Sprachkenntnisse Voraussetzung. Wer seinen Schulabschluss in Deutschland gemacht hat, muss ihn in Belgien gleichstellen lassen – erst dann kann man sich dort für einen Ausbildungsplatz bewerben. Für die Gleichstellung sind die Bildungsministerien der Gemeinschaften zuständig. Informationen über die verschiedenen Alternativen der Berufsausbildung in der Französischen Gemeinschaft gibt es unter www.leforem.be (Internetseite der wallonischen Arbeitsverwaltung), www.ifapme.be (Ausbildungszentren der klein- und mittelständischen Unternehmen), www.dorifor.be (Carrefour Bruxelles Formation), www.orientation.be (Homepage zur Berufsorientierung) und www.enseignement.be. Details zu den Ausbildungen in der Flämischen Gemeinschaft erhalten Sie auf der Homepage des dortigen Bildungsministeriums: www.ond.vlaanderen.be und unter www.eurydice.org (Eurybase-Datenbank). Einen Überblick über die Ausbildungen der Deutschsprachigen Gemeinschaft bietet www.bildungsserver.be. Zugang und BeratungZugang zur schulischen AusbildungDie schulische Berufsausbildung beginnt ab dem dritten Sekundarschuljahr mit der Wahl eines technischen, künstlerischen oder berufsbildenden Kurses im Qualifizierungszweig/Befähigungszweig. Voraussetzung für die Zulassung ist, dass man das zweite Jahr der Sekundarschule erfolgreich beendet hat. Zugang zur dualen Ausbildung Wer eine duale Ausbildung beginnen möchte, muss das zweite Jahr der Sekundarschule erfolgreich abgeschlossen haben. Zum Teil werden Tests durchgeführt, mit denen die Eignung für den gewünschten Beruf überprüft wird. Wer sich für eine Berufsausbildung in Belgien interessiert, kann sich zunächst im Internet informieren:
Beratung PMS-Zentren/Schülerberatungszentren CLB Während der gesamten Schulzeit spielen die Psycho-Medizinisch-Sozialen Zentren (PMS) eine wichtige Rolle. Sie beraten junge Menschen kostenlos zu folgenden Themenbereichen:
In der flämischen Gemeinschaft wurden die PMS in Schülerberatungszentren (Centra voor Leerlingenbegleiding – CLB) umbenannt. Arbeitsagenturen Arbeitssuchende können sich zudem bei den Arbeitsagenturen beraten lassen: VDAB ist für Flandern zuständig, Le FOREM für Wallonien, Actiris für Brüssel, ADG für die deutschsprachige Gemeinschaft. Rechtsgrundlage, Förderung und FinanzierungMit den Verfassungsreformen von 1980 und 1989 wurde die Verantwortung für das gesamte Bildungssystem von der Bundesregierung auf die Sprachgemeinschaften übertragen. Nur wenige bildungspolitische Kompetenzen sind beim Bund geblieben – unter anderem die landesweite Regelung von Qualifikationsstandards. Der Schulpakt der Verfassung gewährleistet, dass Eltern die Schule für ihr Kind frei wählen dürfen.Finanzierung Der Unterricht ist während der gesamten schulpflichtigen Zeit (Alter: 6 bis 18 Jahre) in allen Gemeinschaften Belgiens für die Eltern beziehungsweise Auszubildenden kostenlos. Wer eine duale Berufsausbildung mit Lehrvertrag absolviert, erhält eine monatliche Ausbildungsvergütung. Deren Höhe kann sich anteilig zum Mindestlohn des wirtschaftlichen Sektors bemessen, dem der Ausbildungsberuf zugeordnet ist. In der deutschsprachigen Gemeinschaft erhalten Lehrlinge aller Wirtschaftssektoren mindestens 206 € im ersten Lehrjahr und mindestens 468 € im dritten Lehrjahr (Stand: 2009). QualifikationenSchulische VollzeitausbildungDie Abschlusszeugnisse der Vollzeitausbildung an der Sekundarschule unterscheiden sich je nach gewähltem Kurs:
Schulische Teilzeitausbildung In der schulischen Teilzeitausbildung gibt es verschiedene Laufbahnen, die zu unterschiedlichen Qualifikationen führen:
Duale Ausbildung Die Abschlüsse der dualen Lehre unterscheiden sich je nach Sprachgemeinschaft. Flämische Gemeinschaft: Erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen erhalten eine Ausbildungsbescheinigung (Getuigschrift van Leertijd). Französische Gemeinschaft: Die Ausbildung endet – je nachdem, wo man sie absolviert und wie umfangreich der Praxisanteil ausfällt – mit einem Berufsbildungszeugnis (Brevet d'aptitude professionnelle), einer Ausbildungsbescheinigung (Attestation d'apprentissage) oder einem Zertifikat über das Erlangen der Anforderungen des Berufes (Certificat d'apprentissage homologué). Deutschsprachige Gemeinschaft: Erfolgreiche Absolventen erhalten ein Gesellenzeugnis. Detaillierte Informationen zu den Qualifikationen, die man in Belgien erlangen kann, gibt es bei den PMS-Zentren und den Schülerberatungszentren CLB. Weitere Informationen :
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