Studieren in Großbritannien und Nord-Irland

 

Hochschullandschaft

Das Vereinigte Königreich war einmal das beliebteste Ziel deutscher Studierender für ein Studium im Ausland; inzwischen ist es auf Rang 3 abgerutscht – hinter die Niederlande (Rang 1) und Österreich (Rang 2).

In Großbritannien und Nordirland gibt es rund 200 Lehreinrichtungen auf Hochschulniveau. Studierende aus Deutschland empfinden die Bedingungen an den englischen Hochschulen meist als sehr persönlich und serviceorientiert: Die Studierendengruppen sind klein, der Kontakt zu den Lehrkräften ist in der Regel eng, und jeder Studierende bekommt einen Tutor, der einen während des Studiums persönlich unterstützt.

Es gibt rund 112 Universities und University Sector Colleges. Die ältesten Universitäten (Oxford, Cambridge, St. Andrews, Glasgow und Aberdeen in Schottland) stammen aus dem 12. bis 15. Jahrhundert. Die Universitäten betreiben neben der Lehre auch wissenschaftliche Forschung. Seit 1992 haben auch die ehemaligen „Polytechnics“ Hochschulstatus. Sie werden häufig „New Universities“ genannt. Diese ehemals technisch, künstlerisch und wirtschaftlich orientierten Institutionen bieten heute ein erweitertes wissenschaftliches Programm an.

Das Bildungssystem in Großbritannien und Nordirland unterscheidet verschiedene Hochschularten:

Das wissenschaftliche Niveau der Colleges und Institutes of Higher Education liegt etwas unter dem der Universitäten, die Studiengänge sind eher berufsbezogen. Colleges können in der Regel selbst keine akademischen Grade vergeben, sondern nur in Kooperation mit benachbarten Universitäten. Die Open University ist die größte Bildungseinrichtung in Großbritannnien und Nordirland, an der man fast voraussetzungsfrei eine Art Fernstudium absolvieren kann. Außerdem bieten einige Universitäten Fernstudien an, zum Beispiel die University of London (www.londonexternal.ac.uk).

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Informationen zum Studium

Das akademische Jahr ist entweder in acht- bis zehnwöchige Trimester (Terms) eingeteilt oder in zwei Semester – je nach Hochschule. Das Studienjahr beginnt im Oktober und endet im Juni oder Juli. In Großbritannien und Nordirland spielt das University Ranking eine große Rolle, obgleich es nicht offiziell ist. Seit 1993 erscheint jährlich der „Good University Guide“ der Times (www.timesonline.co.uk), der anhand von zehn Kriterien eine Rangliste ermittelt.

Das europäische Kreditpunktesystem (ECTS) für die Anrechnung von Studienleistungen gibt es in Großbritannien und Nordirland schon lange. Das Studium wird in einen allgemeinen (undergraduate) und einen vertiefenden Abschnitt (postgraduate) eingeteilt:

Undergraduate Studies:
Dieser Studienabschnitt dauert in England, Wales und Nordirland üblicherweise drei Jahre, in Schottland vier Jahre. Man kann sich für ein Degree- oder ein kürzeres Diplomstudium entscheiden. Die Degree-Studiengänge schließen in England, Wales und Nordirland sowie an den jüngeren Universitäten in Schottland mit dem ersten akademischen Grad Bachelor ab, an den traditionellen Universitäten Schottlands mit dem Master (dieser Master ist dem Bachelor of Arts gleichgestellt). Je nach Studienfach wird zum Beispiel ein Bachelor of Arts (BA), Bachelor of Science (BSc) oder Bachelor of Medicine (MB oder BM) verliehen. Andere anerkannte Undergraduate-Abschlüsse sind das HND (Higher National Diploma), der UFD (University Foundation Degree) und das DipHE (Diploma of Higher Education). Das HND kann nach zwei Jahren erworben werden. Mit dem HND kann man sich für das letzte Jahr eines Degree-Programms bewerben. Das DipHE kann auch nach zwei Jahren erworben werden und ist auf dem gleichen Niveau wie der Bachelorabschluss angesiedelt.

Postgraduate Studies
Postgraduate Studies: Postgraduate-Studiengänge setzen den erfolgreichen Abschluss eines Undergraduate-Studiums voraus. Sie eröffnen eine Vielzahl von Abschlussmöglichkeiten. Der Master ist der geläufigste akademische Grad. Masterstudiengänge dauern 9 bis 12 Monate. Die häufigsten Titel in England sind Master of Arts (MA) und Master of Science (MSc). Die MRes-Studiengänge (Master of Research) gelten als Vorbereitungsprogramm für Promotionsstudiengänge. Eine Alternative zum Masterstudium sind die kürzeren Zerfikats- und Diplomstudiengänge. Sie dauern sechs bis zwölf Monate und schließen mit den Titeln „PGCert“ (Postgraduate Certificates), PGDip (Postgraduate Diplomas) oder dem PGCE (Postgraduate in Education) ab. Das Niveau dieser Titel ist zwischen dem Bachelor- und Mastertitel einzuordnen.

PhD
PhD: Der Abschluss des Postgraduate-Studiums ist Voraussetzung für ein Promotionsstudium (zwei bis drei Jahre), das mit einer Dissertation abschließt und zum Doktortitel „Doctor of Philosophy“ (PhD oder DPhil) führt. Einige Hochschulen bieten ein sogenanntes Split-PhD-Programm an. Die Studienzeit wird dann auf eine britische und eine ausländische Hochschule aufgeteilt.

Mehr Informationen: www.educationuk.org, und www.universitiesscotland.ac.uk.

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Studiengebühren

Britische Universitäten und Colleges erheben grundsätzlich Studiengebühren (Tuition Fees). Deren Höhe hängt vom Status der Studierenden (Home Students oder Overseas Students) ab. EU-Bürger werden als Home Students eingestuft. Mehr Informationen: www.ukcisa.org.uk.

Für ein Undergraduate-Studium sind je nach Universität Home Fees von rund 3.000 £ (etwa 3.548 €) pro Studienjahr einzukalkulieren. Postgraduale Studiengänge kosten zwischen 3.300 £ (3.903 €) für Geisteswissenschaften und 10.000 £ (11.827 €) für Recht, Finanzen oder Medizin. MBA und Research Courses können deutlich teurer werden. In jedem Fall sollten Sie sich direkt bei der Hochschule Ihrer Wahl nach der genauen Höhe der Gebühren erkundigen. Die schottische Regierung übernimmt für EU-Bürger die Studiengebühren, wenn sie in Schottland ein Vollstudium mit dem Ziel absolvieren, den Bachelorgrad zu erwerben. Diese Regelung gilt auch für EU-Bürger, die erst im dritten oder vierten Jahr eines Undergraduate-Studiengangs ins Studium einsteigen und einen Abschluss erwerben. Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.studentsupport-saas.gov.uk.

Studiendarlehen müssen erst nach Abschluss des Studiums zurückgezahlt werden. Mehr Informationen zu Studiengebühren, Darlehen, Stipendien und Bewerbungsbedingungen finden Sie unter www.direct.gov.uk (Vereinigtes Königreich) sowie unter www.student-support-saas.gov.uk (Schottland). Einen Finanzen-Kalkulator für Studierende gibt es unter www.studentfinance.direct.gov.uk.

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Zulassung und Bewerbung

Zulassungsvoraussetzung für ein Studium ist das GCE-A (General Certificate of Education at Advanced Level) oder ein Äquivalent, zum Beispiel das deutsche Abitur. Einige Polytechnics und Colleges of Higher Education akzeptieren auch die Fachhochschulreife. Und sogar ohne Abitur kann man unter bestimmten Voraussetzungen in Großbritannien und Nordirland studieren – Informationen dazu bekommen Sie unter www.studium-ohne-abi.de. In Großbritannien und Nordirland gelten für alle Studiengänge Mindestvoraussetzungen (General Requirements). Sie sind mit dem Numerus clausus vergleichbar und werden von den Fachbereichen der einzelnen Universitäten intern festgelegt. Hinzu kommen fachspezifische Anforderungen (Course Requirements).

Ausländische Studienbewerberinnen und -bewerber müssen darüber hinaus ihre Sprachkompetenz nachweisen. Die Hochschule entscheidet, welchen Sprachnachweis sie akzeptiert. Die beiden häufigsten Sprachtests sind das IELTS (International English Testing System) und der TOEFL (Test of English as a Foreign Language). In Großbritannien und Nordirland gibt es keinen Rechtsanspruch auf einen Studienplatz, selbst wenn man alle Voraussetzungen für ein Studienfach erfüllt. Die Entscheidung über die Annahme eines Studienbewerbers liegt allein bei der Hochschule. Die meisten Hochschulen überzeugen sich durch Aufnahmetests, ob die Bewerber den Anforderungen genügen.

Wer ein Vollstudium in Großbritannien und Nordirland absolvieren möchte, bewirbt sich online bei dem Universities and Colleges Admissions Service (UCAS). Bewerbungsfrist ist in der Regel der 15. Januar (für Bewerbungen in den Fachbereichen Medizin, Zahnmedizin und Tiermedizin gilt der 15. Oktober, für Kunst und Design der 24. März). Das Bewerbungsverfahren wird unter www.ucas.com genau beschrieben. Wer ein Postgraduate-Studium oder ein Teilstudium beziehungsweise einen Studienabschnitt absolvieren will, bewirbt sich direkt bei der gewählten Hochschule

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Finanzierung

Deutsche, die ihr Studium ganz oder teilweise im Ausland absolvieren möchten, können nach dem neuen Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) leichter gefördert werden. Unter www.das-neue-bafoeg.de erfahren Sie mehr darüber. Auf der Internetseite finden Sie auch ein nach Ländern gegliedertes Verzeichnis der Ämter für Ausbildungsförderung.

Das europäische Bildungsprogramm Erasmus fördert Studienaufenthalte im europäischen Ausland. Im Rahmen dieses Bildungsprogramms können Studierende für die Dauer von drei Monaten bis zu einem vollen Studienjahr im Ausland verbringen. Das Stipendium ist eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung eines Auslandsstudiums. Hier ist der DAAD die erste Adresse (http://eu.daad.de).


Das Department of Education in England, die Bildungsministerien von Schottland und Wales sowie eine Reihe von britischen und nordirischen Organisationen vergeben Stipendien für internationale Studierende. Mehr Informationen: www.ukcisa.org.uk und www.direct.gov.uk.

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Nach dem Studium

Laut einer aktuellen Studie der Higher Education Statistics Agency (HESA) waren von denjenigen Undergraduate-Absolventen, die ihren Bachelor- oder Masterabschluss im Studienjahr 2008/2009 bekommen hatten, ein Jahr nach Studienende 10 Prozent arbeitslos; bei den Postgraduate-Absolventen waren es 6 Prozent. Die meisten Stellen für Höherqualifizierte werden im Großraum London angeboten.

Rund 40 Prozent der Stellenausschreibungen für Hochschulabsolventen in Großbritannien und Nordirland nennen kein bestimmtes Studienfach als Einstellungskriterium. Dies bedeutet, dass Quereinsteiger oftmals bessere Chancen auf eine Stelle haben als in Deutschland: In Großbritannien und Nordirland setzen Unternehmen viel mehr darauf, dass das Studium vor allem Schlüsselqualifikationen vermittelt – das nötige Fachwissen können Berufseinsteiger dann „on the Job“ erwerben. Arbeitgeber erwarten – neben guten Noten – vor allem kognitive und soziale Fähigkeiten sowie eine hohe Motivation. Viele Akademiker wechseln nach dem ersten Job in ein anderes Aufgabengebiet, für das sie neu eingelernt werden.

Dennoch ist das Studienfach nicht völlig unerheblich, wenn es darum geht, wie schnell man nach dem Abschluss eine passende Arbeitsstelle findet – auch das zeigt die oben genannte HESA-Studie: Hervorragende Jobchancen haben demnach Absolventen der Medizin und Zahnmedizin (Arbeitslosenquote innerhalb eines Jahres nach Studienabschluss: unter 1 Prozent). Gut sind die Aussichten auch für Absolventen der Pädagogik (5 Prozent), der Tiermedizin (6 Prozent) und der Rechtswissenschaften (6 Prozent). Moderate Chancen ergeben sich für Berufseinsteiger mit einem Abschluss in Biowissenschaften (9 Prozent), in Soziologie/Gesellschaftskunde (10 Prozent) und in den Wirtschaftswissenschaften (11 Prozent).
Demgegenüber waren laut HESA ein Jahr nach Studienende von den Undergraduate-Absolventen folgender Fachrichtungen noch relativ viele arbeitslos: Informatik (17 Prozent), Massenkommunikation und -dokumentation (14 Prozent), Ingenieurwissenschaften (13 Prozent) sowie Bildende Kunst und Design (13 Prozent).

Zu den Wachstumsbranchen und -märkten des Vereinigten Königreichs gehören nach Angaben von Germany Trade and Invest die Energiewirtschaft (unter anderem erneuerbare Energien), die Umwelttechnik/Energieeffizienz, die Biotechnologie, Nanotechnologie, die Informations- und Kommunikationstechnik sowie -dienstleistungen. In diesen Bereichen dürften neue Stellen für qualifizierte Akademiker entstehen.

Weitere Hinweise und Links zur Karriereplanung für Akademiker gibt es auf der Seite www.prospects.ac.uk.


Forschung
Das Office of Science and Technology (www.dti.gov.uk ), spielt in England eine zentrale Rolle in der öffentlich finanzierten Forschung. Es koordiniert die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der verschiedenen Ministerien und fördert die Grundlagenforschung und die internationalen Forschungsaktivitäten in Großbritannien und Nordirland.
Informationen über Arbeits- und Forschungsmöglichkeiten in Großbritannien und Nordirland finden Wissenschaftler unter www.britishcouncil.org.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung informiert auf seinem Portal www.internationale-kooperation.de über Forschungsprogramme und -initiativen. Zu den wichtigsten zählen hierbei das Nato-Wissenschaftsprogramm „Science for Peace and Security“ (www.nato.int) und die europäische Forschungsinitiative EUREKA (www.eurekanetwork.org). Über Stipendien, Arbeits- und Forschungsmöglichkeiten für Forscher und Wissenschaftler informiert http://ec.europa.eu/euraxess. Von dieser Webseite aus sind die nationalen Mobilitätsportale mit ihrem Beratungs- und Informationsangebot für Wissenschaftler zu erreichen. Der kostenlose EU-Dienst „Cordis“ (http://cordis.europa.eu) bietet Wissenschaftlern einen Zugang zu Forschungs- und Entwicklungsprogrammen der Europäischen Union.

Britische Lehreinrichtungen bieten zahlreiche postgraduale Studiengänge an. Wer ein Aufbaustudium in Großbritannien und Nordirland absolvieren möchte, wendet sich am besten direkt an die Hochschule seiner Wahl.

 

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Bildausschnitt: Foto einer lächelnden Frau, die mit einem Spiralblock in den Händen in einem Bibliotheksgang steht.
 
Symbolbild: Ein junger Mann vor einer Tafel mit Einsteins berühmter Formel E=mc²
 
Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) - Info-Center der ZAV: 0228 / 713 13 13 - E-Mail: zav-auslandsvermittlung@arbeitsagentur.de