Finnland: Land und Leute
Land & LeuteFinnland gehört zu den kältesten Ländern in Europa. Ein Drittel des Landes liegt oberhalb des Polarkreises. Sommerliche Temperaturen darf man nur an Ausnahmetagen im Juli und August erwarten. Wer sich freilich hierher aufmacht, wird die Wärme anderswo suchen – und finden. Zum Beispiel in der Sauna, die in der Landessprache genauso heißt. Die finnische Tradition der Warmbadestuben reicht lange zurück in die Vergangenheit und wird immer noch kultiviert. Zum Beispiel ist es völlig normal, einen erfolgreichen Geschäftsabschluss in der Sauna zu begießen – und das durchaus im doppelten Sinne. Finnland ist das östlichste Land Skandinaviens, grenzt im Norden an Norwegen, im Nordwesten an Schweden und im Osten an die Russische Föderation. Vor den Küsten liegen rund 80.000 Inseln, von denen längst nicht alle bewohnt sind. Im Binnenland gibt es 188.000 Seen mit weiteren rund 98.000 Inseln. 10 Prozent des Landes bestehen aus Wasser. Damit besitzt Finnland die größte Seenplatte Europas. Fast 70 Prozent Finnlands sind von Wäldern bedeckt. Flächenmäßig ist das Land nicht viel kleiner als Deutschland. Es bietet genügend Platz für die rund 5,3 Millionen Finnen, von denen jeder Zehnte in Helsinki zu Hause ist. Die finnische Hauptstadt liegt an der südlichen Küste, nur durch eine schmale Wasserstraße von Estland getrennt. Der Abstand von hier bis zur nördlichen Landesgrenze entspricht in etwa dem zwischen Kopenhagen und Korsika. Doch so weit sich das Land auch ausdehnt, manchen Elementen begegnet man immer wieder: den Mücken im Sommer, tief verschneiten Nadelbäumen im Winter und abseits der Städte nur hier und da einmal ein Haus. Das ändert sich schlagartig, je mehr man sich dem relativ dicht besiedelten Industriedreieck im Süden nähert. Dessen Grenzpfosten bilden die Städte Helsinki, Turku und Tampere. Hier siedelt das finnische Selbstbewusstsein, das sein Erstarken vor allem seinen Erfolgen in der Telekommunikationstechnik sowie seiner hochgelobten Bildungspolitik verdankt. Das macht die Furcht vor der Globalisierung vergessen.
Meisterlich beherrschen die Finninen und Finnen den Spagat zwischen professionellem Zukunftsstreben und dem Sinn für das Ursprüngliche, das Eigensinnige. Seinen sicht- und anfassbaren Ausdruck findet dies im finnischen Design, das längst seinen Siegeszug rund um die Welt angetreten hat. Und wer sich mit wachem Auge in den Universitäten des Landes umschaut, wird einen verblüffend hohen Anteil ausländischer Studierender bemerken. Denn so schwierig die finnische Sprache auch ist, Verständigungsprobleme hat man hier kaum. Englisch ist die inoffizielle zweite Landessprache. Selbst wer in den Wäldern Finnlands auf einen anderen Menschen trifft, kann sich mit ihm oder ihr auf Englisch unterhalten Blick in die WirtschaftDie Wirtschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten einen tief greifenden Strukturwandel durchgemacht. In den 50er-Jahren noch ein Agrarland, hat sich Finnland äußerst schnell zur Industrie- und dann zur Dienstleistungsgesellschaft entwickelt. Rund zwei Drittel der Beschäftigten sind im Dienstleistungssektor tätig. Die Industrie ist weiterhin ein wichtiger Motor für die Wirtschaftskraft des Landes; sie erwirtschaftet rund 85 Prozent der Exporterlöse. Der traditionelle Schwerpunkt der Wirtschaft, die Forstindustrie (Papier, Zellstoff, Holz), trägt knapp 20 Prozent zu den Ausfuhren bei. Sie wird inzwischen deutlich von der Metall-, Maschinenbau- und Elektroindustrie übertroffen, die mehr als die Hälfte der Exporte ausmachen. Privatverbrauch und Exporte kurbelten die Wirtschaft in den letzten Jahren an: 2006 wuchs sie um 5 Prozent, 2007 um etwa 4,5 Prozent. Damit zählte Finnland zu den Spitzenreitern in Europa. Für 2008 und 2009 rechnen Experten mit einem jährlichen Wachstum von rund 2,7 Prozent, ein Prozentpunkt mehr als im EU-Durchschnitt und in Deutschland.
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