Berufliche Bildung in Frankreich
Haben Sie Lust, im Rahmen der Ausbildung Erfahrungen im Ausland zu sammeln? Dann sollten Sie sich zunächst bei Ihrem Ausbilder oder Berufsschullehrer nach Austausch- und Praktikantenprogrammen erkundigen. Auslandsaufenthalte für Auszubildende werden in der Regel von Bildungseinrichtungen organisiert und über das EU-Bildungsprogramm Leonardo da Vinci gefördert. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.na-bibb.de > Leonardo da Vinci.Übrigens: Mit dem Europass-Mobilitätsnachweis hat die Europäische Union ein europaweit einheitliches Dokument geschaffen, das alle im Ausland gemachten Lernerfahrungen dokumentiert. Der Europass enthält Angaben zu den Inhalten, den Zielen und der Dauer des Auslandsaufenthaltes. Er vermittelt damit einen genauen Überblick über den Umfang der internationalen Erfahrung und dokumentiert jede Art von Lernaufenthalten im Ausland. Weitere Informationen dazu unter: www.europass-info.de. Informationen zu ausländischen Bidlungssystemen bietet auch der Deutsche Bildungsserver unter http://bildungssysteme-international.dipf.de. Das Online-Portal enthält Links zu Bildungsministerien, Bildungseinrichtungen, Fachgesellschaften, nationalen und internationalen Organisationen sowie zu Datenbanken mit Informationen zu über 230 Ländern und Regionen. Wenn Sie eine berufliche Erstausbildung komplett im Ausland absolvieren möchten, benötigen Sie umfassende Informationen über das jeweilige Ausbildungssystem: Welche Ausbildungswege gibt es, wie ist der Stellenwert und das Niveau der Ausbildung, und wie wird die Ausbildung in Deutschland anerkannt? Die folgenden Angaben bieten nur einen ersten Überblick. Weiterführende Informationen finden Sie bei den genannten Stellen. Ein überregionales Angebot für die Ausbildung im Handwerk unterbreitet die französische Gesellenvereinigung Compagnons du Devoir (www.compagnons-dudevoir.com). Deutsche Berufseinsteiger im Alter von 16 bis 19 Jahren können mit Unterstützung der Compagnons du Devoir in Frankreich eine komplette Handwerksausbildung absolvieren, die auch in Deutschland anerkannt ist. Ein Sprachkurs vermittelt vor Beginn die notwendigen Sprachkenntnisse. Hinzu kommen Weiterbildungsangebote für Gesellen. Weitere Informationen bekommen Sie bei Les Compagnons du Devoir Deutschland e.V., Willmanndamm 1a, 10827 Berlin, Telefon: 0 30/81 82 86 05, Mobil: 0 173/5 13 12 78, E-Mail: deutschland@compagnons-du-devoir.com. Viele Handwerkskammern bieten regelmäßig ein- bis dreiwöchige Gruppenaustauschprogramme an. Erfahrungsberichte von jungen Handwerkern und Auszubildenden, die in Frankreich ein Praktikum gemacht haben, kann man sich als Videoclip auf www.chance-europe.de ansehen. Einige Bildungsangebote sind nur in bestimmten Regionen verfügbar: In Stolberg bei Aachen wird beispielsweise ein Ausbildungsgang „Industriekauffrau/ -kaufmann mit Europa-Qualifikation“ angeboten. Verstärkter fremdsprachlicher Unterricht sowie praktisches Lernen im Rahmen eines Auslandsaufenthaltes in Frankreich sind Bestandteil der Berufsausbildung. Auf der Internetseite www.ausbildung-international.de erhalten Sie Informationen über weitere bilaterale Ausbildungsprojekte der IHK Aachen mit Frankreich. Ausbildungen, die eine Zusatzqualifikation vermitteln – zum Beispiel durch einen internationalen Austausch – finden Sie auch in der Datenbank www.ausbildungplus.de. Das letzte Schuljahr der unteren Sekundarstufe (Collège) dient der persönlichen Orientierung (cycle d'orientation): Während dieser Zeit entscheidet man sich, ob man nach dem Collège das allgemeinbildende-technische Gymnasium (lycée général et technologique) oder das berufsbildende Gymnasium besuchen möchte. Für das berufsbildende Gymnasium (lycée professionnel) entscheiden sich in der Regel diejenigen, die anschließend nicht studieren, sondern direkt in Berufsleben einsteigen möchten. Berufsausbildung in FrankreichWenn Sie eine berufliche Erstausbildung komplett im Ausland absolvieren möchten, benötigen Sie umfassende Informationen über das Ausbildungssystem: Welche Ausbildungswege gibt es, wie ist der Stellenwert und das Niveau der Ausbildung, und wie wird die Ausbildung in Deutschland anerkannt? Die folgenden Angaben bieten einen ersten Überblick. Nähere Informationen finden Sie unter den genannten Adressen.Neben der schulischen Vollzeitausbildung gibt es auch die klassische Lehre als nicht universitäre Berufsausbildung. Sie hat jedoch einen vergleichsweise niedrigeren Stellenwert. Frankreich vertraut vielmehr auf ein weit differenziertes Netz von technischen Schulen, Hochschulen und Fachschulen. Schüler, die eine duale Ausbildung machen wollen, können diesen Weg ab dem Alter von 14 Jahren mit einer Juniorlehre (apprentissage junior) einschlagen. Im ersten Jahr werden sie auf einer berufsbildenden Schule in verschiedene Berufsfelder eingeführt, ergänzt durch Praktika. Ab 15 Jahren können sie sich für einen Beruf entscheiden und einen Ausbildungsvertrag abschließen. Ohne „apprentissage junior“ ist das Regelalter für Auszubildende 16 bis 25 Jahre, Ausnahmen sind möglich. Die Ausbildung findet im Betrieb und in der Berufsschule (centre de formation d’apprentis – CFA) statt; sie dauert je nach Beruf ein bis drei Jahre. Folgende Qualifikationen sind auf dem Weg der dualen Berufsausbildung erreichbar: die berufliche Hochschulreife (baccalauréat professionnel), der Facharbeiterbrief (certificat d‘aptitude professionnelle), das Berufsbildungszeugnis (Brevet d‘études professionnelles), das für ein größeres Berufsfeld wie den Einzelhandel oder den Gesundheits- und Sozialbereich qualifiziert, und das Höhere Technikerdiplom (Brevet de technicien supérieur). In Frankreich ist die „Commission Nationale de la Certification Professionnelle“ (CNCP) die Nationale Referenzstelle für Transparenz beruflicher Qualifikationen. Auf ihrer Internetseite www.cncp.gouv.fr bietet sie Informationen über das berufliche, fachliche und technische Niveau französischer Qualifikationen. Wer sich über einzelne Berufe informieren will und berufsbezogene Informationen zur Ausbildung sucht, findet auf der Webseite des „Office National d’Informations sur les Enseignements et les Professions“ (www.onisep.fr) oder unter www.orientationformation.fr ein breites Angebot nützlicher Informationen. Allgemeine Informationen zur Berufsausbildung in Frankreich bieten die Internetseiten des Arbeitsministeriums (www.travail-solidarite.gouv.fr > Fiches pratiques > Formation professionelle) und der Bildungsserver des Ministeriums für das staatliche Bildungswesen (www.education.gouv.fr). Kommentierte Links zu weiteren Seiten gibt es auf „Bildung weltweit" (www.bildungweltweit.de), einem Portal des Deutschen Bildungsservers. Informationen zur Berufsausbildung im zusammenwachsenden Europa finden Sie unter www.ba-auslandsvermittlung.de/ausbildung und auf dem Portal des Deutschen Bildungsservers www.bildungweltweit.de. Höhere schulische Berufsausbildung Wer die dreijährige Ausbildung am berufsbildenden Gymnasium mit der Hochschulreife (baccalaurát professionnel) abschließt, kann sich anschließend in einer weiteren zweijährigen Ausbildung beruflich spezialisieren und einen höheren Berufsabschluss erlangen: Entweder entscheidet man sich für eine Fachhochschule (Institut Universitaire de technologie IUT) oder man bleibt weitere zwei Jahre am berufsbildenden Gymnasium. Die IUT bilden in rund 25 Berufen aus. Am berufsbildenden Gymnasium stehen im Rahmen der höheren Ausbildung zehn Berufe zur Auswahl. Duale Berufsausbildung Wer sich für eine duale Berufsausbildung (l´apprentissage / formation en alternance) entscheidet, verbringt den Großteil der Ausbildungszeit im Betrieb. Der ergänzende theoretische Unterricht findet in den Bildungszentren für Lehrlinge (centres de formation d'apprentis, C.F.A.) statt; je nach gewähltem Abschluss umfasst er mindestens 400 bis maximal 675 Stunden pro Jahr. Diese Bildungszentren werden von verschiedenen Organisationen getragen: Mehr als die Hälfte befinden sich in privater Trägerschaft, ein Drittel in der Trägerschaft der Kammern und gut zwölf Prozent in der Trägerschaft von Gymnasien oder Universitäten. Die duale Ausbildung dauert je nach gewähltem Beruf und Abschluss ein bis drei Jahre. Auszubildende schließen mit ihrem Ausbildungsbetrieb einen Lehrvertrag ab und erhalten ein Lehrlingsgehalt. Die duale Ausbildung richtet sich üblicherweise an Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren. Fortbildung und Umschulung Lebenslanges Lernen wird auch in Frankreich immer wichtiger: Beschäftigte und Arbeitssuchende haben daher zahlreiche Möglichkeiten, ihre beruflichen Kenntnisse zu vertiefen und zu aktualisieren oder aber sich ganz neue Berufsmöglichkeiten zu erschließen. Informationen über Fortbildungen bieten die Homepages des Zentrums Centre INFFO und der Nationalen Agentur für Erwachsenenbildung (Association pour la Formation Professionelle des Adultes, AFPA). Zugang und BeratungSchulische BerufsausbildungDer Zugang zu den drei verschiedenen Qualifikationszweigen am berufsbildenden Gymnasium hängt jeweils von den Schulnoten und von den verfügbaren Plätzen ab. Detaillierte Informationen dazu erhält man bei den unten aufgeführten Beratungsstellen vor Ort. Duale Ausbildung Wer eine duale Ausbildung absolvieren möchte, muss zunächst von einem Ausbildungsbetrieb angestellt werden: Dazu bewirbt man sich mit einer schriftlichen Bewerbung, die Lebenslauf und Motivationsschreiben enthält. Die Betriebe wählen ihre Auszubildenden nach den Schulnoten und einem persönlichen Gespräch aus und schließen einen Ausbildungsvertrag mit ihnen ab. Fortbildung Die Initiative zur beruflichen Fortbildung kann vom Arbeitgeber oder vom Arbeitnehmer ausgehen. Informationen über die Zugangsvoraussetzungen zu den Kursen bietet die Homepage des Verbands für Erwachsenenbildung AFPA (Association pour la Formation Professionnelle des Adultes). Beratung Umfangreiche Informationen über Berufe und Berufsausbildungen bietet das Internetportal „Orientation et Formation“. Die Homepage des Bildungsministeriums und das Portal ONISEP listen verschiedene Einrichtungen auf, die Berufsberatung anbieten (Lieux d'information de l'orientation). Zu den wichtigsten gehören die rund 600 regionalen Informations- und Beratungszentren (Centres d'Information et d'Orientation, CIO). Sie informieren in persönlichen Gesprächen über Studiengänge, Berufsausbildungen, Qualifikationen und Zugangsvoraussetzungen. Wer sich für eine duale Ausbildung interessiert, kann sich zudem an die Kammern wenden: Handwerkskammer (Chambres des métiers et de l’artisanat), Industrie- und Handelskammer (Chambres de commerce et d’industrie) und Landwirtschaftskammer (Chambre d’agriculture). Außerdem beraten die Bildungszentren für Lehrlinge (centres de formation d'apprentis, C.F.A.). Rechtsgrundlage, Förderung und FinanzierungDas Ministerium für Bildung (Ministère de l'Education Nationale) spielt die Schüsselrolle in der Bildungspolitik. Die Rahmenbedingungen der Bildung sind in der Nationalen Verfassung und in verschiedenen Gesetzen geregelt. Informationen dazu bietet die Homepage des Ministeriums (> Les textes fondateurs). Sie beschreibt zudem sämtliche Behörden und Akteure, die an der Bildung beteiligt sind (> les acteurs).Für die duale Ausbildung ist das Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie, Solidarität und Gemeinschaftswesen verantwortlich (Ministère du travail, des Relations sociales, de la Famille, de la Solidarité et de la Ville). Finanzierung Die Ausbildung an den staatlichen Schulen und Universitäten ist kostenlos. Wer eine duale Ausbildung (apprentissage) absolviert, erhält eine Ausbildungsgehalt. Es variiert je nach Alter und steigt mit jedem Ausbildungsjahr an. Wer unter 18 ist, erhält im ersten Ausbildungsjahr 25 Prozent des Nationalen Mindestlohns, im dritten Jahr 53 Prozent. Ab 21 Jahren erhält man im ersten Ausbildungsjahr 53 Prozent und im dritten Jahr 78 Prozent. QualifikationenDetaillierte Informationen über die verschiedenen Qualifikationen und Abschlüsse, die man in Frankreich erlangen kann, bietet die Homepage von ÉduSCOL.Schulische Berufsausbildung Die Ausbildung am berufsbildenden Gymnasium (lycée professionnel) kann mit einem von drei verschiedenen Abschlüssen beendet werden. Sie alle ermöglichen den direkten Einstieg in den erlernten Beruf:
Höhere schulische Berufsausbildung Wer die dreijährige Ausbildung am berufsbildenden Gymnasium mit der Hochschulreife (baccalaurát professionnel) abschließt, kann sich anschließend in einer weiteren zweijährigen Ausbildung spezialisieren und einen höheren Berufsabschluss erlangen:
Duale Berufsausbildung Fast sämtliche oben genannten Qualifikationen sind auch auf dem Weg der dualen Berufsausbildung erreichbar: die berufliche Hochschulreife (baccalauréat professionnel), der Gesellenbrief (certificat d'aptitude professionnelle), das Berufsbildungszeugnis (Brevet d'études professionnelles) und das Höhere Techniker-Diplom (Brevet de technicien supérieur). Hinzu kommen verschiedene Diplome auf Bachelor- und Masterniveau – etwa im Bereich Ingenieurwesen. Wer sich für eine duale Ausbildung interessiert, sollte sich vorab über diese verschiedenen Möglichkeiten beraten lassen. Hochschulbildung Wer die allgemeine, technische oder berufliche Hochschulreife besitzt, hat auch Zugang zur Universität. Dort kann man die Titel Bachelor (Licence), Master und Doktor erlangen. Weitere Informationen :
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