Berufliche Bildung
Haben Sie Lust, im Rahmen der Ausbildung Erfahrungen im Ausland zu sammeln? Dann sollten Sie sich zunächst bei Ihrem Ausbilder oder Berufsschullehrer nach Austausch- und Praktikantenprogrammen erkundigen. Auslandsaufenthalte für Auszubildende werden in der Regel von Bildungseinrichtungen organisiert und über das EU-Bildungsprogramm Leonardo da Vinci gefördert. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.na-bibb.de > Leonardo da Vinci.
ÜberblickBerufliche ErstausbildungIn Griechenland können Jugendliche im Anschluss an die neunjährige Schulpflicht eine Berufsausbildung beginnen. Dann haben sie das Mindestalter von 15 Jahren erreicht – das ist die Grundvoraussetzung für den Beginn einer Berufsausbildung. Bis vor Kurzem erhielten Jugendliche in Griechenland ihre berufliche Erstausbildung vorwiegend an den Technischen Berufsschulen, den so genannten TEE (Tehnika Epangelmatika Ekpedeftiria). Mit dem Schuljahr 2008/2009 wurden die TEE abgeschafft und durch Berufliche Lycei EPAL (Epagelmatiko Lykeio) und Berufsschulen EPAS (Epagelmatikes Scholes) ersetzt. Die Ausbildungen am Beruflichen Lyceum EPAL finden tagsüber in Vollzeitunterricht oder in Abendklassen statt. Sie dauern drei Jahre (Vollzeit) beziehungsweise vier Jahre (Abendklassen). Vermittelt werden Allgemeinbildung und berufsrelevante Fertigkeiten im gewählten Berufszweig. Zur Wahl stehen die Berufszweige Technologie, Dienstleistungen und Schifffahrt. Die Ausbildungen an den Berufsschulen EPAS erstrecken sich über zwei Jahre. Manche EPAS-Lehrgänge beinhalten jedoch neben dem Schulunterricht zudem Praxisphasen im Betrieb und dauern dann bis zu drei Jahre. Solche betrieblichen Ausbildungselemente bringen Qualifikationsvorteile auf dem Arbeitsmarkt mit sich. Der berufspraktische Unterricht findet in schulischen Werkstätten und schulischen Labors statt. Es gibt eine Liste der Ausbildungsberufe, die an den EPAL und EPAS angeboten werden: Datenbank Eurybase im Dokument „The Education System in Greece“ (Download unter www.eurydice.org). Die Ausbildung an den staatlichen Ausbildungsstätten ist kostenlos. Die Berufsausbildungsinstitute IEK (Instituta Epagelmatikis Katartissis) bieten für erwachsene Absolventinnen und Absolventen des Gymnasiums zweijährige berufliche Erstausbildungen an. Vermittelt werden theoretisches Wissen und praktische Fertigkeiten im gewählten Ausbildungsberuf. Die IEK legen besonders viel Wert darauf, neueste technologische und methodische Entwicklungen im Unterricht zu berücksichtigen. Derzeit bestehen 114 staatliche und 53 private IEK. Die Ausbildung an staatlichen IEK ist gebührenfrei, die privaten IEK hingegen verlangen Gebühren. Berufliche Fortbildung Alternativ zu einer zweijährigen Erstausbildung an einem IEK können sich Absolventinnen und Absolventen der EPAL und EPAS an den IEK innerhalb eines Jahres in ihrem erlernten Beruf weiterbilden (Post-Sekundarstufe). Werden Spezialisierungen gewählt, die nichts mit dem zuvor erlernten Fachbereich zu tun haben, dauert die Ausbildung zwei Jahre. Berufliche Weiterbildungen für Erwachsene werden hauptverantwortlich vom Generalsekretariat für Erwachsenenbildung (GSAE) des Ministeriums für Bildung und Religiöse Angelegenheiten (Ypourgeio Ethnikis Paideias kai Thriskevmaton) geplant, koordiniert und realisiert. Die Kurse werden in verschiedenen staatlichen und privaten Einrichtungen durchgeführt. Sie wenden sich jeweils an spezifische Zielgruppen – etwa an Arbeitslose, Arbeitssuchende ohne Schulabschluss oder an beschäftigte Arbeitnehmer. Die Zentren für Erwachsenenbildung (KEE) und die Berufsausbildungszentren (KEK) bieten Kurse für alle Bürgerinnen und Bürger, die ihre beruflichen Kenntnisse auffrischen und erweitern wollen. Weiterbildungskurse und -einrichtungen werden vom Nationalen Zentrum für die Akkreditierung beruflicher Fortbildungen EKEPIS genehmigt und zugelassen. Mit den staatlichen Angeboten der Fort- und Weiterbildung für Erwachsene will Griechenland seine internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken: Die Qualifikation der Arbeitskräfte soll an die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes und an moderne technologische Entwicklungen angepasst werden. Ein weiteres politisches Ziel der Erwachsenenbildung ist es, Arbeitslose und sozial benachteiligte Bürgerinnen und Bürger in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Zugang und BeratungGrundsätzlich haben alle griechischen Bürgerinnen und Bürger Zugang zu allen Bereichen des staatlichen Bildungssystems. Wer als Ausländer eine Berufsausbildung in Griechenland absolvieren möchte, muss auf jeden Fall die griechische Sprache beherrschen, um dem Unterricht folgen zu können. In der Regel muss man die geforderten Sprachkenntnisse durch ein Zertifikat nachweisen, um zur Ausbildung zugelassen zu werden.Zugang zu beruflicher Erstausbildung Berufliches Lyceum EPAL: Wer die Schulpflicht erfolgreich mit dem Abschlusszertifikat des Gymnasiums (Apolytirio Gymnasiou) beendet hat, darf die Ausbildung an einem Berufsbildenden Lyceum EPAL (Epagelmatiko Lykeio) beginnen. Am Ende des ersten Schuljahrs ist es noch möglich, vom Allgemeinbildenden Lyceum (Geniko Lykeio) auf das Berufsbildende Lyceum EPAL zu wechseln. Berufsschule EPAS: Wer das Gymnasium mit dem Abschlusszertifikat (Apolytirio Gymnasiou) beendet und das erste Jahr des Allgemeinbildenden oder Berufsbildenden Lyceum absolviert hat, kann die Ausbildung an der Berufsschule EPAS (Epagelmatikes Scholes) beginnen. Berufsausbildungsinstitute IEK: Wer die Ausbildung am Berufsbildenden Lyceum EPAL oder an der Berufsschule EPAS erfolgreich abgeschlossen hat oder ein anderes (älteres) Abschlusszeugnis der oberen Sekundarstufe besitzt, erhält Zugang zu den Berufsausbildungsinstituten IEK (Instituta Epagelmatikis Katartissis). Einige IEK bieten berufliche Erstausbildungen für erwachsene Absolventen und Absolventinnen des Gymnasiums (untere Sekundarstufe) an. Sie dauern zwei Jahre. Als Zugangsvoraussetzung genügt das Abschlusszertifikat des Gymnasiums (Apolytirio Gymnasiou). Private IEK erheben Schulgebühren. Zugang zu beruflicher Fortbildung Programme der beruflichen Weiterbildung für Erwachsene richten sich jeweils an spezifische Zielgruppen – etwa an Arbeitslose, Arbeitssuchende ohne Schulabschluss oder an beschäftigte Arbeitnehmer. Informationen über die Zugangsvoraussetzungen erhalten Sie direkt bei den Anbietern der Weiterbildungsprogramme beziehungsweise beim Nationalzentrum für Berufsberatung KESYP (Ethniko Kentro Epangelmatikou Prosanatolismou). Zugang zu persönlicher Beratung Wer sich über die verschiedenen Möglichkeiten der beruflichen Ausbildung in Griechenland informieren möchte, kann sich an eines der 68 Berufsberatungszentren des Nationalzentrums für Berufsberatung KESYP wenden, die es in jeder Präfektur des Landes gibt. Dort werden junge Erwachsene (bis 25 Jahre) und ihre Eltern in Berufsfragen beraten. Auch die nationale Arbeitsagentur OAED beschäftigt auf kommunaler Ebene Mitarbeiter, die dabei helfen, die richtige Berufswahl zu treffen oder sich beruflich neu zu orientieren. Rechtsgrundlage, Förderung und FinanzierungRechtsgrundlageDas Ministerium für Nationale Bildung und Religiöse Angelegenheiten (Ypourgeio Ethnikis Paideias kai Thriskevmaton) ist als oberste Verwaltungsbehörde hauptverantwortlich für das Bildungssystem in Griechenland: Es führt Gesetze zur Bildung ein, verwaltet das Bildungsbudget, koordiniert die Arbeit der Bildungseinrichtungen auf lokaler Ebene, genehmigt Lehrpläne und ernennt Lehrkräfte. Zudem beaufsichtigt das Ministerium private Bildungseinrichtungen. Das Ministerium für Nationale Bildung und Religiöse Angelegenheiten beaufsichtigt 13 Regionale Bildungsdirektorate, die bildungspolitische Ziele und Vorgaben in ihrer Region praktisch umsetzen. Auf der nachgeordneten Verwaltungseben arbeiten weitere Direktorate in den Präfekturen und Distrikten: Sie kontrollieren die einzelnen Schulen vor Ort. Einige der Berufsschulen EPAS werden nicht vom Ministerium für Nationale Bildung und Religiöse Angelegenheiten getragen, sondern von anderen Ministerien: Diese EPAS bieten Ausbildungen in Berufen an, die thematisch dem Aufgabenbereich des zuständigen Ministeriums entsprechen. Sie arbeiten auf der Grundlage einer gemeinsamen Entscheidung des Ministeriums für Nationale Bildung und Religiöse Angelegenheiten, des Ministeriums für Wirtschaft und Finanzen und des Ministeriums, das die Schule trägt. Die öffentlichen und privaten Berufsausbildungsinstitute IEK (Instituta Epagelmatikis Katartissis) arbeiten unter der Führung der nationalen Organisation für Berufsbildung OEEK (Organismos Epangelmatikis Ekpaidefsis kai Katartisis). Die Lehrpläne werden auf der Grundlage von Beratungen einer Drei-Parteien-Kommission erarbeitet. Die Kommission besteht aus Mitgliedern der OEEK sowie aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreterinnen und -vertretern. Sie sorgen dafür, dass die regionalen Arbeitsmarktanforderungen in den Lehrplänen der IEK berücksichtigt werden. Berufliche Fortbildung Berufliche Weiterbildungen für Erwachsene werden hauptverantwortlich vom Generalsekretariat für Erwachsenenbildung (GSAE) des Ministeriums für Bildung und Religiöse Angelegenheiten initiiert und koordiniert. Die Kurse finden in staatlichen und privaten Bildungseinrichtungen statt. Diese Einrichtungen wurden zuvor vom Nationalen Zentrum für die Akkreditierung beruflicher Fortbildungen EKEPIS anerkannt und zugelassen. Auch die griechische Agentur für Arbeit OAED ist an der Organisationen betrieblicher Fortbildungen beteiligt. Sie führt insbesondere betriebliche Bildungsprogramme für Beschäftigte gemäß dem Nationalen Zertifizierungssystems durch. Ziel ist es, die Produktivität der Beschäftigten und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu erhöhen. Förderung und Finanzierung Staatliche Bildungseinrichtungen verlangen keine Schulgebühren. Ausnahme: Das Studium an der Hellenic Open University ist kostenpflichtig. Studierende, die bestimmte wirtschaftliche, soziale und akademische Kriterien erfüllen, können von der Open University Stipendien erhalten. Genaue Auskünfte erteilt die Universität. Private Berufsausbildungsinstitute IEK erheben Gebühren. QualifikationenBerufliche ErstausbildungBerufsbildendes Lyceum EPAL: Die Ausbildung am Berufsbildenden Lyceum EPAL wird mit dem Diplom des Lyceums (Apolytirio Lykeiou) abgeschlossen. Um es zu erhalten, benötigt man einen Notendurchschnitt von mindestens 9,5 Punkten (von 20 möglichen Notenpunkten). Die Noten werden von den Lehrkräften auf Grundlage der schulischen Leistungen vergeben. Absolventinnen und Absolventen allgemeinbildender oder berufsbildender Lycei, die zur Ausbildung an einem Berufsausbildungsinstitut IEK oder an einem Technologischen Bildungsinstitut TEI zugelassen werden möchten, benötigen neben dem Lyceum-Diplom zudem ein nationales Zertifikat (Bebaiosi). Um dies zu erhalten, müssen sie die landesweit einheitlichen Prüfungen in sechs Fächern erfolgreich bestehen. Absolventinnen und Absolventen der berufsbildenden EPAL erhalten zudem ein Zertifikat (Niveau 3), das ihre berufliche Bildung attestiert (Ptychio epagelmatikis ekpaidefsis). Berufsschule EPAS: Die Ausbildung an den Berufsschulen EPAS wird ebenfalls mit dem Berufsausbildungs-Zertifikat (Niveau 3) abgeschlossen (Ptychio). Voraussetzung ist, die schulischen Prüfungen erfolgreich zu bestehen. Das Zertifikat bescheinigt die berufliche Qualifikation. Es eröffnet den Zugang zu qualifizierter Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt oder alternativ zur weiteren Berufsausbildung an einem Berufsausbildungsinstitut IEK oder an einem Technologischen Bildungsinstitut TEI. Berufsausbildungsinstitute IEK: An den Berufsausbildungsinstituten IEK werden die Leistungen der Auszubildenden zunächst von den Ausbildern vor Ort bewertet. Wer dabei erfolgreich abschneidet, erhält ein Ausbildungsattest (Bebaiosi Epagelmatikis Katartisis). Es ist die Voraussetzung, um anschließend an externen theoretischen und praktischen Prüfungen teilzunehmen, die von den Komittees der Organisation für die Berufliche Bildung OEEK durchgeführt werden. Nach erfolgreichem Abschluss der Prüfungen wird ein Diplom ausgestellt, das die berufliche Qualifikation auf post-sekundärem Niveau bescheinigt (Diploma Epagelmatikis Katartisis, epipedou Metadeuterobathmias epagelmatikis katartisis). Erwachsene Absolventinnen und Absolventen des Gymnasiums (untere Sekundarstufe), die ihre Ausbildung an den post-Gymnasio-Abteilungen der IEK fortsetzen, nehmen an qualifizierenden Prüfungen teil, um ein Diplom der Berufsausbildung (Niveau 1) zu erhalten. Berufliche Fortbildung Die Berufsbildungszentren KEK (Kentra Epangelmatikis Katartisis) stellen Zertifikate aus, die die erfolgreiche Teilnahme an einem Weiterbildungskurs bescheinigen. Informationen über die Abschlussbescheinigungen anderer Fortbildungsprogramme gibt es beim Nationalzentrum für Berufsberatung KESYP (Ethniko Kentro Epangelmatikou Prosanatolismou). Weiterführende Links zur Beruflichen Bildung in GriechenlandBerufliche Bildung:
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