Island: Land und Leute
Land & LeuteSchwarzer Humor und „Schwarzer Tod“, der landestypische Verdauungstrunk in der Halbliter-Plastikflasche – beides konnten die Isländer im Herbst 2008 gut gebrauchen, um zu „verdauen“, dass die weltweite Finanzkrise sie an den Rand des Staatsbankrotts gebracht hatte. Nur eine kräftige Finanzspritze anderer Nordländer sowie die eilends vorgenommene Verstaatlichung der Banken bewahrte das Land vor dem Ruin.Schuld an dem Desaster trugen die isländischen Banken. Über Jahre hinweg hatten sie mit hohen Zinsen ausländische Investoren angelockt und das ganze Land in einen gigantischen Konsumrausch versetzt. Isländische Unternehmer erwarben Spielzeugketten und Fußballklubs in Großbritannien, eine Versicherung in Finnland, ein Kaufhaus in New York. Binnen einer Dekade stiegen die Reallöhne um 75 Prozent. Viele Arbeitnehmer erfüllten sich den Traum vom eigenen Häuschen, selbst wenn sie es sich eigentlich nicht leisten konnten. Dann ging die amerikanische Kreditwirtschaft unter, und der nach Grönland westlichste Außenposten Europas wurde in den Strudel hinabgesogen. Auf die große Sause folgte ein schwerer Katzenjammer. Darunter wird die isländische Volkswirtschaft noch einige Zeit zu leiden haben. Vor dem künstlichen Wirtschaftswunder beruhte Islands Wohlstand auf Fischfang, Tourismus und der billigen Energie, die aus dem Boden der Vulkaninsel geholt wird. Das zieht Strom fressende Branchen wie die Aluminiumindustrie an. Auch die Exporte des heimischen Maschinenbaus verschaffen dem Land solide Einkommen. Der Lebensstandard der Bevölkerung ist sehr hoch, das Preisniveau allerdings auch. In der Liste des menschlichen Entwicklungsstandes, dem Human Development Index (HDI), hat sich Island vor Norwegen geschoben und liegt heute auf Platz 1. Von Island nach Grönland sind es nur 290 Kilometer, nach Schottland ist es fast dreimal so weit. Das und die trotzige Natur der isolationsgewöhnten Inselmenschen mögen die traditionell starke Orientierung der Isländer nach Westen erklären. Jedes Jahr wandern ein paar Tausend Isländer in die Vereinigten Staaten und nach Kanada aus. Im Gegenzug kommen aber auch neue Bewohner – zumeist allerdings nur als auf Zeit entsandte Mitarbeiter ausländischer Unternehmen.
Island ist seit 1944 eine parlamentarische Demokratie. Neun von zehn Isländern gehören der evangelisch-lutherischen Kirche an. Die gesamte Republik ist etwa so groß wie die östlichen Bundesländer und hat mit rund 300.000 ebenso viele Einwohner wie Mannheim. Mehr als die Hälfte davon konzentriert sich auf das 50 Quadratkilometer große Ballungsgebiet rund um die Hauptstadt Reykjavik. Der Rest verteilt sich auf die wenigen Mittelstädte entlang der Küste. Doch Wachstumspotenzial gibt es noch genug: Vier Fünftel der Landesfläche sind unbesiedelt. Blick in die WirtschaftDie Wirtschaft wuchs von 2002 bis 2005 stark, brach zwischenzeitlich ein, legte aber 2007 wieder um 3,8 Prozent zu. Triebkraft dieser Entwicklung waren der Bausektor und die großen Kraftwerk- und Energieprojekte. Für 2008 und 2009 rechnen Experten mit einem Stillstand; die Inflation und die negative Zahlungsbilanz hemmen das Wachstum.Fischfang und Fischverarbeitung sind der bedeutendste Wirtschaftsfaktor. Hiermit bestreitet Island knapp zwei Drittel seines Exportvolumens. Um bei dieser starken Abhängigkeit den begrenzten Rohstoff Fisch möglichst schonend zu nutzen, hat Island eine anerkannt hoch entwickelte Ressourcensteuerung entwickelt. Dennoch mussten in der Vergangenheit die Fangquoten wegen des Rückgangs der Fischbestände reduziert werden.
Besonders stark ist in Island traditionell die Energiewirtschaft. Die Energiekosten sind aufgrund der Nutzung von Erdwärme und heißen Quellen niedrig. Geheizte Gehwege in Reykjavik und eine ganzjährige Nutzung von Gewächshäusern sind angenehme Nebeneffekte. Bedeutender ist die Nutzung von Erdwärme und Wasserkraft für industrielle Zwecke. Dazu gehören nicht nur Stromerzeugung und die Gewinnung von Kieselgur, sondern auch die Herstellung von Aluminium und die Produktion von Ferrosilicium. Sowohl die zahlreichen leichten Erdbeben als auch die Umweltzerstörungen in abgelegenen Gebieten durch den Bau von Wasserkraftwerken wirken sich jedoch negativ aus. Der Tourismus stellt ein wichtiges Standbein Islands dar. Er ist die zweitwichtigste Devisenquelle nach dem Fischfang und ebenso bedeutend wie die Aluminiumproduktion. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Anzahl ausländischer Besucher um gut sieben Prozent jährlich; sie lag 2007 bei über 400.000 Reisenden. Weitere Wachstumsbranchen sind Software, Biotechnologie und der Finanzsektor. Weitere Informationen über Island finden Sie unter www.auswaertiges-amt.de, http://ec.europa.eu und www.iceland.is Interessante Links:
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