Studieren in Litauen

 

Hochschullandschaft

Mit der Unabhängigkeit 1991 war für Litauen auch ein Neuanfang im Bildungswesen möglich, das bis dahin von der Sowjetunion geprägt war. Das Gesetz für Wissenschaft und Lehre wurde im gleichen Jahr erlassen und sichert den Hochschulen Autonomie, akademische Freiheit und Integration von Forschung und Bildung zu. Litauen hat ein duales Hochschulsystem, das aus einem universitären und einem nicht universitären Bereich besteht (Universitetas und Kolegija). Es gibt 50 Lehreinrichtungen auf Hochschulniveau, darunter 22 Universitäten, von denen 15 staatlich sind. Sie sind dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft unterstellt, auf dessen Website Sie auch Links zu allen Bildungseinrichtungen finden (www.smm.lt).

Im Jahr 2008 waren in Litauen gut 200.000 Studenten eingeschrieben, hinzu kamen knapp 3.000 Doktoranden. Die universitäre Ausbildung ist wissenschaftlich orientiert. Einige Universitäten haben virtuelle Studienprogramme eingeführt. Die 16 staatlichen und 12 privaten Colleges bieten berufsqualifizierende Studiengänge auf der Basis angewandter Forschung an.

Der Baltic Sea Virtual Campus gibt Studierenden die Möglichkeit, ein Fernstudium mit 13 Partneruniversitäten im Ostseeraum zu absolvieren. Neben den deutschen Hochschulen FH Lübeck, HAW Hamburg und FH Kiel nimmt unter anderem die Universität Vilnius an diesem Projekt teil. Informationen finden Sie unter www.oncampus.de (> Über uns).

Universitetai (Universitäten)

Von den 22 Universitäten sind 15 staatlich. Die universitäre Ausbildung ist wissenschaftlich orientiert.

Kolegijos (Colleges)

Die 16 staatlichen und 12 privaten Colleges bieten berufsqualifizierende Studiengänge auf der Basis angewandter Forschung an.

Fernstudium

Einige Universitäten haben virtuelle Studienprogramme eingeführt. Es gibt auch noch Studienprogramme, für die das Unterrichtsmaterial per Post zugestellt wird.

Der Baltic Sea Virtual Campus (www.bsvc.org) gibt Studierenden die Möglichkeit, ein Fernstudium mit 13 Partneruniversitäten im Ostseeraum zu absolvieren. Neben den deutschen Hochschulen FH Lübeck, HAW Hamburg und FH Kiel nimmt unter anderem die Universität Vilnius an diesem Projekt teil.

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Informationen zum Studium

Das akademische Jahr ist in zwei Semester gegliedert. Das Herbstsemester dauert von September bis Januar, das Frühjahrssemester von Februar bis Juni. Das Studium an einem Kolegija wird nach drei bis vier Jahren mit einem "Diploma" abgeschlossen.

Das Universitätsstudium besteht aus drei Stufen: Grund- Aufbau- und postgradualem Studium. Die Leistungen werden nach dem europäischen Kreditsystem (ECTS) bemessen. Ein Kreditpunkt entspricht einer Studienwoche.

Das Grundstudium führt nach dreieinhalb bis viereinhalb Jahren zum ersten akademischen Grad "Bakalauras". Er entspricht dem Grad Bachelor. Das Lehramts-, Ingenieur- oder Kunststudium kann auch mit dem "Diploma" abgeschlossen werden.

Voraussetzung für das eineinhalbjährige Aufbaustudium ist der Bakalauras. Das Aufbaustudium führt entweder zum Magistras, der dem Mastergrad entspricht, oder einem berufsqualifizierenden Abschluss (zum Beispiel für Mediziner).

Postgraduale Studiengänge gibt es in drei Varianten: Rezidentura, Meno aspirantura, Doktorantura. Das Rezidentura-Studium bildet Absolventen eines Medizinstudiums für die medizinische Praxis aus und dauert drei bis fünf Jahre. Das Meno-aspirantura-Studium bildet Absolventen eines Kunststudiums unter anderem für das Lehramt an höheren Bildungseinrichtungen aus. Es dauert maximal zwei Jahre und schließt mit dem "Meno licenciatas" ab. Das Promotionsstudium (Doktorantura) geht über drei bis vier Jahre. Für den Erwerb des Doktortitels muss man eine Dissertation verfassen und sie öffentlich verteidigen.

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Studiengebühren

Ausländische Studierende müssen generell Studiengebühren zahlen. Die Höhe richtet sich nach Studienprogramm und Hochschule und liegt zwischen 1.000 € und 5.000 € pro Jahr. Austauschstudenten, die im Rahmen einer Hochschulkooperation im Baltikum studieren, erhalten in der Regel ein von der EU finanziertes Erasmus-Stipendium. Ihnen werden die Studiengebühren erlassen.

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Zulassung und Bewerbung

Voraussetzung für ein Studium an litauischen Hochschulen ist der Abschluss einer Sekundarschule (Sekundarstufe II): „Brandos Atestas“ oder ein Äquivalent. Die deutsche allgemeine Hochschulreife wird anerkannt. Ein Gesundheitszeugnis und Aufnahmeprüfungen sind weitere Zulassungsbedingungen. Für eine Reihe von Studiengängen legen die Hochschulen individuell Zulassungsbeschränkungen fest – erkundigen Sie sich unbedingt rechtzeitig danach.

Die Universitäten in Vilnius und Kaunas bieten Lehrgänge zur sprachlichen Vorbereitung auf das angestrebte Fachstudium an. Während dieser Zeit können parallel Studienprogramme in englischer oder deutscher Sprache belegt werden. Nach spätestens zwei Jahren müssen Sie alle Studienprogramme in Litauisch belegen können.

Einzelne Programme und Lehrveranstaltungen gibt es auch in Englisch, Deutsch und Russisch, zum Beispiel an der Universität Vilnius (www.vu.lt). An der Technischen Universität Kaunas gibt es Programme in Englisch Deutsch und Französisch (www.ktu.lt).

Im Rahmen der Hochschulreform und der Modernisierung von Studienprogrammen sind eine Reihe von Hochschulen an internationalen Programmen beteiligt (Leonardo, Erasmus, Tempus und Phare). Für die internationale Anerkennung der Abschlüsse wurden zwischenstaatliche Vereinbarungen getroffen.

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Finanzierung

Deutsche, die ihr Studium ganz oder teilweise im Ausland absolvieren möchten, können nach dem neuen Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) leichter gefördert werden. Unter www.das-neue-bafoeg.de erfahren Sie mehr darüber. Auf der Internetseite finden Sie auch ein nach Ländern gegliedertes Verzeichnis der Ämter für Ausbildungsförderung.

Das europäische Bildungsprogramm Erasmus fördert Studienaufenthalte im europäischen Ausland. Im Rahmen dieses Bildungsprogramms können Studierende für die Dauer von drei Monaten bis zu einem vollen Studienjahr im Ausland verbringen. Das Stipendium ist eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung eines Auslandsstudiums. Hier ist der DAAD die erste Adresse (http://eu.daad.de).

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Teil- oder Vollzeitstudium?

Wenn Sie ein oder zwei Semester im Ausland studieren möchten, sollten Sie dies erst nach dem Grundstudium tun. Für die Zeit des Auslandsstudiums lassen Sie sich am besten beurlauben. Es besteht zwar auch die Möglichkeit der Exmatrikulation für diesen Zeitraum, doch ist dies nicht ratsam, weil Sie dadurch möglicherweise Ihren Studienplatz gefährden. Auch die Zugehörigkeit zur Krankenversicherung könnte verloren gehen.

In jedem Fall empfiehlt es sich, vorab beim Studentensekretariat und bei der Krankenversicherung genaue Informationen einzuholen. Das Akademische Auslandsamt Ihrer Heimatuniversität hilft bei allen Fragen zum Auslandsstudium. Die Adressliste aller Auslandsämter finden Sie unter www.hochschulkompass.de. Unter http://eu-community.daad.de informiert der DAAD über den Studienalltag und die kulturellen Besonderheiten in den europäischen Ländern. Dort finden Sie auch Berichte von Studierenden über ihre Erfahrungen im Ausland.

Ein Vollstudium im Ausland ist nur dann empfehlenswert, wenn Sie tatsächlich Ihr Studium dort abschließen. Bei einer späteren Arbeitsaufnahme in Deutschland könnten sich hinsichtlich der Anerkennung von Abschlüssen und der Zulassung zu manchen Berufen Schwierigkeiten ergeben – etwa bei Tätigkeiten im öffentlichen Bereich. Auskunft erteilen Hochschullehrer, die fachliche Kontakte zu Hochschulen im Ausland unterhalten.

Die Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen, die im Ausland erbracht wurden, ist nicht einheitlich geregelt. Dies liegt an der föderalen Struktur des deutschen Bildungssystems und an der Autonomie deutscher Hochschulen. Wichtig ist, alle Fragen vor Beginn des Auslandsstudiums zu klären. Auf diese Weise ersparen Sie sich hinterher böse Überraschungen. Das Informationssystem anabin informiert über das Niveau ausländischer Hochschulabschlüsse im Vergleich zu denen in Deutschland (www.anabin.de).

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Nach dem Studium

Berufseinstieg für Hochschulabsolventinnen und -absolventen

Die Lage am Arbeitsmarkt
Litauen verzeichnet seit Jahren ein stabiles Wirtschaftwachstum von rund acht Prozent. Gleichzeitig ist eine bemerkenswerte Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt zu beobachten: Seit 2001 ist die Arbeitslosigkeit von 17 Prozent auf 4,4 Prozent gesunken (Eurostat, Stand: April 2008). Außerordentlich niedrig ist auch die Jugendarbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote bei den 15- bis 24-Jährigen liegt mit 8,8 Prozent deutlich unterm EU-Durchschnitt von 14,7 Prozent (Deutschland: 9,8 Prozent).

Der Arbeitskräftemangel hat weite Teile der litauischen Wirtschaft erfasst. Den größten Bedarf vermelden der Dienstleistungssektor, auf den rund 58 Prozent der beim Arbeitsamt gemeldeten offenen Stellen entfallen, die Industrie (24 Prozent) und der Bau (14 Prozent). Da viele junge Menschen abwandern und die Geburtenrate relativ niedrig ist, wird erwartet, dass sich der Fachkräftemangel in den kommenden Jahren weiter verschärft.

Aussichten für Hochschulabsolventen
Die Chancen auf eine Stelle sind für Hochschulabsolventinnen und -absolventen günstig. Besonders stark ist die Nachfrage nach Bauingenieuren, Architekten und Ingenieuren für Elektrotechnik, Maschinenbau und Computersysteme. Auch Marketing-, Versicherungs-, Werbe- und Finanzexpertinnen und -experten werden gesucht. Das Gleiche gilt für Ärzte und für Absolventen naturwissenschaftlicher Fächer wie Physik, Mathematik oder Chemie, abgeschwächt auch für Übersetzer und für Lehrer an weiterführenden Schulen.

Zu den Akademikerinnen und Akademikern mit den größten Problemen am Arbeitsmarkt zählen Geistes- und Sozialwissenschaftler sowie Agrar- und Forstwirte. Auch für Grundschullehrer und Sportwissenschaftler ist der Übergang von der Hochschule in den Beruf schwierig.

Chancen auch in der Provinz
Die besten Karriere- und Verdienstmöglichkeiten bieten die Universitätsstädte Vilnius und Kaunas. Allerdings ist die Konkurrenz unter den Hochschulabgängerinnen und -abgängern dort besonders ausgeprägt, da nur wenige nach Abschluss ihres Studiums in ihre Heimatorte zurückkehren wollen. Bei der Jobsuche lohnt sich daher ein Blick in die Provinz; viele größere Industrieunternehmen aus dem In- und Ausland haben sich in kleineren Städten angesiedelt.

Möglichkeiten für Arbeitnehmer mit Sprachkenntnissen
Wer mehrere Sprachen spricht, dem bieten sich gute Chancen in Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen ins Ausland unterhalten. Der litauische Arbeitsmarkt kann den Bedarf nicht decken. Allerdings werden in der Regel Litauischkenntnisse zur Voraussetzung für eine Einstellung gemacht.

Ein weiteres Einsatzfeld sind Sprachschulen, da die Nachfrage nach Deutschunterricht in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat.



Forschung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung informiert auf seinem Portal www.internationale-kooperation.de über Forschungsprogramme und -initiativen. Zu den wichtigsten zählen hierbei das Nato-Wissenschaftsprogramm „Science for Peace and Security“ (www.nato.int) und die europäische Forschungsinitiative „EUREKA“ (www.eureka.be). Über Stipendien, Arbeits- und Forschungsmöglichkeiten für Forscher und Wissenschaftler informiert http://ec.europa.eu/euraxess. Von dieser Webseite aus sind die nationalen Mobilitätsportale mit ihrem Beratungs- und Informationsagebot für Wissenschaftler zu erreichen. Der EU-Dienst „Cordis“ (http://cordis.europa.eu) bietet Hunderte von freien Doktoranden- und Postdoktorandenstellen vieler Fachrichtungen in Europa an.

Das Programm "MORE" (Mobility for Young Researchers in Central and Eastern Europe) hat sich die wechselseitige Mobilität junger Wissenschaftler aus Deutschland sowie Mittel- und Osteuropa auf die Fahnen geschrieben und berät als Koordinierungsstelle interessierte Nachwuchswissenschaftler (www.kowi.de).

 

Nützliche Links:

Pfeil www.mokslas.lt
Das zweisprachige Online-Portal informiert über das Bildungssystem und weist auf Forschungsprojekte sowie internationale Kooperationen hin. Darüber hinaus finden Sie die Kontaktadressen der jeweiligen Bildungs- und Forschungseinrichtungen.

Pfeil www.daad.de
Das Online-Portal des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes informiert über das Bildungs- und Hochschulwesen, Praktikumsmöglichkeiten sowie Forschen und Lernen in Litauen mit vielen Zusatzhinweisen und weiterführenden Links zu allen relevanten Institutionen.

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Bildausschnitt: Foto einer lächelnden Frau, die mit einem Spiralblock in den Händen in einem Bibliotheksgang steht.
 
Symbolbild: Ein junger Mann vor einer Tafel mit Einsteins berühmter Formel E=mc²
 
Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) - Info-Center der ZAV: 0228 / 713 13 13 - E-Mail: zav-auslandsvermittlung@arbeitsagentur.de