Arbeiten in Litauen

 

Arbeitsmarkttrends

Der litauische Arbeitsmarkt hat sich weitgehend von der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 erholt. Nach einem Anstieg des Außenhandels ist für das laufende Jahr 2011 eine Belebung des Privatkonsums und der Investitionstätigkeit zu beobachten. Aufgrund der positiven Entwicklung ist mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahlen zu rechnen.
2010 waren die Auswirkungen der Krise noch deutlich spürbar, im Vergleich zum Vorjahr fielen die Beschäftigtenzahlen um 2,3 Prozent. Nach Eurostat-Erhebungen lag der Anteil der Beschäftigten an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2010 bei 57,8 Prozent und somit niedriger als der EU-Durchschnitt von 64,2 Prozent. 24,6 Prozent der litauischen Arbeitnehmer/innen waren in der Industrie beschäftigt, 66,3 Prozent im Dienstleistungssektor sowie 9 Prozent in der Landwirtschaft.

Litauen wies im Juni 2011 eine saisonbereinigte Arbeitslosenquote von 15,6 Prozent auf, 2,7 Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Im Vergleich zur durchschnittlichen EU-Arbeitslosenquote von 9,5 Prozent verzeichnete Litauen damit eine der höchsten Arbeitslosenzahlen. Junge Litauerinnen und Litauer sind wie in fast allen EU-Ländern im besonderen Maße von Arbeitslosigkeit betroffen. Obwohl die Jugendarbeitslosigkeit innerhalb eines Jahres um über 3 Prozent gesunken ist, waren im Juni 2011 immer noch 33,1 Prozent der unter 25-Jährigen ohne Arbeit. Litauen vermerkte die vierthöchste Quote der Jugendarbeitslosigkeit, der EU-Durchschnitt lag bei 20,8 Prozent. Im Juni 2011 waren mit 18,2 Prozent erheblich mehr Männer arbeitslos gemeldet als Frauen. Ihre Quote lag bei 12,9 Prozent.

Die meisten Arbeitslosen waren im Juni 2011 in den Gemeinden Ignalina, Zarasai und Anykščiai registriert. Šiauliai, die viertgrößte Stadt Litauens, verzeichnete die wenigsten Arbeitslosen. Ein Fünftel aller freien Stellen wurde in Vilnius angeboten, gefolgt von Klaipėda und Kaunas.

Welche Berufe haben gute Chancen?

Zu den litauischen Wachstumsbranchen 2011 gehören laut Germany Trade and Invest:
  • die Kfz-Industrie
  • die pharmazeutische Industrie
  • die lederverarbeitende Industrie
  • der Bereich Papier- und Zelluloseherstellung
  • die Elektroindustrie

Hier bestehen für Fachkräfte, Techniker/innen sowie Ingenieurinnen und Ingenieure gute Aussichten.

Auch werden folgende Berufsgruppen auf dem litauischen Arbeitsmarkt nachgefragt:
  • ähnlich wie in Deutschland Ärztinnen und Ärzte
  • Verkäufer/innen, Vertriebs- und Außendienstmitarbeiter/innen, Sales-Manager/innen
  • Versicherungskaufleute
  • Kfz-Mechaniker/innen
  • Nähtechniker/innen, Näher/innen und/Schneider/innen
  • Sicherheitsfachkräfte
  • Restaurantfachleute, Köchinnen und Köche
  • Baufacharbeiter/innen und Betonmischer/innen
  • Bedienpersonal für Metallbearbeitungsmaschinen
  • Berufskraftfahrer/innen

In anderen Bereichen hingegen gibt es derzeit keine oder nur wenige offene Stellen zu besetzen. Dazu gehören die Nahrungsmittelindustrie sowie die Fertigung von anderen Transportmitteln als Kfz.


Litauisch ist die Amtssprache, teilweise können Sie sich auch mit Polnisch, Russisch und Englisch verständigen. Obwohl die Landessprache schwer zu erlernen ist, empfiehlt es sich bei einem längeren Arbeitsaufenthalt, litauische Sprachkenntnisse zu erwerben.

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Zugang zum Arbeitsmarkt

EU-Bürger können mit einem gültigen Personalausweis oder Reisepass nach Litauen einreisen und sich dort bis zu 90 Tage (im halben Jahr) ohne Visum aufhalten. Für einen längeren Aufenthalt ist jedoch prinzipiell eine befristete Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Diese wird EU-Bürgern gewährt, die beispielsweise Arbeit suchen oder genügend Eigenkapital vorweisen können. EU-Bürger, die in Litauen arbeiten wollen, benötigen dafür keine Arbeitserlaubnis. Der litauische Arbeitgeber informiert die Immigrationsbehörde und das Arbeitsamt
innerhalb von zwei Monaten über den neuen deutschen Mitarbeiter, der daraufhin eine entsprechende Aufenthaltsgenehmigung erhält.

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Löhne, Steuern und Lebenshaltungskosten

Lebenshaltungskosten

Das Preisniveau ist in Litauen etwas niedriger als in Deutschland. Allerdings steigen die Verbraucherpreise stark (von Dezember 2007 bis Dezember 2008 um über 8 Prozent). In Vilnius und anderen Städten ist das Leben nicht wesentlich teurer als auf dem Land.

Lebenshaltungskosen in Litauen

KonsumgutPreis
1 kg Rindfleisch6,85 €
1 l Milch0,65 €
1 kg Käse, 45 - 50 % Fett 5,60 €
1 kg Weißbrot1,50 €
100 g Schokolade0,75 €
1 l Orangensaft1,20 €
1 kg Kartoffeln0,35 €
250 ml Shampoo2,90 €
1 Kino-Eintrittskarte3,80 €
1 l Superbenzin0,90 €
20 Filterzigaretten1,35 €


Daten von Januar 2009, gerundet
Quelle: Litauisches Amt für Statistik

Löhne und Gehälter

Im Vergleich mit anderen EU-Ländern verdienen die meisten Menschen in Litauen wenig. Der gesetzliche Mindestlohn beträgt zurzeit 800 LTL (etwa 230 €) im Monat. Der durchschnittliche Lohn ist allerdings innerhalb von drei Jahren von umgerechnet 370 € (2005) auf 650 € im Monat (2008) gestiegen. Außerdem werden in vielen Unternehmen Gehaltsbestandteile bar ausgezahlt und nicht versteuert. Die Verdienste in Visagino sind am höchsten; sie liegen um gut die Hälfte über dem Landesdurchschnitt. In Vilnius und auch im Landkreis Mazeikiai verdient man rund ein Fünftel mehr als im Landesdurchschnitt, hier sind allerdings auch die Mieten deutlich höher.

„In Vilnius werden viele Wohnungen angeboten. Die Kosten hängen davon ab, welche Ansprüche man stellt. Für meine zwei Zimmer in der Altstadt von Vilnius mit 40 qm zahle ich umgerechnet 600 €. Weiter außerhalb wird es natürlich günstiger. Da alle Mietwohnungen möbliert sind, ist der Umzug relativ einfach.“

Manfred Steinbeißer entwickelt Gewerbeobjekte als Partner in der Global Real Estate Consult GmbH.


Einige Unternehmen zahlen Weihnachtsgeld. Leistungsbezogene Zulagen sind besonders in der Privatwirtschaft recht häufig. Führungskräfte und Außendienstler bekommen teilweise Firmenwagen oder ein Mobiltelefon. Auch Fortbildungen auf Kosten des Arbeitgebers gibt es relativ häufig.

Durchschnittliche Verdienste von Beschäftigten in Litauen

BerufBrutto-Monatsentgelt
Geschäftsführer, obere Führungskräfte (verarbeitende Industrie) 1030 €
Mittlere Führungskräfte /Transport und Kommunikation)825 €
Ärzte810 €
Elektroingenieure (verarbeitende Industrie)680 €
Programmierer605 €
Architekten und ähnliche Berufsgruppen540 €
Elektrofachkräfte (Baugewerbe)490 €
Zimmerleute (Baugewerbe)445 €
Krankenpfleger, medizinische Assistenz425 €
Verkäufer265 €
Lkw-Fahrer235 €
Köche (Hotels und Restaurants) 230 €


Vollzeit, ohne Sonderzahlungen
Daten von 2006, umgerechnet, gerundet
Quelle: Litauisches Amt für Statistik

Sozialabgaben und Steuern

Wenn Sie sich über ein halbes Jahr in Litauen aufhalten, müssen Sie Ihre Einkünfte dort versteuern und Sozialabgaben zahlen. Wer von seinem deutschen Arbeitgeber für höchstens ein Jahr nach Litauen entsandt wird, kann weiterhin in Deutschland versichert bleiben – Einzelfälle prüft die zuständige Krankenkasse. Erkundigen Sie sich frühzeitig auch bei den Finanzbehörden Ihrer Wohn- und Arbeitsorte, welche Regeln für Sie gelten.

Die Einkommensteuer beträgt im Jahr 2009 pauschal 5 Prozent, hinzu kommen 6 Prozent für die Krankenversicherung. Für die übrige Sozialversicherung zahlen Arbeitnehmer nur 3 Prozent Abgaben (den größten Teil übernimmt der Arbeitgeber mit 31 Prozent).

Weitere Informationen finden Sie beim litauischen Finanzministerium unter www.finmin.lt (auch auf Englisch).

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Stellensuche

Sie können von Ihrem Schreibtisch in Deutschland aus mit der Suche nach Stellenangeboten beginnen: Die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit bietet Ihnen Zugang zu einer Vielzahl von Stellenangeboten (www.arbeitsagentur.de > JOBBÖRSE > Erweiterte Suche > Land ändern). Über die Auswahl „Sie suchen“ können Sie sowohl nach Arbeits- als auch nach Praktikumsstellen suchen. Stellen finden Sie auch auf dem EURES-Portal (http://ec.europa.eu/eures). Neben einer Vielzahl von Jobangeboten finden Sie hier ausführliche Informationen zum Arbeitsmarkt, zu den Freizügigkeitsregelungen und zum Thema Leben und Arbeiten. Einen Überblick über Stellen speziell für Wissenschaftler gibt das europäische Mobilitätsportal für Forscher (http://ec.europa.eu/euraxess).

Außerdem können Sie das Online-Angebot der litauischen Arbeitsverwaltung unter www.ldb.lt nutzen. Es verweist auch auf die Links der regionalen und kommunalen Arbeitsämter. Eine Vielzahl von Stellenangeboten bieten auch die litauischen Online-Jobbörsen www.cv.lt und www.naujasdarbas.lt. Auch auf den Websites von Unternehmen können Sie nach Stellenangeboten suchen.

In der Presse werden in den Stellenmärkten der großen Medien regelmäßig Stellenangebote veröffentlicht, etwa bei der Kauno Diena unter www.kaunodiena.lt oder der Nachrichtenagentur Elta unter www.elta.lt. Aber auch eine Initiativbewerbung kann zum Ziel führen. Adressen von Betrieben finden Sie in den Gelben Seiten unter www.visalietuva.lt.

Wer lieber vor Ort nach einer Beschäftigung suchen will, kann das Dienstleistungsangebot der lokalen Agenturen der litauischen Arbeitsverwaltung nutzen oder sich private Arbeitsvermittlungsagenturen wenden, wie zum Beispiel Excelsitas (www.excelsitas.com).

Stellensuche im Ausland während des Bezugs von Arbeitslosengeld?
Wenn Sie in Deutschland arbeitslos werden, Arbeitslosengeld beziehen und in einem anderen Mitgliedstaat der EU Arbeit suchen wollen, können Sie das deutsche Arbeitslosengeld für drei Monate dort weiter beziehen. Dieser Zeitraum kann im Einzelfall auf bis zu sechs Monate verlängert werden.

Sie müssen die Leistungsmitnahme frühzeitig vor Ihrer Ausreise zur Arbeitsuche beantragen. Ihre zuständige deutsche Agentur für Arbeit stellt Ihnen dann (wenn Sie die Voraussetzungen erfüllen) ein Dokument (Portable Document U2) für die Mitnahme Ihres deutschen Leistungsanspruchs zur Arbeitsuche aus.

Weitere Informationen zum Thema PD U2 finden Sie in unserer Broschüre Arbeitslosengeld und Auslandsbeschäftigung (Merkblatt 20 EU).

Für Drittstaatsangehörige gilt noch das Verfahren E 303 sowie der Inhalt der Broschüre Arbeitslosengeld und Auslandsbeschäftigung (Merkblatt 20 Drittstaatsangehörige - EWR - CH).

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Bewerbung

Sie möchten sich auf eine ausgeschriebene Stelle oder initiativ im Ausland bewerben? Ob Sie Fachkraft mit Berufsausbildung sind oder ein Bewerber mit akademischem Werdegang, die Herausforderung, vor der Sie stehen, ist zunächst dieselbe: Sie müssen die Bewerbung üblicherweise in der Landessprache oder auf Englisch verfassen. Achten Sie dabei auf Individualität; Serienbriefe, bei denen nur die Empfängeradresse ausgetauscht wird, führen kaum zum Erfolg. Versuchen Sie so viel wie möglich über die Firma zu erfahren, bei der Sie sich bewerben wollen. Selbst kleine Firmen präsentieren sich im Internet. Bei größeren Unternehmen können Sie zusätzlich Unterlagen bei der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit anfordern.

In der Regel können Sie sich auch online bewerben: mit einem E-Mail-Anschreiben mit Lebenslauf und, falls gefordert, weiteren Anhängen oder mit einer eigenen Bewerbungs-Website. Sie sollten sich in jedem Fall vorab erkundigen, ob diese Form der Bewerbung gewünscht ist, sofern dies nicht explizit in der Stellenausschreibung steht. Manche Unternehmen stellen auch Bewerbungsformulare online zur Verfügung.

Wie Sie sich im Ausland richtig bewerben und vorstellen, können Sie im Internet unter www.ba-auslandsvermittlung.de/bewerbung nachlesen. Die Vorlage für den Europass-Lebenslauf, der den Standards in den europäischen Ländern entspricht, können Sie unter www.europass-info.de herunterladen. Dort finden Sie auch ein Beispiel, wie das Dokument auszufüllen ist


"Online-Bewerbungen sind in Litauen durchaus üblich. Informationsquellen für Initiativbewerbungen können Stellenportale, Branchenverzeichnisse, die Internet-präsentationen größerer Firmen oder das Mitgliederverzeichnis der Deutsch-Baltischen Auslandshandelskammer sein. Für den persönlichen Kontakt sollte man möglichst einen längeren Aufenthalt in Litauen einplanen, Beziehern von Arbeitslosengeld I wird dies ermöglicht durch die Mitnahme des Leistungsanspruches für maximal drei Monate für die Arbeitsuche vor Ort. Dazu stellt die heimische Agentur für Arbeit das EU-Formular E 303 aus.“

Dr. Andreas Roger und Ramona Haase, ZAV-Auslandsvermittlung Rostock

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Anerkennung von Abschlüssen

Für die meisten Tätigkeiten ist es unerheblich, ob Ihr Ausbildungs- oder Studienabschluss bei den europäischen Nachbarn anerkannt ist. Nur bei Berufen, die eine staatliche Anerkennung voraussetzen – wie beispielsweise Arzt oder Lehrer –, sollte die Anerkennung geklärt sein, bevor Sie sich bewerben. Die Europäische Union hat für diese Berufe Richtlinien entwickelt, mit deren Hilfe die gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen geregelt wird.

In den meisten Fällen entscheidet der Arbeitgeber jedoch anhand Ihrer Bewerbungsunterlagen, ob Ihre Ausbildung und Qualifikation seinen Anforderungen entspricht. Sie sollten davon ausgehen, dass der Arbeitgeber, bei dem Sie sich bewerben, in der Regel nicht weiß, was sich hinter Ihrer deutschen Berufsausbildung und -bezeichnung genau verbirgt. Zeugniserklärungen, aber auch die Anerkennung von Abschlüssen können hilfreich sein.

Offizielle Übersetzungen der Ausbildungsprofile deutscher Ausbildungsberufe ins Englische und Französische sind auf www.bibb.de zu finden. Beim Bundesinstitut für Berufsbildung werden auch Zeugniserläuterungen für Ausbildungsberufe bereitgestellt. Die Europass-Zeugniserläuterung (www.europass-info.de) liefert eine Kurzbeschreibung der Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen, die durch die Berufsausbildung erworben werden. Das Dokument enthält auch Informationen zu Dauer, Art und Niveau der Ausbildung und zum Bildungsgang, auf dem ein Abschluss erreicht werden kann. Zudem gibt die Zeugniserläuterung Hinweise zu typischen Branchen und Tätigkeitsfeldern, für die diese Berufsausbildung qualifiziert, und zur Bewertungsskala der Benotung.

Adressen, Kontaktpersonen und weitere Informationen, die bei der Anerkennung von Abschlüssen wichtig sein können, finden Sie auf den Internetseiten http://ec.europa.eu/youreurope, www.anabin.de und www.enic-naric.net. Im Einzelfall hilft die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (www.kmk.org.)

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Arbeits- und Vertragsrecht

Der Arbeitsvertrag muss in Litauen schriftlich abgeschlossen werden. Generell sollten Sie darauf achten, dass er folgende Punkte enthält: Name und Anschrift der Vertragspartner, Art der Tätigkeit, Bezüge und Zulagen, Stellenbeschreibung und Arbeitszeit, Laufzeit des Vertrags, Kündigungsfristen und Termine, Jahresurlaub. Grundsätzlich dürfen die Bedingungen nicht ungünstiger sein als im Gesetz oder in Kollektivverträgen festgelegt.

Die Probezeit umfasst in der Regel höchstens drei Monate. Während dieser Zeit können beide Seiten mit einer Frist von drei Tagen kündigen. Danach beträgt die Kündigungsfrist für den Arbeitnehmer zwei Wochen (in Kollektivverträgen kann auch ein Monat festgelegt sein), für den Arbeitgeber zwei Monate. Minderjährigen Arbeitnehmern, Eltern von Kindern unter 14 Jahren oder Arbeitnehmern, die fünf Jahre vor Rentenbeginn stehen, darf nur mit einer Frist von vier Monaten gekündigt werden. Für Schwangere, Behinderte und Eltern von Kindern unter drei Jahren besteht ein allgemeiner Kündigungsschutz. Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Wenn dem Arbeitnehmer nicht wegen eigenen Verschuldens gekündigt wird, steht ihm eine Abfindung zu, die je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit zwischen einem und sechs Monatsgehältern liegt.

40 Stunden pro Woche beträgt die Regelarbeitszeit in Litauen; auch Fahrzeiten bei Dienstreisen und gesetzlich geregelte Arbeitspausen zählen dazu. Bis zu 8 Überstunden pro Woche sind zulässig. Man darf allerdings nicht mehr als 4 Überstunden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen leisten und höchstens 120 pro Jahr, außer wenn Tarifverträge etwas anderes vorsehen (höchstens jedoch 180 Überstunden im Jahr). Arbeitstage vor einem Feiertag sind eine Stunde kürzer als sonst. Für Überstunden und Nachtarbeit bekommt man mindestens 50 Prozent Zuschläge, für Feiertagsarbeit mindestens 100 Prozent oder einen freien Tag.

Beschäftigte haben einen gesetzlichen Anspruch auf 28 Kalendertage bezahlten Urlaub im Jahr (bei Minderjährigen, Behinderten und Alleinerziehenden von Kindern unter 14 sind es 35 Tage). Hinzu kommen 12 gesetzliche Feiertage. Bei Krankheit erhalten Beschäftigte in den ersten zwei Tagen mindestens 80 Prozent ihres Verdienstes vom Arbeitgeber, danach zahlt die Sozialversicherung 85 Prozent des Gehalts (mindestens 5,50 € und höchstens 95,50 € pro Werktag). Dazu muss man in den letzten zwei Jahren mindestens sechs Monate oder drei Monate im letzten Jahr in der Sozialversicherung gewesen sein.

"In Deutschland nimmt man vergleichsweise viel Rücksicht aufeinander. Litauen ist noch eher eine Ellenbogengesellschaft, und man muss bei Geschäften und Verträgen alles doppelt prüfen. Ich bin für einen litauischen Volleyballverein als Trainer hergekommen, doch die gemachten Zusagen wurden nicht eingehalten.“

Der Volleyballtrainer Manfred Steinbeißer wechselte in Vilnius in die Unternehmensberatung.


Wer arbeitslos wird und in den letzten drei Jahren mindestens anderthalb Jahre in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, bekommt sechs Monate lang Arbeitslosengeld (außer in der ersten Woche nach Arbeitslosmeldung). Das Arbeitslosengeld besteht aus dem aktuellen Sozialhilfesatz (etwa 50 bis 245 €) plus einem variablen Anteil, der etwa 40 Prozent des Einkommens aus den letzten drei Jahren beträgt. Insgesamt werden aber höchstens 70 Prozent des letzten Einkommens ausbezahlt.

Etwa ein Zehntel der litauischen Arbeitnehmer gehört nach offiziellen Schätzungen einer Gewerkschaft an. Probleme am Arbeitsplatz können Sie mit Ihrem Vorgesetzten, Betriebsräten oder Gewerkschaftsvertretern besprechen.

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Sozialversicherung

Im Bereich der sozialen Sicherheit haben sich die Staaten der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraumes auf bestimmte Regeln verständigt. Sie beziehen sich auf Leistungen der Krankenversicherung, der Rentenversicherung, der Arbeitslosenversicherung, der Unfallversicherung und Familienleistungen.

Die Vereinbarungen stellen sicher, dass kein Arbeitnehmer Nachteile erleidet, weil er im Laufe seines Erwerbslebens in mehreren Mitgliedstaaten erwerbstätig war: Kein Sozialversicherungsbeitrag soll verloren gehen, erworbene Rechte sollen geschützt werden, und jedes Land soll die Rente zahlen, die den dort verbrachten Versicherungszeiten entspricht. Weitere Informationen und nützliche Links zur sozialen Sicherheit in Europa finden Sie auf den Seiten der Europäischen Kommission unter http://ec.europa.eu/eulisses. Betreffend die Arbeitslosenversicherung finden Sie detaillierte Informationen auf der Homepage der Bundesagentur für Arbeit unter www.arbeitsagentur.de.

Wenn Sie einreisen ...
Gesetzlich Versicherte benötigen die Europäische Krankenversicherungskarte, um sich im Ausland medizinisch behandeln zu lassen. Die Karte ist in allen EUStaaten sowie in Norwegen, Island, Liechtenstein und in der Schweiz gültig. Wer privat versichert ist, sollte mit der Krankenkasse vor Reiseantritt eine private Auslandskrankenversicherung abschließen.

Wenn Sie arbeiten ...
Sobald Sie einen Arbeitsvertrag unterschreiben, unterliegen Sie dem jeweiligen nationalen Sozialversicherungssystem und den dazugehörigen Rechtsvorschriften. Grundsätzlich gilt, dass man immer in dem Land sozialversichert ist, in dem man eine Beschäftigung oder Erwerbstätigkeit ausübt (Beschäftigungs- oder Tätigkeitslandprinzip). Allerdings gibt es auch Ausnahmen. Arbeitnehmer, die von ihrem Arbeitgeber befristet in einen anderen Mitgliedstaat entsandt werden, um dort für das Unternehmen zu arbeiten, bleiben zunächst im Heimatland versicherungspflichtig. Darüber hinaus sind weitere Ausnahmegenehmigungen möglich.

Das Thema Sozialversicherung ist eine Sache für Experten. Für rechtsverbindliche Auskünfte sollten Sie sich daher an Ihre Krankenkasse und den für Sie zuständigen Rentenversicherungsträger wenden. Ausführliche Informationen und die Adressen von Beratungsstellen in Ihrer Nähe gibt es unter www.deutsche-rentenversicherung.de (> Beratung). Dort finden Sie auch Informationen über die Internationalen Beratungstage, die von der Deutschen Rentenversicherung angeboten werden. Auf diesen Veranstaltungen können Sie sich von Fachleuten ausländischer und deutscher Versicherungsträger kostenlos zu Fragen des grenzübergreifenden Rentenrechts beraten lassen.

Kurzer Blick auf das Sozialversicherungssystem

Eine einheitliche gesetzliche Pflichtversicherung gewährleistet im Grundsatz eine kostenlose Gesundheitsversorgung. Ausgenommen sind jedoch Zahnarztbesuche und – für die meisten Menschen – die Arzneimittelversorgung. Das Hausarztsystem ist zurzeit im Aufbau, das Krankenhaussystem wird umstrukturiert.

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Wenn die Kinder mitkommen...

Kinder ab dem Säuglingsalter können in Litauen einen Kindergarten oder Hort besuchen. Die Kosten liegen bei durchschnittlich 36 € im Monat. Eine Alternative sind private Tagesmütter. Kinder von fünf oder sechs Jahren haben einen Anspruch auf einen Vorschulplatz oder eine gleichwertige Betreuung. Einen deutsch-litauischen Kindergarten gibt es in Vilnius.

Kinder von 7 bis 16 Jahren sind schulpflichtig. In den ersten vier Klassen findet der Unterricht nur vormittags statt, in den höheren Klassen bis 13 oder 15 Uhr.

Zur Geburt eines Kindes erhält die Familie eine einmalige Geburtsbeihilfe von umgerechnet 300 €. Danach gibt es ein monatliches Kindergeld. Familien mit einem oder zwei Kindern bekommen für jedes Kind bis zum dritten Geburtstag etwa 28 € und danach bis zum neunten Geburtstag 15 € Kindergeld. Für Familien mit mehr Kindern gibt es für jedes Kind bis zum dritten Geburtstag 41 € und danach bis zum 18. Geburtstag 15 €. Arbeitnehmerinnen haben vor dem Entbindungstermin 70 Kalendertage Mutterschaftsurlaub, danach 56 Kalendertage. In dieser Zeit wird ihr volles Gehalt vom staatlichen Sozialversicherungsfonds bis zu einem Höchstbetrag von114 € pro Werktag weitergezahlt. Allerdings müssen sie in den vorangegangenen 12 Monaten mindestens 3 Monate oder in den 24 Monaten zuvor insgesamt 6 Monate versichert gewesen sein.

Zwischen dem Mutterschaftsurlaub und dem zweiten Geburtstag des Kindes kann ein Elternteil weiteren Urlaub nehmen. Im ersten Lebensjahr des Kindes gibt es Mutterschafts- oder Vaterschaftsgeld in Höhe von 100 Prozent des Einkommens, im zweiten Lebensjahr 85 Prozent. Wenn die Mutter kein Anrecht auf Gehaltsfortzahlung im Mutterschaftsurlaub hatte, kann sie stattdessen das Mutterschaftsgeld schon von der Entbindung an bekommen.

Weitere Details zur Berechnung und zu den Voraussetzungen finden Sie auf den Webseiten der litauischen Sozialversicherung, auch auf Englisch: www.sodra.lt (> Web Portal for the Insured > Allowances).

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Weiterbildung

In Zeiten schneller und tief greifender Veränderungen, die sich überall in unserer Arbeits- und Lebenswelt bemerkbar machen, erweitert lebenslanges Lernen die individuellen Selbstbestimmungsmöglichkeiten. Arbeitnehmer sichern so ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Weiterbildung wird zu einer Daueraufgabe. Zu den vielfältigen Möglichkeiten, die der Weiterbildungsmarkt in Deutschland bereithält, kommen die Angebote im europäischen Ausland.

Auf der Internetplattform www.mokykla.smm.lt können Sie sich über sämtliche Bildungsangebote in Litauen informieren, natürlich auch über Weiterbildungsmaßnahmen. Zurzeit sind dort mehrere Hundert Maßnahmen im Angebot, von Innenarchitektur bis Landwirtschaft, die zum Beispiel mit einem Qualified Worker's Diploma abgeschlossen werden können. Eine Liste der Mitglieder des Litauischen Erwachsenenbildungsverbandes finden Sie unter www.lssa.smm.lt . Weitere Informationen gibt es auch bei der litauischen Bildungsbehörde für den Arbeitsmarkt unter www.ldrmt.lt.

In Deutschland unterstützt Sie die Informations- und Beratungsstelle (IBS) im Hause von InWEnt (www.inwent.org ) in allen Fragen zur beruflichen Weiterbildung im Ausland. Telefonische Beratung erhalten Sie bei der IBS-Serviceline unter der Nummer 0228/44 60 11 23. Mit Hilfe der Programmdatenbank „Weiterbildung ohne Grenzen“ können Interessierte aber auch selbst gezielt nach Angeboten von deutschen und internationalen Veranstaltern suchen.

Weiterbildungsangebote im europäischen Ausland finden Sie auch in KURSNET, der Weiterbildungsdatenbank der Bundesagentur für Arbeit. Sie erreichen die Datenbank über www.kursnet.arbeitsagentur.de.

Wer eine Weiterbildung im Ausland macht, kann sich die Lernerfahrungen im Europass-Mobilitätsnachweis eintragen lassen. Der Europass dokumentiert die Inhalte, Ziele und die Dauer des Auslandsaufenthaltes. Weitere Informationen dazu finden Sie unter: www.europass-info.de.

 

Unsere Publikationen zum Them "Arbeiten in Litauen":

Pfeil Mobil in Europa - Litauen (Flyer 2 Seiten) (Icon für Downloaddatei pdf, 543 kB)

Pfeil www.sozialkompass.eu
Der Sozialkompass Europa ist eine interaktive Datenbank, mit der Sie gezielt Informationen über die sozialen Sicherungssysteme in der EU abrufen können. Die Informationen aus der Datenbank können vom Nutzer individuell zusammengestellt werden je nach den Themen und Ländern, die ihn im Vergleich interessieren.

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Foto einer Frau in einem Büro, die sich an Ihrem Bildschirmarbeitsplatz sitzend lächelnd zur Kamera umdreht
 
Holzfacharbeiter im Blaumann an der Schleifmaschine.
 
Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) - Info-Center der ZAV: 0228 / 713 13 13 - E-Mail: zav-auslandsvermittlung@arbeitsagentur.de