Studieren in Norwegen
Hochschullandschaft
„Bildung für alle“ ist das Leitmotiv der norwegischen Bildungspolitik. Im Studienjahr 2003/04 führte Norwegen die Qualitätsreform im Hochschulwesen ein. Die Notwendigkeit für eine Reform ergab sich aus der PISA-Studie, bei der Norwegen kaum besser als Deutschland abschnitt.
Das norwegische Hochschulsystem besteht aus einem universitären und einem nicht universitären Bereich. Knapp 120.000 Studierende sind an Universitäten eingeschrieben, 115.000 an weiteren Hochschulen. Universitärer Bereich (Universiteter): Das Ministerium für Bildung und Forschung (Kunnskapsdepartementet) ist für die nationale Bildungspolitik verantwortlich. Sie finden seine Website (und die Website aller Ministerien) auf der zentralen Seite der Regierung www.regjeringen.no („Departementene“). Norwegen hat sieben Universitäten. Die älteste und größte ist die Universität Oslo (Gründung 1837, knapp 30.000 Studierende). Hinzu kommen mehrere spezialisierte Universitätsinstitute und zwei Kunstakademien. Neben den staatlichen Einrichtungen gibt es auch einige privater Universitätsinstitute.
Nicht universitärer Bereich (Høgskoler): Es gibt 26 staatliche Hochschulen (Høgskoler). Sie bieten kurze und berufsbezogene Studiengänge an, zum Beispiel für den Bachelorabschluss in Ingenieurwesen, Krankenpflege oder Sozialarbeit. Daneben gibt es ein- bis fünfjährige Studiengänge, zum Beispiel für das Lehramt oder in Betriebswirtschaftslehre. Einige der Hochschulen bieten auch Master- und Promotionsstudiengänge an. Neben den staatlichen Hochschulen gibt es in Norwegen rund 20 private Hochschulen, die staatlich subventioniert werden.
Mehr zum Hochschulsystem erfahren Sie unter www.utdanning.no oder www.studyinnorway.no.
Fernstudium
Immer mehr Hochschulen nehmen virtuelle Kurse in ihr Studienprogramm auf. Informationen zum E-Learning und zum Studienprogramm norwegischer Hochschulen finden Sie unter www.norgesuniversitetet.no.
nach oben Druckversion
Informationen zum Studium
Das akademische Jahr gliedert sich in zwei Semester. Das Herbstsemester beginnt Mitte August und endet Mitte Dezember. Das Frühjahrssemester beginnt Mitte Januar und endet Mitte Juni. Die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen ist weitgehend abgeschlossen. Ausnahmen gelten für die Fächer Theologie, Human- und Veterinärmedizin, Psychologie (Studiendauer: mindestens sechs Jahre) und für Fächer wie Pharmazie, Recht, Zahnmedizin, Volkswirtschaft und die staatlich geregelten Lehramtsstudiengänge (fünf Jahre).
Høgskolekandidat:
Der erfolgreiche Abschluss eines zweijährigen Studiums an einer staatlichen „Høgskole“ oder an einer privaten Lehreinrichtung im außeruniversitären Bereich führt zum Abschluss „Høgskolekandidat“. Bachelor: Das Bachelorstudium dauert in der Regel drei Jahre. Der Bachelorgrad kann an allen staatlichen und privaten Lehreinrichtungen im universitären und außeruniversitären Bereich erworben werden.
Master:
Das Masterstudium kann an allen staatlichen Universitäten, an einigen staatlichen Høgskoler und privaten Lehreinrichtungen absolviert werden. Es setzt den Bachelorabschluss voraus. Die Studiendauer beträgt zwei Jahre.
PhD:
Das Promotionsstudium baut auf dem Masterstudium auf. Es wird von allen staatlichen Universitäten, einigen staatlichen Høgskoler und einigen wenigen privaten Lehreinrichtungen angeboten. Für den Abschluss müssen die Doktoranden eine Dissertation verfassen und öffentlich verteidigen.
nach oben Druckversion
Studiengebühren
Die staatlichen Lehreinrichtungen im universitären und nicht universitären Bereich verlangen keine Studiengebühren. Es sind lediglich Einschreibgebühren von etwa 40 bis 80 € und ein Semesterbeitrag fürs Studentenwerk von etwa 30 bis 78 € zu zahlen. Die Studiengebühren der privaten Institutionen erfragen Sie am besten bei der jeweiligen Zielhochschule.
nach oben Druckversion
Zulassung und Bewerbung
Voraussetzung für ein Studium an einer norwegischen Lehreinrichtung auf Hochschulniveau ist der norwegische Sekundarschulabschluss II oder ein Äquivalent (zum Beispiel das deutsche Abitur). Ein genereller Numerus clausus besteht nicht, doch gibt es für einige Studiengänge Zugangsbeschränkungen (zum Beispiel Medizin und Zahnmedizin). Die Studienplätze an 47 Hochschulen werden über eine zentrale Koordinierungsstelle vergeben, bei der man sich auf der Plattform www.samordnaopptak.no bewerben kann. Einzelheiten zu den Zugangsbestimmungen und Bewerbungsmodalitäten können aber auch bei der jeweiligen Lehreinrichtung erfragt werden.
Unterrichtssprache ist Norwegisch. Ausländische Studierende, die keine ausreichenden Norwegischkenntnisse nachweisen können, müssen ein vorbereitendes Studium der norwegischen Sprache absolvieren, bevor sie ihr Fachstudium aufnehmen können. Das Sprachstudium beinhaltet neben den Sprachkursen auch Kurse zu Leben und Gesellschaft in Norwegen und dauert zwei Semester. Neben Norwegischkenntnissen werden allen Studierenden gute Englischkenntnisse abverlangt. Studierende, deren Muttersprache nicht Englisch ist, müssen einen Nachweis über ihre Englischkenntnisse beibringen.
nach oben Druckversion
Finanzierung
Deutsche, die ihr Studium ganz oder teilweise im Ausland absolvieren möchten, können nach dem neuen Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) leichter gefördert werden. Unter www.das-neue-bafoeg.de erfahren Sie mehr darüber. Auf der Internetseite finden Sie auch ein nach Ländern gegliedertes Verzeichnis der Ämter für Ausbildungsförderung.
Das europäische Bildungsprogramm Erasmus fördert Studienaufenthalte im europäischen Ausland. Im Rahmen dieses Bildungsprogramms können Studierende für die Dauer von drei Monaten bis zu einem vollen Studienjahr im Ausland verbringen. Das Stipendium ist eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung eines Auslandsstudiums. Hier ist der DAAD die erste Adresse (http://eu.daad.de).
nach oben Druckversion
Teil- oder Vollstudium?
Wenn Sie ein oder zwei Semester im Ausland studieren möchten, sollten Sie dies erst nach dem Grundstudium tun. Für die Zeit des Auslandsstudiums lassen Sie sich am besten beurlauben. Es besteht zwar auch die Möglichkeit der Exmatrikulation für diesen Zeitraum, doch ist dies nicht ratsam, weil Sie dadurch möglicherweise Ihren Studienplatz gefährden. Auch die Zugehörigkeit zur Krankenversicherung könnte verloren gehen.
In jedem Fall empfiehlt es sich, vorab beim Studentensekretariat und bei der Krankenversicherung genaue Informationen einzuholen. Das Akademische Auslandsamt Ihrer Heimatuniversität hilft bei allen Fragen zum Auslandsstudium. Die Adressliste aller Auslandsämter finden Sie unter www.hochschulkompass.de. Unter http://eu-community.daad.de informiert der DAAD über den Studienalltag und die kulturellen Besonderheiten in den europäischen Ländern. Dort finden Sie auch Berichte von Studierenden über ihre Erfahrungen im Ausland.
Ein Vollstudium im Ausland ist nur dann empfehlenswert, wenn Sie tatsächlich Ihr Studium dort abschließen. Bei einer späteren Arbeitsaufnahme in Deutschland könnten sich hinsichtlich der Anerkennung von Abschlüssen und der Zulassung zu manchen Berufen Schwierigkeiten ergeben – etwa bei Tätigkeiten im öffentlichen Bereich. Auskunft erteilen Hochschullehrer, die fachliche Kontakte zu Hochschulen im Ausland unterhalten.
Die Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen, die im Ausland erbracht wurden, ist nicht einheitlich geregelt. Dies liegt an der föderalen Struktur des deutschen Bildungssystems und an der Autonomie deutscher Hochschulen. Wichtig ist, alle Fragen vor Beginn des Auslandsstudiums zu klären. Auf diese Weise ersparen Sie sich hinterher böse Überraschungen. Das Informationssystem anabin informiert über das Niveau ausländischer Hochschulabschlüsse im Vergleich zu denen in Deutschland (www.anabin.de).
nach oben Druckversion
Nach dem Studium
Berufseinstieg für Hochschulabsolventen
Auch Akademikerinnen und Akademiker haben in Norwegen unter der aktuellen Wirtschaftskrise gelitten. Ihre Arbeitslosenquote ist im Vergleich zu den Vorjahren um ein Fünftel gestiegen. Dennoch standen sie mit einer Arbeitslosenquote von 1,3 Prozent im April 2010 immer noch besser da als der Durchschnitt der norwegischen Bevölkerung. Bis 2025 rechnen Experten mit einer stark wachsenden Nachfrage nach Hochschulabsolventen, vor allem aus den Bereichen Wirtschaft, Verwaltung und Recht, Bildung, Naturwissenschaften und Gesundheit. Nur bei Sozialarbeitern und verwandten Berufen wird auf längere Sicht ein leichtes Überangebot an Arbeitskräften erwartet.
Wer gerade erst sein Studium abgeschlossen hat, kann sich gute Chancen ausrechnen. Ende 2009 fanden 89 Prozent aller Absolventinnen und Absolventen spätestens ein halbes Jahr nach Studienende eine Beschäftigung. Dies sind deutlich mehr als in den Jahren 2001 bis 2005. Fast die Hälfte von ihnen hatte eine feste Vollzeitstelle, die ihren Qualifikationen entsprach; ein gutes Fünftel hatte eine qualifizierte, aber befristete Beschäftigung. Ein Zehntel war in Teilzeit beschäftigt. Ein Studium der Pädagogik führt immer noch recht schnell zum Ziel. Nur 7 Prozent der Absolventen hatten nach einem halben Jahr noch keine passende Vollzeitbeschäftigung. Eine Ausnahme sind Lehrkräfte für die Primarstufe, von denen rund 20 Prozent in Teilzeit arbeiteten.
Aufgrund des vermehrten Ausscheidens älterer Lehrkräfte werden im ganzen Land Lehrerinnen und Lehrer für die Sekundarstufen I und II sowie Absolventinnen und Absolventen der Erziehungswissenschaften und Sozialpädagogik für staatliche und kommunale Einrichtungen gesucht. Unter den Absolventen aus den Bereichen Gesundheit, Soziales oder Sport kamen nur 13,4 Prozent nicht in den ersten sechs Monaten zur passenden Vollzeitstelle. Auch Psychologen und Volkswirte hatten sehr gute Aussichten auf eine passende Stelle – nur 10 bzw. 15 Prozent waren ein halbes Jahr nach Studienende arbeitslos oder hatten eine Arbeitsstelle, die nicht ihren Qualifikationen entsprach.
Mit einem Studium der Natur- oder Ingenieurwissenschaften hatte man ebenfalls bessere Chancen als die meisten Akademiker, auch wenn sich die Lage gegenüber 2008 verschlechterte. Von den frischgebackenen Absolventen des Jahres 2009 fanden 8,4 Prozent im ersten halben Jahr keine Stelle, gut 6 Prozent mussten einen Teilzeitjob oder einen fachlich unpassenden Job akzeptieren. Schwer hatten es lediglich Biologen, von denen 30 Prozent keine passende Vollzeitstelle fanden. Unter den IT-Experten fanden 10 Prozent nicht gleich den Traumjob. Ingenieure und Informatiker waren vom Anstieg der Arbeitslosigkeit im letzten Jahr prozentual besonders stark betroffen. Doch im Juli 2010 verbesserte sich ihre Lage wieder – es gab ein gutes Drittel mehr offenen Stellen.
Geisteswissenschaftler haben unter den norwegischen Akademikern die größten Schwierigkeiten, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen: 2009 waren 6,6 Prozent der Absolventen ein halbes Jahr nach Studienende arbeitslos, knapp 9 Prozent hatten nur einen Teilzeitjob und gut 12 Prozent einen Job, der nicht zu ihren Qualifikationen passte. Von denjenigen, die Sozialanthropologie studiert hatten, fanden sogar weniger als ein Drittel eine Stelle, die gut zu ihren Qualifikationen passte. Auch Medienwissenschaftler, Geografen, Historiker und Philosophen hatten es besonders schwer, im Traumberuf einzusteigen.
Auch mit einem Abschluss in Agrarwissenschaften, Fischerei und verwandten Fächern liegt das Risiko vergleichsweise hoch, keine qualifizierte Vollzeitstelle zu bekommen – so erging es 2009 gut einem Viertel der Absolventen.Forschung
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung informiert auf seinem Portal www.internationale-kooperation.de über Forschungsprogramme und -initiativen. Zu den wichtigsten zählen hierbei das Nato-Wissenschaftsprogramm „Science for Peace and Security“ (www.nato.int) und die europäische Forschungsinitiative „EUREKA“ (www.eureka.be). Über Stipendien, Arbeits- und Forschungsmöglichkeiten für Forscher und Wissenschaftler informiert http://ec.europa.eu/euraxess. Von dieser Webseite aus sind die nationalen Mobilitätsportale mit ihrem Beratungs- und Informationsagebot für Wissenschaftler zu erreichen. Der EU-Dienst „Cordis“ (http://cordis.europa.eu) bietet Hunderte von freien Doktoranden- und Postdoktorandenstellen vieler Fachrichtungen in Europa an.
Nützliche Links:
www.daad.de
Das Online-Portal des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes informiert über das Bildungs- und Hochschulwesen in vielen verschiedenen Ländern, gibt Hinweise auf Studien-, Austausch- und Praktikumsmöglichkeiten und bietet eine Reihe von weiterführenden Links.
www.studieren-in-norwegen.de
Das Online-Portal informiert über das Studium in Norwegen. Die einzelnen Themen sind übersichtlich gegliedert: Allgemeines, Finanzierung, Bewerbung und Studiengänge. Erfahrungsberichte und Frequently Asked Questions runden das Informationsangebot ab.
nach oben Druckversion
|
|