Studieren in Polen
Hochschullandschaft
Nach dem Ende des Sozialismus 1989 reformierte Polen sein Bildungswesen. Seit 1990 haben die Hochschulen ihre Selbstverwaltungsrechte zurückbekommen. Heute sind sie relativ unabhängig vom Staat, besitzen institutionelle Autonomie und akademische Freiheiten. Seit 2006 liegen die staatlich finanzierten akademischen Einrichtungen in der Verantwortung des Ministeriums für Wissenschaft und Hochschulwesen. Dazu gehören 18 Universitäten, 22 Technische Hochschulen, 5 Wirtschaftsuniversitäten, 9 Medizinische Hochschulen und 21 Hochschulen für Kunst, Theater und Musik. Daneben gibt es rund 300 private Hochschulen.
Weitere Informationen zum Thema „Studieren in Polen“ erhalten Sie auf der Homepage des Ministeriums für Wissenschaft und Hochschulwesen (www.eng.nauka.gov.pl). Dort gibt es auch eine Adressliste aller Hochschulen mit weiterführenden Links. Hilfreich sind auch die Informationen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (www.daad.de).
Universitäten
Die staatlichen Universitäten bieten geistes-, sozial-, wirtschafts-, natur-, medizin-, erziehungs- und militärwissenschaftliche Fächer an. Die meisten privaten Universitäten haben ihren Schwerpunkt dagegen im Bereich Wirtschaftswissenschaften. Die Jagellionen-Universität in Krakau wurde bereits im Jahr 1364 gegründet; sie ist die zweitälteste Universität Mitteleuropas und war lange Zeit die einzige in Polen.
Fachhochschulen
1997 wurden staatliche und private Fachhochschulen als zweite Säule des Hochschulwesens eingeführt. Mehr Informationen dazu erhalten Sie unter www.eng.nauka.gov.pl.
Fernstudium
Fast alle Hochschulen bieten Fernstudiengänge an. Sie sind sehr beliebt: Rund die Hälfte aller Studierenden in Polen nutzen das Angebot. Viele Fernstudiengänge setzen voraus, dass man am Wochenende in den Hochschulen anwesend ist. Auf dem Baltic Sea Virtual Campus (www.bsvc.org), an dem sich 13 Partneruniversitäten beteiligen, können Studierende seit 2004 ein multilaterales Fernstudium im Ostseeraum absolvieren. Neben den deutschen Hochschulen FH Lübeck, HAW Hamburg und FH Kiel nehmen unter anderem die Universität Danzig und die West-Pommeranian Business School in Stettin teil.
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Informationen zum Studium
Das akademische Jahr gliedert sich in zwei Semester: Das Wintersemester beginnt Anfang Oktober und endet Mitte Februar. Das Sommersemester beginnt am 16. Februar und endet im September. Jede Hochschule kann jedoch eigene Termine für Beginn und Ende der Semester setzen – erkundigen Sie sich daher rechtzeitig. Das Studium ist straff organisiert und relativ verschult.
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Studiengebühren
Früher haben polnische Hochschulen von ausländischen Studierenden, die sich außerhalb offizieller Austausch- und Stipendienprogramme bewarben, Studiengebühren verlangt. Seit 2004 sind ausländische EU-Bürger in der Regel von Studiengebühren befreit, da sie wie polnische Staatsbürger zu behandeln sind. Sie bezahlen lediglich eine einmalige Einschreibungsgebühr von circa 170 €.
Allerdings werden an Privathochschulen und für die Teilnahme an fremdsprachigen Studiengängen Gebühren erhoben; sie liegen an staatlichen Hochschulen zwischen 2.000 € und 3.000 € pro Studienjahr. Die Höhe der Gebühren privater Hochschulen können deutlich höher ausfallen – falls Sie sich dafür interessieren, erkundigen Sie sich an der Hochschule. Weitere Informationen über die Gebühren an staatlichen Hochschulen und über Fördermöglichkeiten erhalten Sie unter www.eng.nauka.gov.pl (> Studying in Poland: How much it costs) und unter www.daad.de.
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Zulassung und Bewerbung
Voraussetzung für ein Studium in Polen ist, dass Sie die Hochschulzugangsberechtigung Świadecłwo dojrzałości oder ein Äquivalent besitzen. Für Inhaber der allgemeinen und der fachgebundenen Hochschulreife gelten die gleichen Regelungen wie in Deutschland. In Polen gibt es keinen Numerus clausus. Übersteigt jedoch die Nachfrage in bestimmten Fächern die Kapazität der gewünschten Hochschule, wird dem Bewerber in der Regel eine andere Hochschule vorgeschlagen. Für manche Studiengänge muss man eine Aufnahmeprüfung bestehen. Die Kunsthochschulen verlangen wie in Deutschland Arbeitsproben, um die Eignung des Bewerbers zu überprüfen. Studierende, die nicht im Rahmen eines organisierten Austauschprogramms (DAAD, Erasmus) nach Polen gehen, müssen sich innerhalb der Bewerbungsfrist direkt bei der Hochschule bewerben, an der sie studieren möchten. An jeder polnischen Hochschule gibt es ein Ausländerausbildungsbüro, das ausländische Studierende betreut – die Kontaktdaten erhalten Sie auf den Homepages der Hochschulen.
Unterrichtssprache ist in der Regel Polnisch, daher sind ausreichende Polnischkenntnisse unverzichtbar. Ein Sprachtest wird nicht verlangt. Es gibt die Möglichkeit, in einem einjährigen Vorstudienlehrgang Polnisch zu lernen. Im Zuge der Internationalisierung bieten einige polnische Hochschulen komplette Studiengänge in Englisch, Deutsch oder Französisch an. Mehr Informationen darüber gibt es unter www.eng.nauka.gov.pl > Higher Education > Studies in foreign languages.
Das IHI (Internationales Hochschulinstitut Zittau) bietet in Zusammenarbeit mit deutschen, tschechischen und polnischen Hochschulen Studiengänge für Betriebswirtschaftslehre, Sozialwissenschaften, Umwelttechnik und Wirtschaftsingenieurwesen m Hauptstudium an. Die Studierenden kommen zu je einem Drittel aus Deutschland, der Tschechischen Republik und Polen. Unterrichtssprache ist Deutsch. Mehr Informationen unter www.ihi-zittau.de.
Die Neisse University bietet ein trinationales Studium im Fach Informations- und Kommunikationsmanagement an. Die Studierenden verbringen je ein Jahr ihres Studiums an den drei beteiligten Hochschulen in Deutschland, Polen und Tschechien. Unterrichtet wird in englischer Sprache. Vor Studienbeginn ist ein zehnwöchiger Englischkurs zu absolvieren. Mehr Informationen erhalten Sie unter www.neisse-uni.org.
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Finanzierung
Deutsche, die ihr Studium ganz oder teilweise im Ausland absolvieren möchten, können nach dem neuen Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) leichter gefördert werden. Unter www.das-neue-bafoeg.de erfahren Sie mehr darüber. Auf der Internetseite finden Sie auch ein nach Ländern gegliedertes Verzeichnis der Ämter für Ausbildungsförderung.
Das europäische Bildungsprogramm Erasmus fördert Studienaufenthalte im europäischen Ausland. Im Rahmen dieses Bildungsprogramms können Studierende für die Dauer von drei Monaten bis zu einem vollen Studienjahr im Ausland verbringen. Das Stipendium ist eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung eines Auslandsstudiums. Hier ist der DAAD die erste Adresse (http://eu.daad.de).
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Teil- oder Vollstudium?
Wenn Sie ein oder zwei Semester im Ausland studieren möchten, sollten Sie dies erst nach dem Grundstudium tun. Für die Zeit des Auslandsstudiums lassen Sie sich am besten beurlauben. Es besteht zwar auch die Möglichkeit der Exmatrikulation für diesen Zeitraum, doch ist dies nicht ratsam, weil Sie dadurch möglicherweise Ihren Studienplatz gefährden. Auch die Zugehörigkeit zur Krankenversicherung könnte verloren gehen.
In jedem Fall empfiehlt es sich, vorab beim Studentensekretariat und bei der Krankenversicherung genaue Informationen einzuholen. Das Akademische Auslandsamt Ihrer Heimatuniversität hilft bei allen Fragen zum Auslandsstudium. Die Adressliste aller Auslandsämter finden Sie unter www.hochschulkompass.de. Unter http://eu-community.daad.de informiert der DAAD über den Studienalltag und die kulturellen Besonderheiten in den europäischen Ländern. Dort finden Sie auch Berichte von Studierenden über ihre Erfahrungen im Ausland.
Ein Vollstudium im Ausland ist nur dann empfehlenswert, wenn Sie tatsächlich Ihr Studium dort abschließen. Bei einer späteren Arbeitsaufnahme in Deutschland könnten sich hinsichtlich der Anerkennung von Abschlüssen und der Zulassung zu manchen Berufen Schwierigkeiten ergeben – etwa bei Tätigkeiten im öffentlichen Bereich. Auskunft erteilen Hochschullehrer, die fachliche Kontakte zu Hochschulen im Ausland unterhalten.
Die Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen, die im Ausland erbracht wurden, ist nicht einheitlich geregelt. Dies liegt an der föderalen Struktur des deutschen Bildungssystems und an der Autonomie deutscher Hochschulen. Wichtig ist, alle Fragen vor Beginn des Auslandsstudiums zu klären. Auf diese Weise ersparen Sie sich hinterher böse Überraschungen. Das Informationssystem anabin informiert über das Niveau ausländischer Hochschulabschlüsse im Vergleich zu denen in Deutschland (www.anabin.de).
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Nach dem Studium
Berufseinstieg für Hochschulabsolventinnen und -absolventen
Die Lage am Arbeitsmarkt
Die Arbeitslosenzahl hat sich in Polen in den vergangenen Jahren mehr als halbiert. Im April 2008 betrug sie 7,7 Prozent (2004: 19 Prozent, Quelle: Eurostat) . Beigetragen haben zur Entspannung am Arbeitsmarkt vor allem das starke Wirtschaftswachstum seit dem EU-Beitritt im Jahr 2004 und die starke Emigration vor allem junger Polen ins Vereinigte Königreich, nach Irland und in andere EU-Staaten. Auch für die folgenden Jahre sind die Aussichten günstig. Manche Regionen, vor allem die großen Ballungsgebiete wie Warschau, Oberschlesien (Katowice) und Poznan, verzeichnen Arbeitslosenquoten von unter 4 Prozent (Dezember 2007).
Aussichten für Hochschulabsolventen
Akademikerinnen und Akademiker haben in Polen relativ gute Aussichten, eine Beschäftigung zu finden – jedoch nicht in allen Branchen. Die Zahl der Arbeitslosen mit einer Hochschulausbildung ist zwar in den vergangenen vier Jahren gestiegen, jedoch vor allem aufgrund einer zugleich stark gestiegenen Zahl an Hochschulabsolventinnen und -absolventen. Im Jahr 2003 hatten 4,4 Prozent aller Arbeitslosen einen Hochschulabschluss, im Jahr 2007 waren es bereits 6,9 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg die Quote der Erwerbstätigen mit Hochschulabschluss von 15,8 Prozent (2003) auf rund 21 Prozent (2007). Die Unternehmen suchen vor allem Absolventinnen und Absolventen mit praktischen Erfahrungen, Fremdsprachenkenntnissen, Kooperations- und Teamfähigkeit. Hochschulnoten sind den befragten Unternehmen relativ unwichtig .
Nachfrage nach Ingenieuren und Informatikern
Knapp zwei Drittel der Industrie- und Dienstleistungsunternehmen haben Schwierigkeiten, Stellen mit Ingenieurinnen und Ingenieuren zu besetzen, vor allem in den Bereichen Maschinenbau, Bau, Elektro und Umweltschutz. Für den Bau und im Umweltschutz werden im Jahr 2009 voraussichtlich fast 8.000 Ingenieurinnen und Ingenieure gesucht. Vor allem die Baubranche ist ein Wachstumsmotor in Polen, im Jahr 2007 kam es hier zu einem Beschäftigungswachstum von 9,1 Prozent. Recht gute Aussichten auf eine Beschäftigung haben auch Informatiker, Bergbauingenieure, Nahrungsmittelingenieure und Elektroingenieure.
Grund für den Mangel an Hochqualifizierten mit technischer Ausbildung ist die Tatsache, dass in Polen zwar überdurchschnittlich viele junge Menschen studieren, die technischen Studiengänge bislang jedoch noch nicht so begehrt sind – die Tendenz ist aber steigend. Zudem mangelt es der Universitätsausbildung im technischen Bereich an Praxisbezug und Möglichkeiten, in Unternehmen Praktika zu absolvieren.
Überaus populär sind bei Studierenden Fachrichtungen wie Wirtschaftswissenschaften, Pädagogik, Marketing und Management, PR, Psychologie und Fremdsprachen. Allerdings sind die Aussichten, eine adäquate Beschäftigung zu finden, eher schlecht.
Forschung
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung informiert auf seinem Portal www.internationale-kooperation.de über Forschungsprogramme und -initiativen. Zu den wichtigsten zählen hierbei das Nato-Wissenschaftsprogramm „Science for Peace and Security“ (www.nato.int) und die europäische Forschungsinitiative „EUREKA“ (www.eureka.be). Über Stipendien, Arbeits- und Forschungsmöglichkeiten für Forscher und Wissenschaftler informiert http://ec.europa.eu/euraxess. Von dieser Webseite aus sind die nationalen Mobilitätsportale mit ihrem Beratungs- und Informationsagebot für Wissenschaftler zu erreichen. Der EU-Dienst „Cordis“ (http://cordis.europa.eu) bietet Hunderte von freien Doktoranden- und Postdoktorandenstellen vieler Fachrichtungen in Europa an.
Das Programm "MORE" (Mobility for Young Researchers in Central and Eastern Europe) hat sich die wechselseitige Mobilität junger Wissenschaftler aus Deutschland sowie Mittel- und Osteuropa auf die Fahnen geschrieben und berät als Koordinierungsstelle interessierte Nachwuchswissenschaftler (www.kowi.de).
Weiterführende Informationen finden Sie unter www.daad.de und unter www.buwiwn.edu.pl.
Nützliche Links:
www.daad.de
Das Online-Portal des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes informiert über das Bildungs- und Hochschulwesen in Polen und gibt Hinweise auf Studien-, Austausch- und Praktikumsmöglichkeiten sowie auf weiterführende Links.
www.buwiwm.edu.pl
Das zweisprachige Online-Portal informiert über das polnische Schul- und Studiensystem sowie über die Anerkennung von akademischen Qualifikationen und Abschlüssen.
www.studieren-in-polen.de
Das Online-Portal informiert über das Studium in Polen. Die einzelnen Themen sind übersichtlich gegliedert: Allgemeines, Finanzierung, Bewerbung und Studiengänge. Erfahrungsberichte und Frequently Asked Questions runden das Informationsangebot ab.
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