Spanien: Land und Leute
Land & Leute
Einem Spanier kann man keine größere Schmach antun, als ihn mit einem Landsmann aus einer anderen Provinz oder der Nachbarstadt in einen Topf zu werfen. Die Bewohner des Königreichs empfinden sich nämlich als Kastilianer, Basken, Andalusier, Katalanen, Galicier, Levantiner oder Mallorquiner. Sie sprechen das kastilische Spanisch („Castellano“), Baskisch, Galicisch, Katalanisch oder Mallorquinisch. Ihre Heimat ist Valencia, Toledo, Sevilla, Zaragoza, Madrid, Barcelona oder Palma de Mallorca. Spanier sind sie erst in zweiter Hinsicht.
Kulturelle Vielfalt wird im Reino de España großgeschrieben. Das war nicht immer so, jedenfalls nicht mit Billigung des Staates. Das Franco-Regime setzte strikt auf Zentralismus. Allein das kastilische Spanisch war als Amtssprache zugelassen. Seit dem Ende der Diktatur gedeihen die regionalen Eigenarten. Castellano ist auch heute noch amtlich anerkannt, doch das offizielle Siegel tragen auch Català, Baskisch und Galego, die Sprache der Galicier. Auf halboffizielle Sprachvarianten trifft man in Valencia und in der Extremadura.
Spanien nimmt rund sechs Siebtel der Iberischen Halbinsel ein. Zum Staatsgebiet gehören auch die Balearen, die Kanaren und die Städte Ceuta und Melilla an der marokkanischen Mittelmeerküste. Von der trennt das andalusische Tarifa an der Costa de la Luz nur die Straße von Gibraltar: Bis Afrika sind es dort gerade mal 14 Kilometer.
Das Klima in Spanien ist alles andere als einheitlich. Es ist mediterran auf den Balearen sowie im Süden und Osten der Halbinsel. Die Kanaren sind subtropisch. Im Nordwesten regnet es das ganze Jahr ergiebig, denn dort bestimmt der Atlantik die Wetterlage. Im Landesinnern kann es brütend heiß und extrem trocken sein. In den Zentralpyrenäen hält sich der Schnee oft bis in den Mai hinein. Seit den Alpinen Skiweltmeisterschaften 1996 findet die Sierra Nevada im Süden des Landes auch international große Beachtung als Wintersportgebiet.
Das Königreich ist größer als Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen, hat aber nur etwa halb so viele Einwohner. Von den rund 46 Millionen Spaniern sind etwa elf Prozent Ausländer; die Hälfte kommt aus anderen EU-Staaten – vor allem aus Rumänien und Bulgarien.
"Persönliche Kontakte sind in Spanien sehr wichtig – ‚Enchufe‘ bedeutet ‚Vitamin B‘. Eine günstige Wohnung etwa findet man meist über Beziehungen. Internet-Netzwerke wie Xing sind erst seit Kurzem im Kommen. Ansonsten sollte man versuchen, an möglichst vielen Festivitäten oder spontanen Zusammenkünften – z. B. Afterwork-Partys – teilzunehmen. Hier im Süden sind die Menschen sehr herzlich, Freundschaften entwickeln sich schnell.“
Klaus Baumann lebt seit zwei Jahren zusammen mit seiner Familie in Sevilla.
Über Jahrhunderte hinweg galt Spanien als Bollwerk der römisch-katholischen Kirche. Offiziell bekennen sich auch heute noch rund 96 Prozent der Spanier zu dieser Konfession, doch nur jeder Dritte bezeichnet sich als ausübender Katholik. Es gibt in Spanien kein Gesetz, das den Kirchenaustritt regelt, und die Erzbistümer weigern sich erfolgreich, einzelne Mitglieder aus ihren Listen zu streichen. Immerhin können die Bürger frei entscheiden, ob ein halbes Prozent ihrer Lohn- oder Einkommensteuer der Kirche oder anderen sozialen oder kulturellen Zwecken zukommen soll.
Weitere Informationen über Spanien finden sie unter http://ec.europa.eu, www.auswärtiges-amt.de und www.spain.info.
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Blick in die Wirtschaft
Die globale Finanzkrise und der weltweite Abschwung haben die spanische Wirtschaft besonders stark getroffen. Experten erwarten, dass das reale Bruttoinlandsprodukt in 2009 um bis zu ein Prozent abnehmen wird. Zahlreiche Firmen müssen schließen, die Arbeitslosigkeit steigt, und das Staatsdefizit nimmt besorgniserregende Ausmaße an. Mit einer Erholung ist nicht vor 2010 zu rechnen.
Der wirtschaftliche Abschwung beendet die expansive Wirtschaftsphase, die Spanien während der vergangenen zwölf Jahre erlebte: Während dieser Zeit war das reale BIP jährlich um rund vier Prozent gestiegen. Grundlagen des Booms waren vor allem der private Wohnungsbau und der private Konsum, die beide zum großen Teil kreditfinanziert waren. Die spekulativ angeheizte Immobilienblase platzte in 2008 und hinterließ rund ein Million unverkaufter Wohnungen und Häuser.
Die wichtigsten Wirtschaftszweige Spaniens sind der Tourismus, die Kommunikations- und Informatikbranche, die Metall verarbeitende Industrie (einschließlich Kraftfahrzeugsektor und Schiffsbau), der Maschinenbau, die Landwirtschaft (einschließlich Ernährungswirtschaft und Fischerei) sowie petrochemische Erzeugnisse. Der Sektor der nachhaltigen Energien wird künftig an Bedeutung gewinnen.
Spanien ist einer der weltweit größten Weinproduzenten und verfügt zudem über ausgedehnte Zitrus- und Olivenhaine sowie Korkeichenwälder. Hinzu kommen beträchtliche Mineralienvorkommen. Zu den wichtigsten Produkten der spanischen Industrie gehören Stoffe, Eisen und Stahl, Fahrzeuge, Kleidung und Schuhe, Schiffe und raffiniertes Erdöl. Zu den traditionellen Industriezentren Katalonien und Baskenland kamen in den 90er-Jahren Valencia, Madrid und Navarra hinzu.
Weitere Informationen zu Spanien finden Sie unter www.spain.info sowie unter www.auswaertiges-amt.de.
Interessante Links:
www.auswaertiges-amt.de
Das Auswärtige Amt informiert auf seinem Online-Portal unter dem Stichwort "Länderinformationen" über europäische und außereuropäische Länder. Die Themen: Politik, Wirtschaft, Kultur, Stand der bilateralen Beziehungen und Einreisebestimmungen des jeweiligen Ziellandes sowie Reise-, Sicherheits- und Gesundheitshinweise.
www.spain.info
Das offizielle Online-Portal für den Tourismus in Spanien informiert über Land und Leute, gibt Tipps und nützliche Hinweise hinsichtlich der Reisevorbereitung. Darüber hinaus wird auf weiterführende Links zu anderen wichtigen Organisationen hingewiesen.
www.ec.europa.eu
Übersicht über die verschiedenen Regional- und Minderheitensprachen, die in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union gesprochen werden. Die Website bietet Informationen zur Geschichte der Region sowie zur Entwicklung und Verbreitung von Regional- und Minderheitensprachen.
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