Ungarn: Land und Leute
Land & Leute
„Fährt man von Osten in Richtung Westeuropa, spürt man einen Hauch des Westens zum ersten Mal in Budapest. Reist man jedoch von Westen nach Osteuropa, spürt man hier zum ersten Mal den Hauch des Ostens.“ Das schrieb der passionierte Globetrotter Robert Edwin Peary vor hundert Jahren. Noch heute gilt Ungarn als das verheißungsvolle Tor in beide Richtungen.
Die Flüsse Donau und Theiß teilen das Land in das westliche Transdanubien mit der Kleinen Ungarischen Tiefebene (Kisalföld) und der Großen Ungarischen Tiefebene (Alföld). Im Kisalföld wird intensiv Landwirtschaft betrieben. Das Alföld nimmt fast die Hälfte des gesamten Staatsgebietes ein und ist die Heimat der Puszta mit Ziehbrunnen, Einzelgehöften und extensiver Weidewirtschaft. Das Klima des Landes ist kontinental geprägt, mit warmen Sommern im Süden und kalten Wintern im Norden.
Die Ungarinnen und Ungarn kennzeichnet ein ausgesprochener Nationalstolz. Er gründet vor allem in der Würde, mit der die Magyaren der jahrhundertelangen Vorherrschaft wechselnder Obrigkeiten getrotzt haben. Einst Europas Bastion gegen das Osmanische Reich, litten sie 150 Jahre lang unter türkischer Besetzung. Mit Realismus und Offenheit, List und Weisheit durchstanden sie auch die K.u.k.-Monarchie und den Kommunismus der Nachkriegszeit. Im Jahr 1989 war Ungarn das erste Ostblockland, das den Eisernen Vorhang an der Grenze zu Österreich öffnete. Der lange unterdrückte Freiheitsdrang hat vermutlich wesentlich dazu beigetragen.
Die Republik Ungarn ist mit kaum mehr als 93.000 Quadratkilometern etwa ein Viertel so groß wie Deutschland. Mit dem Plattensee, dem Balaton, besitzt Ungarn dennoch einen der größten Seen Europas: Er misst knapp 600 Quadratkilometer udie aus Westen dazustoßenden Österreicher. Besonders sie fühlen sich durch die lange gemeinsame Geschichte dem Land verbunden. Was die Ungarn einerseits mit Wohlgefallen sehen – für die Wirtschaft sind die Einnahmen aus dem Tourismus unverzichtbar.
In Ungarn leben zehn Millionen Menschen, darunter etwa fünf Prozent Roma und drei Prozent Donauschwaben, eine deutschsprachige Minderheit. Die stärksten Einwanderergruppen stellen Rumänen und Ukrainer. Die Mehrheit der Ungarn ist katholisch, ein Viertel lutheranisch oder calvinistisch, ebenso findet man aber auch Angehörige des jüdischen und des ungarisch-orthodoxen Glaubens. Die größte Stadt des Landes ist die Hauptstadt Budapest. Hier leben rund 1,7 Millionen Menschen. Als nächstgrößere Städte folgen mit weitem Abstand Debrecen, Miscolc, Szeged, Pécs und Györ.
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Blick in die Wirtschaft
Ungarn gehörte schon seit dem Ende der sozialistischen Ära zu den vergleichsweise liberalen osteuropäischen Staaten: In den 90er-Jahren trieb es wirtschaftliche Reformen schneller voran als seine Nachbarländer und privatisierte mit hohem Tempo einen Großteil seiner Staatsunternehmen. Mit dem Ziel, den Haushalt zu stabilisieren – auch im Hinblick auf die für 2010 geplante Einführung des Euro –, hatte die Regierung im Juni 2006 die Steuern und Zinsen erhöht und Subventionen abgebaut. Infolgedessen wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2007 nur noch um 1,3 Prozent – der niedrigste Wert seit elf Jahren. Im Jahr 2005 hatte das Wachstum noch bei 4,2 Prozent gelegen, 2006 bei 3,9 Prozent. Für 2008 erwarten Experten, dass die Wirtschaft um 2,2 bis 3 Prozent zulegt, für 2009 rechnet man mit 3 Prozent. Die Teuerung ist gravierend: Für 2008 wird eine Inflationsrate von 6 Prozent vorausgesagt.
Zu den Wachstumsbranchen und -märkten gehören derzeit die Energietechnik, die Umweltschutztechnik (Kläranlagen, Deponien/Recycling, Mess- und Regeltechnik), IT-Dienste, die Nachrichtentechnik, der Sektor Industriemaschinen (vor allem für Metall- und Gummibearbeitung, Druckereien) und die Gartenbautechnik. Die Bauwirtschaft entwickelte sich 2007 stark rückläufig (–11,6 Prozent).
Deutschland zählt zu den Hauptinvestoren in Ungarn: In den ersten drei Quartalen des Jahres 2007 kamen die höchsten Investitionen aus Holland (470 Mio. €), Deutschland (442 Mio. €, Vorjahr: 997 Mio. €), Österreich (249 Mio. €) und Spanien (211 Mio. €). Über 7.000 Unternehmen wurden ganz oder teilweise mit deutschem Kapital gegründet – vor allem im Automobil- und Maschinenbau. Im westungarischen Györ steht die „Vorzeigefabrik“ – das Audi-Werk. Aktuell plant die Daimler AG, in Kecskemét ein neues Montagewerk zu errichten, in dem bis zu 2.500 neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Vor allem mittelständische (Maschinenbau-) Unternehmen und Großunternehmen wie Siemens, Bosch oder die Deutsche Telekom engagieren sich in Ungarn.
„Schwerpunkte der ungarischen Wirtschaft sind die Branchen Automobilbau, Maschinenbau, Elektrotechnik und Elektronik. Gerade in den technischen Bereichen fehlen Fachkräfte, das heißt, Ingenieure und Facharbeiter mit solider Ausbildung. Bei Journalisten oder Kommunikationsfachleuten hingegen gibt es in Ungarn ein deutliches Überangebot.“
Dirk Wölfer leitet die Presseabteilung der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer in Budapest.
Ungarns Währung ist der Forint. Das Land beabsichtigt, den Euro einzuführen. Der geplante Einführungstermin 2010 ist jedoch durch die schwierige Haushaltslage des Landes gefährdet.
Weitere aktuelle Informationen zur wirtschaftlichen Entwicklung Ungarns und zu einzelnen Branchen bekommen Sie unter www.ahkungarn.hu – hier können Sie zum Beispiel den aktuellen Konjunkturbericht herunterladen. Unter www.bfai.de finden Sie unter anderem Informationen zur wirtschaftlichen Entwicklung einzelner Branchen. Allgemeine Informationen über Ungarn erhalten Sie unter www.auswaertiges-amt.de, http://ec.europa.eu und www.magyarorszag.hu.
Interessante Links:
www.auswaertiges-amt.de
Das Auswärtige Amt informiert auf seinem Online-Portal unter dem Stichwort "Länderinformationen" über europäische und außereuropäische Länder. Die Themen: Politik, Wirtschaft, Kultur, Stand der bilateralen Beziehungen und Einreisebestimmungen des jeweiligen Ziellandes sowie Reise-, Sicherheits- und Gesundheitshinweise.
www.magyarorszag.hu
Das mehrsprachige Online-Portal der ungarischen Landesregierung informiert über Land und Leute, Wirtschaft, Kultur und Fremdverkehr. Auch das Verwaltungssystem wird erklärt.
www.ec.europa.eu
Übersicht über die verschiedenen Regional- und Minderheitensprachen, die in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union gesprochen werden. Die Webseite bietet Informationen zur Geschichte der Region sowie der Entwicklung und Verbreitung von Regional- und Minderheitensprachen.
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