Karrieresprung an der Université in Paris

Paris – die Stadt, die für viele Menschen die Stadt der Liebe ist, war für Thomas Riehm die Chance, sich beruflich freizuschwimmen und auf eigenen Beinen zu stehen. „In Paris konnte ich zum ersten Mal eigenständig in Forschung und Lehre arbeiten – dadurch lernte ich eine Menge und wurde von anderen Wissenschaftlern ernster genommen, als es in Deutschland der Fall war“, sagt der 35-Jährige. „Bei meiner weiteren Karriere wird mir das sicher helfen.“ Sein ehrgeiziges Ziel: Er möchte Professor der Rechtswissenschaften werden.

Erfahrungen und Netzwerk enorm vergrößert

Begonnen hatte alles im Sommer 2005: Als Thomas Riehm mit seiner Dissertation fast fertig war, kündigte er seine Stelle als wissenschaftlicher Assistent an der Universität München. Zusammen mit seiner Familie zog er nach Paris: Über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) hatte er eine Stelle als Fachlektor für deutsches und europäisches Zivilrecht an der Université Paris 12 bekommen. In dieser Position hielt er Vorlesungen, unterstützte französische Wissenschaftler, betreute internationale Austauschprogramme und warb außerdem im Auftrag des DAAD auf Tagungen und Veranstaltungen für das deutsche Hochschulsystem.

In Paris lernte Thomas Riehm eine Arbeitsatmosphäre kennen, die er von seiner bisherigen Tätigkeit an der Uni München nicht gewohnt war: „In Frankreich hat die staatliche Uni einen viel geringeren Stellenwert als in Deutschland. Im Gegensatz zu den Grandes Ecoles, die hervorragend ausgestattet sind, wird dort gespart.“ Nicht nur die Gehälter seien sehr gering, auch die Rahmenbedingungen, wie etwa schlecht ausgestattete Bibliotheken, erschwerten die Arbeit. Nicht zuletzt müssen die staatlichen Universitäten mit unglaublichen Studentenmassen fertig werden, sagt Riehm.

Trotz dieser Erschwernisse und Herausforderungen blickt Thomas Riehm sehr zufrieden auf die Zeit in Paris zurück: Wer es an der Universität beruflich zu etwas bringen will, kommt ohne Auslandserfahrung und internationale Kontakte nicht aus – das war ihm von Anfang an bewusst. Und tatsächlich haben sich sein Erfahrungsschatz und sein Netzwerk durch den Aufenthalt enorm vergrößert. Er beherrscht jetzt Französisch, auch die juristische Fachsprache, war an internationalen Tagungen beteiligt und hat den Austausch von Wissenschaftlern organisiert. Auf diese Weise konnte er so viele internationale Kontakte knüpfen, dass er sehr zuversichtlich ist, in Deutschland eine attraktive Stelle zu bekommen.

Elternzeit nach der Rückkehr

Nach etwas mehr als zwei Jahren kehrte er mit seiner Frau und den beiden Kindern nach Bayern zurück. „Der Anlass dafür war, dass meine Frau eine Stelle in München bekam.“ Mit dem Umzug im Dezember 2007 tauschte Thomas Riehm die Rollen mit seiner Frau: Er blieb einige Monate zu Hause, um sich um die Kinder und den Haushalt zu kümmern. Den nächsten Schritt zur Verwirklichung seines Berufsziels hatte er jedoch schon erfolgreich in die Wege geleitet: Noch von Frankreich aus hatte er sich für ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beworben. Dieses Stipendium hat Thomas Riehm im Sommer angetreten, um seine Habilitation fertigzustellen – die Voraussetzung für eine spätere Tätigkeit als Professor. Seinem Berufsziel ist er damit ein gutes Stück näher gekommen.

von Katja Hees

 

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