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Auslandsjob als Sprungbrett für den Berufseinstieg
Eine halbe Stunde – länger brauchte Andrea Haidu nicht, um ihren späteren Arbeitgeber zu überzeugen, sie nach München einzuladen. Die Erfahrungen, die sie in Rumänien gesammelt hatte, hatten ihn beeindruckt: Konzepte verfeinern, Sponsoren finden, Projekte koordinieren, Veranstaltungen organisieren. „Das waren genau die Fertigkeiten, die auch für die Projektleiterstelle beim Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft gefragt waren“, sagt die 32-Jährige. Ein Glücksfall, von dem viele Geisteswissenschaftler träumen. Wenige Tage nach dem ersten telefonischen Kontakt saß sie im Flieger nach Deutschland.
Erfahrungen aus Rumänien leicht übertragbar
Andrea Haidu Berufserfahrung, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt ist – genau daran mangelt es vielen Absolventen kulturwissenschaftlicher Studiengänge. Andrea Haidu war sich dessen früh bewusst. Schon während des Studiums nutzte sie die Möglichkeiten, die sich ihr im Ausland boten, und absolvierte Praktika in Brüssel und Bukarest.
Nach ihrem Diplom ging sie dann für das Institut für Auslandsbeziehungen nach Rumänien, erst als Kulturmanagerin in Braşov (Kronstadt) und danach als Regionalkoordinatorin in Sibiu (Hermannstadt). Sie stellte Filmreihen, Theateraufführungen und Schülerzeitungen mit auf die Beine. „Dabei habe ich gelernt, wie man ein Projekt durchführt, mit verschiedenen Partnern und Zielgruppen umgeht und Gelder verwaltet“, sagt sie. Um ihre Erfahrungen auszubauen, hatte sie ihren ersten Vertrag früh auf zwei Jahre verlängert – am Ende blieb sie fast viereinhalb. „Doch danach hatte ich Lust, wieder nach Deutschland zurückzukehren.“Nahtloser Übergang – Segen oder Stress?
Im Februar 2008 trat Andrea Haidu ihren neuen Job in München an, zwei Tage nach ihrer Rückkehr aus Rumänien. „Der Abschied fiel mir schwer. Ich hatte aber gar keine Zeit für Nostalgie, weil ich sofort wieder eingespannt war.“ Der schnelle Wechsel brachte Vor- und Nachteile mit sich: „Ich hatte zwar keinen Leerlauf mit Bewerbungen und Absagen. Aber es war auch anstrengend, so schnell umzuschalten und sich voll auf die neue Aufgabe zu konzentrieren. Ich musste parallel ja auch noch eine Wohnung suchen.“ Inzwischen hat sie das Gefühl, angekommen zu sein. Vieles ist anders, aber so manchen Unterschied hat sie schätzen gelernt: „Die Arbeitsschritte sind hier formalisierter, man klärt mehr Dinge mit anderen ab, während ich in Rumänien oft ad hoc entscheiden musste. Auch privat merkt man, dass das Leben in München viel organisierter ist. Das ist schon sehr angenehm!“
Ob sie wieder ins Ausland gehen würde? Vorstellen kann sie sich das schon. „Ich würde mir aber die Stelle sehr gut aussuchen“, sagt sie. „Und man sollte nicht zu kurz im Ausland bleiben. Sonst muss man bei der Ankunft schon die Rückkehr planen.“
von Claudia Ziehm