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Lust auf ein anderes Leben
Für Christoph Lehnert war Schweden so etwas wie ein Traumziel. Als er sich entschied, eine Zeit lang in dem Land zu arbeiten, war er voller Erwartungen. Aber dass ihn das Jahr so verändern würde, hat ihn dann doch überrascht. „Es liegt mir, eine Sprache zu lernen. Es liegt mir auch, Dinge zu vermitteln“, sagt der 26-Jährige. Von diesen Talenten hat er vorher kaum etwas geahnt. „Durch die Auslandsstation habe ich gemerkt, dass ich noch weiterkommen möchte und kann.“
Ideen für die eigene Weiterentwicklung
Christoph Lehnert Christoph Lehnert kommt aus Wilthen in der Oberlausitz, wo seine Mutter einen Waldgasthof führt. Nach seiner Kochlehre arbeitete er in Konstanz, Bad Pyrmont und Eltville-Erbach. Als er mit 24 eine neue Herausforderung suchte, ergriff er eine Chance, die ihm die Agentur für Arbeit Bautzen aufzeigte: Er machte den Vorbereitungskurs „Sprache und Beruf“ am Bildungszentrum des Handels in Neuruppin, speziell für Fachkräfte, die in Schweden arbeiten wollten. Weil er Schwedisch so schnell lernte, durfte er auch einen Tag lang die nachfolgende Klasse unterrichten und merkte dabei, dass ihm diese neue Aufgabe lag.
Doch zunächst verfolgte er den eingeschlagenen Weg weiter: Über das Praktikum, das zum Kurs gehörte, erarbeitete er sich Ende 2006 eine Festanstellung als Koch im Konferenzhotel Gimo Herrgård, 60 Kilometer nördlich von Uppsala. Dort verbesserte er sein Schwedisch, übernahm Verantwortung, lernte neue Rezepte und erfuhr, wie ein Team auch ohne starre Pläne zusammenarbeiten kann.
Die Rückkehr nach Deutschland war dennoch von Anfang an vorgesehen. „Viele Leute wollen ja komplett auswandern, weil sie für Skandinavien schwärmen oder alles in Deutschland schlecht finden“, sagt Christoph Lehnert. „Ich denke aber, das Leben ist überall ähnlich: Es kommt darauf an, was man daraus macht. Ich selbst wollte mich in einer anderen Umgebung weiterentwickeln, und das ist mir in dem einen Jahr gelungen.“Vom Traum zum Plan
Als seine Mutter krank wurde, war es für ihn klar, dass er zurückkommen und sie in ihrem Restaurant unterstützen würde. „Einerseits freute ich mich auch, in der alten Heimat Familie und Freunde zu sehen, meinen Eishockeyfanclub und Fußballverein besuchen zu können.“ Andererseits war ihm sein Dorf etwas fremd geworden. Die Übernahme des Gasthofes kann er sich nun nicht mehr vorstellen. „Ich denke, dass ich durch die Herausforderungen in Schweden gewachsen bin. Früher habe ich schlecht geschlafen, wenn sich für den nächsten Tag 50 Gäste zum Essen angemeldet hatten. Heute sehe ich das gelassener. Ich weiß, dass man auch neue Herausforderungen bewältigen kann.“
Angeregt durch all die neuen Erfahrungen, hat sich Christoph Lehnert gründlich über seine Optionen informiert. Sein künftiger Beruf soll auf seinen Fähigkeiten aufbauen und ihm breitere Möglichkeiten eröffnen. Die Stiftung für Begabtenförderung machte den Weg frei: Christoph Lehnert bekam die Chance, mit Hilfe eines Aufstiegsstipendiums Betriebswirtschaft zu studieren. „Der Auslandsaufenthalt hat mir auf jeden Fall die Augen darüber geöffnet, welche Talente und Möglichkeiten noch in mir stecken.“
von Claudia Ziehm
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