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In der Schweiz den beruflichen Wechsel geschafft
Berit Proctor lässt sich nicht so leicht abschrecken: Wenn sie etwas möchte, geht sie auch Umwege, um ihr Ziel zu erreichen. Ihr Aufenthalt in der Schweiz war so ein Umweg – aber einer, von dem sie enorm profitiert hat. Denn er ermöglichte ihr, sich ohne weitere Ausbildung für einen völlig neuen Beruf zu qualifizieren. „Wäre ich in Deutschland geblieben, hätte ich den Wechsel von der Wirtschaft in die Pädagogik sicherlich nicht so einfach geschafft“, sagt sie.
Berit Proctor An der Uni Passau hatte die heute 30-Jährige das Fach „Sprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien“ studiert. Doch schon nach zwei Semestern war ihr klar, dass sie sich für das Teilgebiet Betriebswirtschaftslehre nicht begeistern kann. Die Aussicht, später in einem Wirtschaftsunternehmen zu arbeiten, schreckte sie ab. Dennoch wollte sie das Studium nicht einfach abbrechen. Was tun? Berit Proctor beschloss, studienbegleitend erste Berufserfahrungen im Pädagogik-Bereich zu sammeln. Sie hoffte, nach dem Ende ihres Studiums damit den Quereinstieg in die Pädagogik zu schaffen. Falsch gedacht: Sie bekam keinen Job.Im Ausland ist das berufliche Umsatteln oft leichter
„In Deutschland legen Arbeitgeber in der Regel sehr viel Wert auf die formale Qualifikation – und mein Studium hatte nun mal mit Pädagogik überhaupt nichts zu tun“, sagt sie. „In anderen Ländern wird das oft lockerer gehandhabt.“ Dass sie studienbegleitend ehrenamtlich mit Jugendlichen gearbeitet hatte – zunächst für die Präventionsarbeit der Aids-Beratung, später für ein kirchliches Jugendbüro und in der Umweltbildung –, reichte den deutschen Arbeitgebern nicht aus, bei denen sie sich bewarb.
Einen Job, in dem sie ihre pädagogischen Ideen verwirklichen konnte, fand sie schließlich in der Schweiz: In einem Hotel im Berner Oberland war sie fortan als Betreuerin tagsüber für die Kinder der Urlauber verantwortlich. Die Vermittlung organisierte ein Reiseunternehmen, das in ganz Europa mit Hotels zusammenarbeitet und dort Kinderbetreuung anbietet. Bevor es losgehen konnte, wurde Berit Proctor eine Woche lang geschult: „Das hat mir viel gebracht. Ich lernte pädagogische Methoden kennen und konnte viele Kinderspiele und Aktionen ausprobieren.“ Insgesamt acht Monate lang – zwei Winter- und eine Sommersaison – war sie für die Kinder der Urlauber verantwortlich. Während der Saisonpausen wurde sie freigestellt und konnte selbst in den Urlaub fahren. „Der Job hat mir viel Spaß gemacht“, sagt sie. „Irgendwann wollte ich aber zurück nach Deutschland, um dort eine erste formale pädagogische Qualifikation zu bekommen.“ „Ich bin noch flexibler geworden“
Berit Proctor hatte nämlich herausgefunden, dass sie aufgrund ihrer inzwischen angesammelten pädagogischen Arbeitserfahrung in Deutschland die Ausbildung zur Kinderpflegerin extern absolvieren kann. „Ich musste mich also nur noch für die Prüfungen anmelden und dafür lernen“, sagt sie. „Es blieb mir aber erspart, am Unterricht teilzunehmen und die ganze Ausbildung zu durchlaufen.“
Bis zum nächsten Prüfungstermin dauerte es jedoch noch fast ein Jahr – Zeit, die Berit Proctor als Kinderbetreuerin überbrückte. Seither betreut sie an 30 Stunden pro Woche die vier Kinder einer Münchner Familie. Ihr Arbeitstag beginnt um 14 Uhr, sie hat einen festen Vertrag, das Gehalt ist hervorragend.
Die Fähigkeiten, die sie in der Schweiz trainiert hat, sind ihr beim Umgang mit ihrem jetzigen Arbeitgeber sehr nützlich: „Ich war schon immer ein recht offener, neugieriger Mensch. Aber durch die Arbeit im Hotel bin ich noch flexibler geworden. Da die Familien dort meist nur für ein oder zwei Wochen im Urlaub sind, kommen ständig neue Kinder. Ich musste die Erwartungen der Kinder und Eltern sehr schnell erkennen und mich darauf einstellen.“
Vor Kurzem hat Berit die Prüfung zur Kinderpflegerin erfolgreich abgelegt. Sie strahlt Zufriedenheit aus, als sie davon erzählt, denn sie spürt, dass sie ihren Weg gefunden hat. Den Umweg über die Schweiz hat sie nie bereut – im Gegenteil. Auf ihrem Erfolg und ihrer sicheren Position möchte sie nun aufbauen: „Ich kann mir gut vorstellen, neben dem Beruf künftig noch eine Ausbildung in Montessori-Pädagogik zu machen.“
von Katja Hees
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