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Studieren in Bulgarien
Hochschullandschaft
Bulgariens Hochschulwesen durchlebte seit dem Umbruch 1989 drei wichtige Reformphasen. 1990 erhielten die Universitäten ihre Autonomie, ideologische Studienfächer wurden abgeschafft, das Studienprogramm neu konzipiert. 1995 wurde ein neues Studiensystem (Bachelor/Master) eingeführt. 1999 gab Bulgarien die gebührenfreie Hochschulbildung an staatlichen Universitäten auf und führte neben den Studiengebühren ein schärferes Zulassungsverfahren ein. Es gibt zwei Hochschularten: Universitäten und Colleges. Rund 270.000 Studentinnen und Studenten sind an diesen Hochschulen eingeschrieben.
Die Hochschulen sind dem Ministerium für Erziehung und Wissenschaft unterstellt – siehe www.minedu.government.bg (nur auf Bulgarisch). Es gibt 53 Universitäten, Colleges und Akademien, die staatlich anerkannt sind. Fast jeder vierte Studierende ist an einer privaten Lehreinrichtung eingeschrieben. Links zu bulgarischen Universitäten finden Sie beim Deutschen Akademischen Austauschdienst über www.daad.de.
Das College-Studium ist kürzer und praxisorientierter als das Studium an Universitäten. Das höhere Ansehen genießen die Universitäten. Das liegt zum einen an den höheren Qualitätsstandards in der Lehre, zum anderen aber auch an den schärferen Zulassungsverfahren der Universitäten und den besseren Berufsaussichten mit einem Universitätsabschluss. Entsprechend klein ist die Anzahl der Studierenden an den Colleges im Vergleich zu den Universitäten.
Einige Universitäten haben Fernstudien in ihr Studienangebot aufgenommen. Informationen sind bei den einzelnen Universitäten erhältlich.
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Informationen zum Studium
Das akademische Jahr ist in zwei Semester gegliedert. Das Wintersemester beginnt im September und endet Mitte Januar. Das Sommersemester beginnt im Februar und endet im Juni. Das europäische Kreditpunktesystem (ECTS) ist in einem großen Teil der Universitäten eingeführt.
Das Studium an einem College ist kurz und berufsorientiert (drei Jahre). Der College-Abschluss "Spetsialist" (Spezialist) ist kein akademischer Grad. Er berechtigt zur Aufnahme eines Bachelor-Studiums an der Universität oder zum Eintritt in den Arbeitsmarkt.
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Studiengebühren
Seit 1999 ist das Studium auch an staatlichen Hochschulinstituten gebührenpflichtig. Die genauen Studiengebühren können Sie bei der Zielhochschule erfragen. In der Regel betragen sie 100 bis 300 € pro Semester.
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Zulassung und Bewerbung
Voraussetzung für ein Studium an einer bulgarischen Hochschule ist der bulgarische Sekundarschulabschluss II oder ein Äquivalent wie das deutsche Abitur. Das ausländische Reifezeugnis muss vom bulgarischen Ministerium für Erziehung und Wissenschaft anerkannt sein www.minedu.government.bg. Viele Hochschulen führen auch Zulassungsprüfungen durch.
Abgesehen von fremdsprachigen Studiengängen ist die Unterrichtssprache Bulgarisch. Einige Universitäten verpflichten ausländische Studienbewerberinnen und -bewerber, einen einjährigen Sprachvorbereitungskurs vor Aufnahme des regulären Studiums zu absolvieren. Das Vorbereitungsjahr kann je nach Universität bis zu 3.000 € kosten. Ein Tipp: An der Universität des Saarlandes in Saarbrücken kann das „Bulgaricum“ in Präsenz- und Fernkursen erlangt werden. Mehr Informationen: www.uni-saarland.de.
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Fremdsprachige Studiengänge
Es gibt inzwischen mehrere deutschsprachige Studiengänge in Bulgarien. Darunter sind die grundständigen Studiengänge Maschinenbau und Informatik an der TU Sofia sowie einige Aufbaustudiengänge: Europa-Studien mit verschiedenen Schwerpunkten in Russe oder an der St.-Kliment-Ohridski-Universität Sofia sowie ein Masterprogramm BWL an der TU Sofia. An der UCTM Sofia kann man außerdem einen Bachelor oder Master in Chemischer Verfahrenstechnik auf Deutsch absolvieren. Weitere Informationen und Links zu deutschsprachigen Studiengängen finden Sie auf den Seiten der bulgarischen Botschaft: www.botschaft-bulgarien.de
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Finanzierung
Deutsche, die ihr Studium ganz oder teilweise im Ausland absolvieren möchten, können nach dem neuen Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) leichter gefördert werden. Unter www.das-neue-bafoeg.de erfahren Sie mehr darüber. Auf der Internetseite finden Sie auch ein nach Ländern gegliedertes Verzeichnis der Ämter für Ausbildungsförderung.
Das europäische Bildungsprogramm Erasmus fördert Studienaufenthalte im europäischen Ausland. Im Rahmen dieses Bildungsprogramms können Studierende für die Dauer von drei Monaten bis zu einem vollen Studienjahr im Ausland verbringen. Das Stipendium ist eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung eines Auslandsstudiums. Hier ist der DAAD die erste Adresse (http://eu.daad.de).
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Teil- oder Vollstudium?
Wenn Sie ein oder zwei Semester im Ausland studieren möchten, sollten Sie dies erst nach dem Grundstudium tun. Für die Zeit des Auslandsstudiums lassen Sie sich am besten beurlauben. Es besteht zwar auch die Möglichkeit der Exmatrikulation für diesen Zeitraum, doch ist dies nicht ratsam, weil Sie dadurch möglicherweise Ihren Studienplatz gefährden. Auch die Zugehörigkeit zur Krankenversicherung könnte verloren gehen.
In jedem Fall empfiehlt es sich, vorab beim Studentensekretariat und bei der Krankenversicherung genaue Informationen einzuholen. Das Akademische Auslandsamt Ihrer Heimatuniversität hilft bei allen Fragen zum Auslandsstudium. Die Adressliste aller Auslandsämter finden Sie unter www.hochschulkompass.de. Unter http://eu-community.daad.de informiert der DAAD über den Studienalltag und die kulturellen Besonderheiten in den europäischen Ländern. Dort finden Sie auch Berichte von Studierenden über ihre Erfahrungen im Ausland.
Ein Vollstudium im Ausland ist nur dann empfehlenswert, wenn Sie tatsächlich Ihr Studium dort abschließen. Bei einer späteren Arbeitsaufnahme in Deutschland könnten sich hinsichtlich der Anerkennung von Abschlüssen und der Zulassung zu manchen Berufen Schwierigkeiten ergeben – etwa bei Tätigkeiten im öffentlichen Bereich. Auskunft erteilen Hochschullehrer, die fachliche Kontakte zu Hochschulen im Ausland unterhalten.
Die Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen, die im Ausland erbracht wurden, ist nicht einheitlich geregelt. Dies liegt an der föderalen Struktur des deutschen Bildungssystems und an der Autonomie deutscher Hochschulen. Wichtig ist, alle Fragen vor Beginn des Auslandsstudiums zu klären. Auf diese Weise ersparen Sie sich hinterher böse Überraschungen. Das Informationssystem anabin informiert über das Niveau ausländischer Hochschulabschlüsse im Vergleich zu denen in Deutschland (www.anabin.de).
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Nach dem Studium
Berufseinstieg für Hochschulabsolventinnen und -absolventen
Die Lage auf dem Arbeitsmarkt
Seit einigen Jahren lässt ein robustes Wirtschaftswachstum mit jährlichen Zuwachsraten von etwa fünf Prozent die Arbeitslosigkeit rasant sinken. Im Februar 2008 waren nach Angaben von Eurostat 6,0 Prozent der gut vier Millionen arbeitsfähigen Bulgarinnen und Bulgaren über 15 Jahren ohne Beschäftigung. Ein Jahr zuvor waren es noch 7,7 Prozent.
Aussichten für Hochschulabsolventen
Für viele junge Absolventinnen und Absolventen ist eine Auslandstätigkeit attraktiver als eine Stelle in Bulgarien, da das Land ein sehr niedriges Einkommensniveau aufweist. Zwischen 1989 und 2005 verließen rund 1,2 Millionen Bulgarinnen und Bulgaren das Land vor allem in Richtung Vereinigtes Königreich, USA und Kanada. In Deutschland zählten die fast 13.000 bulgarischen Studentinnen und Studenten 2006 zu der zahlenmäßig stärksten Gruppe ausländischer Studierender.
Fachkräftemangel in den großen Städten
Arbeitgeber klagen vor allem in den großen Städten wie Sofia, Plovdiv und Varna über Schwierigkeiten, geeignete Arbeitskräfte zu finden. Besonders der öffentliche Dienst mit seinen unterfinanzierten Bereichen Verwaltung, Kultur und Wissenschaft tut sich bei der Personalsuche schwer. In der Privatwirtschaft mangelt es vor allem in den Branchen Bauwirtschaft, Metallurgie und Maschinenbau, Textilindustrie und Chemiewirtschaft an qualifizierten Arbeitskräften.
Fachleute beziffern den akuten Bedarf in der Informations- und Kommunikationstechnologie auf 5.000 Computerspezialistinnen und -spezialisten. Stark nachgefragt werden außerdem Fachkräfte in den Bereichen Ingenieurwesen, Schiffbau, Volks- und Betriebswirtschaft, Recht, Verwaltung und Touristik. Entsprechend gut sind die Jobaussichten für Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger.
Chancen für Architekten, Bauingenieure, Energie- und Umweltexperten
Sieben Milliarden Euro EU-Fördergelder stehen Bulgarien bis 2013 für Infrastrukturentwicklung und Umweltsanierung sowie für die Integration seiner Landwirtschaft in den europäischen Binnenmarkt zu. Es wird jedoch befürchtet, dass Großprojekte wegen des Arbeitskräftemangels nicht umgesetzt werden können.
Um die im Lande vorhandenen Spezialistinnen und Spezialisten werben die Unternehmen inzwischen mit höheren Gehältern. Schon jetzt bieten die in Bulgarien tätigen internationalen Unternehmen deutlich überdurchschnittliche Verdienste. In der Regierung wird die Einführung einer „Green-Card“ diskutiert, um Arbeitskräfte für Industrie, Bauwirtschaft und Tourismus nach Bulgarien zu holen.
Auf jeden Fall wird Bulgarien bei der Umsetzung seiner Zukunftsprojekte auf Fachwissen aus dem Ausland angewiesen sein. Für Akademikerinnen und Akademiker, die frisch von der Hochschule kommen, aber in Deutschland weniger nachgefragt werden - zum Beispiel Architekten und Bauingenieure, Energie- und Umweltexperten -, könnten sich hier Perspektiven eröffnen.
Forschung
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung informiert auf seinem Portal www.internationale-kooperation.de über Forschungsprogramme und -initiativen. Zu den wichtigsten zählen hierbei das Nato-Wissenschaftsprogramm „Science for Peace and Security“ (www.nato.int) und die europäische Forschungsinitiative „EUREKA“ (www.eureka.be). Über Stipendien, Arbeits- und Forschungsmöglichkeiten für Forscher und Wissenschaftler informiert http://ec.europa.eu/euraxess. Von dieser Webseite aus sind die nationalen Mobilitätsportale mit ihrem Beratungs- und Informationsagebot für Wissenschaftler zu erreichen. Der EU-Dienst „Cordis“ (http://cordis.europa.eu) bietet Hunderte von freien Doktoranden- und Postdoktorandenstellen vieler Fachrichtungen in Europa an.
Die Koordinierungsstelle EG der Wissenschaftsorganisationen (www.kowi.de/international) berät Interessenten über europäische Förderprogramme für Doktoranden und PostDocs im Rahmen des MORE-Programms; es soll die Mobilität junger Wissenschaftler aus Deutschland, Mittel- und Osteuropa fördern.
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