Berufliche Bildung
Haben Sie Lust, im Rahmen der Ausbildung Erfahrungen im Ausland zu sammeln? Dann sollten Sie sich zunächst bei Ihrem Ausbilder oder Berufsschullehrer nach Austausch- und Praktikantenprogrammen erkundigen. Auslandsaufenthalte für Auszubildende werden in der Regel von Bildungseinrichtungen organisiert und über das EU-Bildungsprogramm Leonardo da Vinci gefördert. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.na-bibb.de > Leonardo da Vinci.
ÜberblickEine berufliche Erstausbildung kann man in Finnland auf zwei Wegen machen: entweder als schulische Berufsausbildung oder als duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule. Sie dauert in beiden Fällen normalerweise drei Jahre. Wer schon die allgemeine Hochschulprüfung abgelegt hat, kann die Ausbildung verkürzen.Schulische Berufsausbildung Die meisten Finnen erlernen ihren Beruf in Berufsschulen, Fachschulen oder Volkshochschulen, die auf bestimmte Berufsbereiche spezialisiert sind. Rund 45 Prozent eines Jahrgangs nutzen diese Möglichkeit. Die Ziele sind weitreichend, denn die Ausbildung soll die Schüler nicht nur befähigen, den gewählten Beruf auszuüben, sondern überdies ihr Leben lang weiter zu lernen und ihre Persönlichkeit zu entwickeln, auch als Mitglieder des Gemeinwesens. Es gibt acht verschiedene Berufszweige:
Die Schüler wählen im ersten Jahr einen Grundkurs und entscheiden sich im zweiten Jahr für eine Spezialisierung, die zu einem bestimmten Beruf führt. Der Unterricht umfasst berufsspezifische Fächer und allgemeine Pflichtfächer, wie zum Beispiel Finnisch, Schwedisch und eine weitere Fremdsprache, Mathematik, Gemeinschaftskunde, Sport und Kunst. Zusätzlich zu den allgemeinen und theoretischen Fächern gibt es auch ein praktisches Element, oft in Form von Praktika in örtlichen Betrieben. Dieser Teil der Ausbildung dauert mindestens 20 Wochen. Duale Ausbildung In den vergangenen Jahren gewann die duale Ausbildung (oppisopimuskoulutus) mehr Bedeutung. Dabei schließen die Schule, der Ausbildungsbetrieb und der Auszubildende eine Ausbildungsvereinbarung ab, die von der Berufsausbildungsbehörde überwacht wird. Die praktische Ausbildung findet im Betrieb unter Anleitung eines fachkundigen Ausbilders statt und macht etwa 70 bis 80 Prozent der Lehrzeit aus. Der theoretische Unterricht an der Berufsschule umfasst auch Projektarbeiten und zunehmend E-Learning-Anteile. Eine solche duale Ausbildung kann man auch als Weiterbildung nach einer vorhergehenden Grundausbildung oder Berufserfahrung machen, sie dauert dann ein bis anderthalb Jahre. Fachhochschulen Höhere berufliche Qualifikationen kann man an Fachhochschulen erwerben. Die grundlegenden Studiengänge dauern in der Regel dreieinhalb bis viereinhalb Jahre und enthalten theoretische und praktische Anteile, oft in Zusammenarbeit mit regionalen Arbeitgebern. Nach einem Fachhochschul-Abschluss und drei Jahren Berufserfahrung kann man ein Aufbaustudium anschließen. Es dauert ein bis anderthalb Jahre und qualifiziert für anspruchsvolle berufliche Aufgaben. Zugang und BeratungSchulische BerufsausbildungWer die Gesamtschule abgeschlossen hat, kann als Berufsschüler aufgenommen werden. Dafür bewirbt man sich über die Online-Plattform des Bildungsrats. Die beruflichen Schulen wählen die Bewerber normalerweise aufgrund ihrer Schulnoten aus, manche halten auch ihre eigenen Zugangsprüfungen ab. Duale Ausbildung Wer eine betriebliche Ausbildung machen möchte, muss bei Vertragsabschluss mindestens 15 Jahre alt sein und die Schulpflicht erfüllt haben. Eine Ausnahme kann der Bildungsträger genehmigen, wenn man über die notwendigen Fähigkeiten verfügt. Normalerweise müssen die Bewerber ihren Ausbildungsplatz selbst suchen. Bei Fragen zum Ausbildungsvertrag helfen die Berufsausbildungsbehörde, die Schulen und Arbeitsverwaltungen weiter. Beratung Es gibt zwei Beratungssysteme, die sich gegenseitig ergänzen. Für Schüler sind hauptsächlich die Studien- und Berufsberatungen der Schulen zuständig. Schüler, die sich über ihr Berufsziel noch nicht im Klaren sind, können sich außerdem in der freiwilligen 10. Klasse mit verschiedenen Berufszweigen vertraut machen. Auch einige Volkshochschulen bieten einjährige Kurse zur Berufsorientierung an. Die Arbeitsverwaltung stellt auf ihren Webseiten außerdem zahlreiche Informationen und Tests zur Berufsorientierung zur Verfügung. Die pädagogischen und beruflichen Informationsdienste der Arbeitsverwaltungen stehen vor allem Erwachsenen zur Verfügung. Hier gibt es umfangreiche Daten zu Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten, finanziellen Aspekten und dem Arbeitsmarkt. Rechtsgrundlage, Förderung und FinanzierungDie Möglichkeiten zur beruflichen Bildung sind im Rahmen des Bildungsgesetzes geregelt. Auf nationaler Ebene sind die Regierung und das Ministerium für Bildung (Opetusministeriö) für die Regelungen des Bildungssystems verantwortlich; die Verantwortung für die Qualität obliegt dem Nationalen Bildungsrat (Opetushallitus).Schulische Berufsausbildung Es gibt mehr als 200 Träger der beruflichen Bildung. Die Hälfte davon sind Städte/Gemeinden, die andere Hälfte private Bildungsträger. Auch wenn die Zahl der Institutionen annähernd gleich ist, ist die Aufnahmefähigkeit der städtischen Einrichtungen bedeutend größer als die der privaten Institutionen. Die finnische Regierung unterhält mehrere Sonderinstitute und das Sámi-Bildungszentrum. Die berufliche und die praktische Ausbildung werden von der Regierung und von den örtlichen Behörden mitfinanziert. Der Unterricht und die Mahlzeiten sind für die Schüler kostenlos. Nur Lehrbücher und ähnliche Materialien sind kostenpflichtig. Bedürftige Schüler ab 17 Jahren können staatliche Unterstützung beantragen. Wenn sie während der Ausbildung nicht bei den Eltern wohnen können, bekommen sie außerdem Wohn- und Fahrtgeld. Duale Ausbildung Für die Lehre wird ein Ausbildungsvertrag unterschrieben. Er ist gesetzlich geregelt, die Verantwortung obliegt dem Nationalen Bildungsrat (Opetushallitus). Die Ausbildungsverträge müssen von einer örtlichen Berufsausbildungsbehörde genehmigt werden. Der Ausbildungsbetrieb erhält vom Staat einen Zuschuss. Die Auszubildenden erhalten für die Zeit, in der sie im Betrieb sind, eine Vergütung, die sich nach den Tarifverträgen richtet. Für die Theoriephasen an der Berufsschule können Bedürftige staatliche Unterstützung beantragen. Wenn sie während der Ausbildung nicht bei den Eltern wohnen, bekommen sie außerdem Wohn- und Fahrtgeld. QualifikationenEs gibt drei Arten beruflicher Abschlussprüfungen in Finnland:Berufliche Grundprüfung (Ammatilliset perustutkinnot) Um diese Prüfung abzulegen, muss man in der Regel eine dreijährige schulische oder duale Ausbildung absolviert haben. Die Prüfung berechtigt zur allgemeinen Berufsausübung oder zum Studium an einer Fachhochschule oder Universität. An manchen Schulen kann man auch die berufliche Grundprüfung gemeinsam mit der allgemeinen Hochschulreife ablegen. Wer die schulische Berufsausbildung vorzeitig beendet, bekommt ein Abgangszeugnis, in dem die Noten der abgeschlossenen Kurse aufgeführt sind. Auf Anfrage können die Schülerinnen und Schüler auch ein Zeugnis über die bereits abgeschlossenen Kurse erhalten, während sie noch in der Ausbildung sind. Berufsprüfung (ammattitutkinnot) Die Berufsprüfung richtet sich an Erwachsene und bescheinigt praktische Fertigkeiten in einem beruflichen Spezialgebiet. Diese Fertigkeiten erwirbt man durch praktische Erfahrung, Vorbereitungskurse an Berufsschulen oder eine verkürzte duale Ausbildung. Berufliche Fachprüfung (erikoisammattitutkinnot) Die Berufliche Fachprüfung richtet sich ebenfalls an Erwachsene, die ihre Kenntnisse durch praktische Erfahrung, Kurse oder eine verkürzte duale Ausbildung erworben haben. Sie bescheinigt, dass man besonders anspruchsvolle Aufgaben aus der Praxis erfüllen kann. Weiterführende Links zur Beruflichen Bildung in FinnlandBerufliche Bildung:
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