Berufliche Bildung

Haben Sie Lust, im Rahmen der Ausbildung Erfahrungen im Ausland zu sammeln? Dann sollten Sie sich zunächst bei Ihrem Ausbilder oder Berufsschullehrer nach Austausch- und Praktikantenprogrammen erkundigen. Auslandsaufenthalte für Auszubildende werden in der Regel von Bildungseinrichtungen organisiert und über das EU-Bildungsprogramm Leonardo da Vinci gefördert. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.na-bibb.de > Leonardo da Vinci.

Übrigens: Mit dem Europass-Mobilitätsnachweis hat die Europäische Union ein europaweit einheitliches Dokument geschaffen, das alle im Ausland gemachten Lernerfahrungen dokumentiert. Der Europass enthält Angaben zu den Inhalten, den Zielen und der Dauer des Auslandsaufenthaltes. Er vermittelt damit einen genauen Überblick über den Umfang der internationalen Erfahrung und dokumentiert jede Art von Lernaufenthalten im Ausland. Weitere Informationen dazu unter: www.europass-info.de.

Informationen zu ausländischen Bidlungssystemen bietet auch der Deutsche Bildungsserver unter http://bildungssysteme-international.dipf.de. Das Online-Portal enthält Links zu Bildungsministerien, Bildungseinrichtungen, Fachgesellschaften, nationalen und internationalen Organisationen sowie zu Datenbanken mit Informationen zu über 230 Ländern und Regionen.

Wenn Sie eine berufliche Erstausbildung komplett im Ausland absolvieren möchten, benötigen Sie umfassende Informationen über das jeweilige Ausbildungssystem: Welche Ausbildungswege gibt es, wie ist der Stellenwert und das Niveau der Ausbildung, und wie wird die Ausbildung in Deutschland anerkannt? Die folgenden Angaben bieten nur einen ersten Überblick. Weiterführende Informationen finden Sie bei den genannten Stellen.

 

Überblick

In Italien gilt seit Kurzem die Schulpflicht bis zum 16. Geburtstag. Danach muss man noch zwei Jahre entweder eine Schule besuchen oder eine dreijährige berufliche Ausbildung machen. Die beruflichen Kurse nehmen Schüler auf, die die erste Stufe der Sekundarbildung abgeschlossen haben (also 14 oder 15 Jahre alt sind). Viele der beruflichen Kurse dauern insgesamt fünf Jahre, sind aber gestuft: Der erste Teil dient der Erfüllung der Bildungspflicht und einer beruflichen Grundqualifikation; danach kann man direkt ins Berufsleben einsteigen. Wer will, erwirbt mit dem zweiten Teil eine weiterführende Qualifikation, zum Beispiel auch die Studienberechtigung.

Schulische Berufsausbildung
Technische Schulen/Fachoberschulen
Zurzeit besuchen fast 900.000 Jugendliche die technischen Schulen/Fachoberschulen, die sich in zehn Zweige und 39 Unterzweige aufteilen. Ab 2010 soll es nur noch zwei verschiedene Zweige von technischen Schulen mit insgesamt elf verschiedenen Unterzweigen geben:
  • Wirtschaft (Verwaltung/Finanzen/Marketing oder Tourismus)
  • Technik (zum Beispiel Mechatronik, Logistik, Informatik, Grafik oder Chemie)

Berufliche Schulen/Berufsfachschulen
Zurzeit besuchen rund 550.000 Jugendliche die beruflichen Schulen/Berufsfachschulen, die sich in fünf Zweige und 27 Unterzweige aufteilen. Ab 2010 soll es nur noch zwei verschiedene Zweige von beruflichen Schulen mit insgesamt sechs verschiedenen Unterzweigen geben:
  • Dienstleistungen (aufgeteilt nach verschiedenen Branchen)
  • industrielle und handwerkliche Produktion

Der Unterricht soll sowohl bei technischen als auch bei beruflichen Schulen fünf Jahre dauern. In den ersten beiden Jahren überwiegen allgemein bildende Fächer, danach berufsspezifische. Einen Teil des Lehrplans können die Schulen selbst bestimmen. Der Unterricht umfasst auch praktische Unterweisung im Labor oder in der Werkstatt sowie Praktika in Betrieben.

Kunst- und Handwerksschulen
Die Kunst- und Handwerksschulen haben unterschiedliche Lehrpläne, müssen aber staatlich vorgegebene Lernziele erfüllen und auch allgemein bildende Fächer unterrichten. Die Kurse dauern zurzeit drei Jahre mit einem zweijährigen Aufbaukurs, der noch in der Experimentierphase steckt.

Höhere Ausbildungen nach Abschluss der oberen Sekundarbildung
Eine berufliche Qualifikation bietet auch die höhere technische Bildung (istruzione e formazione tecnica superiore – IFTS). Sie dauert in der Regel ein Jahr und wird von Schulen, Berufsbildungszentren, Universitäten oder Unternehmen angeboten. Die Kurse richten sich eher nach den unmittelbaren Bedürfnissen des lokalen Arbeitsmarktes, einige kann man berufsbegleitend absolvieren. Der Abschluss wird mit einem Zertifikat (certificato di specializzazione tecnica superiore) bescheinigt.

Um die technische Ausbildung zu modernisieren, hat die italienische Regierung 2008 außerdem die Einrichtung der höhere technische Schulen (istituti tecnici superiori) beschlossen. Ihre Kurse dauern zwei bis drei Jahre und vermitteln eine vertiefte berufliche Qualifikation (diploma di tecnico superiore) in innovativen Technologie-Branchen.

Auch Militär- und Polizeischulen und Einrichtungen bestimmter Behörden bilden Nachwuchs für ihre speziellen Berufe aus.

Apprendistato (betriebliche Ausbildung)
Die betriebliche Ausbildung hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Grundsätzlich gibt es drei Formen:
  • die bis zu dreijährig Ausbildung für Jugendliche ab 15, die damit ihre Bildungspflicht erfüllen (apprendistato per l’espletamento del diritto- dovere di istruzione e formazione)
  • die bis zu sechsjährig Ausbildung für Erwachsene von 18 bis 29 (apprendistato professionalizzante)
  • die Ausbildung für junge Erwachsene bis 29, die auf einer anderen Qualifikation aufbauen und zu einem höheren Diplom führt (apprendistato per l’acquisizione di un diploma o per percorsi di alta formazione)

Neben der betrieblichen Ausbildung bekommt man theoretischen Unterricht an einer regionalen Berufsschule (centro di formazione professionale). Die Berufsprofile und der Ausbildungsverlauf werden von den Regionen, den Sozialpartnern und den Ministerien festgelegt. Durch Gesetzesänderungen in den letzten Jahren ist das System allerdings noch im Wandel; für viele Berufe gibt es nicht flächendeckend Ausbildungsangebote. Gemeinsam ist diesen Ausbildungen, dass die Auszubildenden einen Ausbildungsvertrag bekommen, der ihre individuellen Lernziele festschreibt. Die Ausbildung findet zum großen Teil im Betrieb statt.

Zugang und Beratung

Die berufliche Bildung richtet sich an Personen über 15 Jahren, die die Schulpflicht noch nicht erfüllt haben, sowie an Erwachsene, die sich weiterbilden möchten (gegebenenfalls auch berufsbegleitend). Für jede Zielgruppe werden unterschiedliche Bildungsangebote organisiert.

Wer eine Berufsausbildung beginnen möchte, muss als Grundvoraussetzung die erste Stufe der Sekundarbildung erfolgreich abgeschlossen haben. Die Schule oder den Ausbildungsbetrieb können die Jugendlichen im Prinzip frei wählen (soweit Plätze vorhanden sind).

Hilfe und Beratung bei der Entscheidung bekommen Schüler im letzten Schuljahr vor der Berufsausbildung. Auch das erste Jahr der beruflichen Schulen dient noch der Orientierung, welcher Beruf am besten zu den Zielen und Fähigkeiten des Jugendlichen passt; dazu gibt es auch ein Betriebspraktikum.

Für die Berufsorientierung sind außerdem die regionalen Arbeitsverwaltungen zuständig, die auch Ausbildungsplätze vermitteln können. Daneben beraten städtische Anlaufstellen junge Leute bei der Wahl der weiterführenden Schule oder Berufsausbildung.

Die Webseiten der Arbeitsverwaltungen bieten teils sehr ausführliche Informationen an und haben auch Datenbanken, in denen lokale Ausbildungsangebote recherchiert werden können. Darüber hinaus gibt es umfassende Online-Portale zur Berufsorientierung.

Rechtsgrundlage, Förderung und Finanzierung

Das Gesetz Nr. 53 vom 28. März 2003 brachte große Veränderungen für das bisherige System. Es forderte einen Wechsel von theoretischen und praktischen Abschnitten in der beruflichen Bildung von Jugendlichen. Den Schülern wurde die Möglichkeit zugesichert, zu jedem Zeitpunkt vom berufsorientierten Zweig in den allgemeinen Zweig der Sekundarbildung zu wechseln und umgekehrt. 2006 und 2008 wurde das Bildungssystem erneut umstrukturiert; nicht alle Reformen sind bereits umgesetzt.

2004 wurde die Nationale Agentur für die Evaluation des Bildungssystems gegründet (Istituto nazionale di valutazione del sistema educativo di istruzione e formazione – INVALSI). Sie soll die Effektivität des Bildungssystems überprüfen und verbessern, auch mit Blick auf internationale Standards.

Die beruflichen Kurse für 15- bis 18-jährige Jugendliche fallen unter die Zuständigkeit der Regionen (Artikel 117 der italienischen Verfassung). Viele dieser Kurse werden vom Europäischen Sozialfonds gefördert.

Jugendliche zahlen für die Ausbildung kein Geld, solange sie damit noch ihre Bildungspflicht erfüllen. Für die letzten Jahre an der Berufsschulen wird in der Regel eine geringe Gebühr erhoben, von der bedürftige Schüler jedoch befreit werden können. Schulbücher müssen die Jugendlichen selbst bezahlen.

Qualifikationen

Viele berufliche Bildungsgänge vergeben gestufte Abschlüsse, die berufliche Qualifikationen bescheinigen und/oder zum Hochschulstudium berechtigen.

Diplom der höheren Qualifikation
Das „Diplom der höheren Qualifikation“ (Diploma di qualifica superiore) ist ein offizielles Zeugnis, das von der Region ausgestellt wird. Es wird am Ende eines Ausbildungsweges verliehen, der nicht länger als zwei Jahre dauert, und bescheinigt spezifische Kompetenzen, die eine selbstständige Arbeit erlauben. Es zertifiziert das berufliche Profil, die Kursdauer, seine Inhalte, die Art der Abschlussprüfung und die praktische Bildung, soweit sie angeboten wurde.

Diplom der beruflichen Qualifikation
Das „Diplom der beruflichen Qualifikation“ (Diploma di qualifica professionale) bekommt man am Ende des dritten Jahres an einem der beruflichen Schulen (istituti professionali). Es bescheinigt die Fähigkeit, den erlernten Beruf auszuüben. Nach weiteren zwei Jahren erhalten die Schüler das „Diplom der beruflichen Reife/berufliches Abitur“ (diploma di maturità professionale), das auch zum Hochschulstudium berechtigt.

Auch die technischen Schulen (istituti tecnici) sind in zwei Stufen aufgeteilt, doch erst in den letzten beiden Jahren spezialisiert man sich auf einen bestimmten Beruf. Am Ende erwirbt man ebenfalls die Studienberechtigung.

Die Schulen für kunsthandwerkliche Berufe (istituti d’arte) bereiten auf das Berufsleben als Handwerker vor. Nach drei Jahren bekommt man das „Diplom als Handwerksmeister“ (diploma di maestro d’arte) als berufliche Qualifikation, nach weiteren zwei Jahren die Studienberechtigung.

Wer eine betriebliche Ausbildung (apprendistato) absolviert hat, bekommt ein Zeugnis vom Ausbildungsbetrieb.

Wer einen höheren technischen Kurs absolviert hat (istruzione e formazione tecnica superiore – IFTS), bekommt am Ende von der Region ein Zeugnis über die berufliche Spezialisierung, das landesweit gültig ist.

Weiterführende Links zur Beruflichen Bildung in Italien

 

Berufliche Bildung:

Pfeil www.gufo.it
Dieses Online-Portal bietet neben Informationen zu allgemeinen Themen im Hinblick auf Leben und Arbeiten in Italien auch weiterführende Links zu Organisationen und Landesbehörden sowie die Möglichkeit zur nach Fachgebieten gegliederten Stellensuche.

Pfeil www.jobtel.it
Umfassendes Informationsportal zur Studien- und Berufsorientierung sowie zur Arbeitswelt

Pfeil www.isfol.it
Das italienische Institut für Ausbildungsentwicklung von Arbeitnehmern bietet Studien über das italienische Ausbildungssystem an (auch verfügbar in englischer und spanischer Sprache).

Pfeil www.bdp.it/scuolavoro
Neuigkeiten und Hintergrundinformationen zur Berufsausbildung sowie Linkliste zu Informationen der Regionen

Pfeil www.eurybase.eu
Informationsdatenbank für die Bildungssysteme in Europa (verfügbar auch in englischer, deutscher und französischer Sprache)

Pfeil www.cedefop.europa.eu
Quelle der Europäischen Union zu Fragen der Berufsausbildung, Mobilität, Finanzierung

Zugang und Beratung:

Pfeil www.gufo.it
Dieses Online-Portal bietet neben Informationen zu allgemeinen Themen im Hinblick auf Leben und Arbeiten in Italien auch weiterführende Links zu Organisationen und Landesbehörden sowie die Möglichkeit zur nach Fachgebieten gegliederten Stellensuche.

Pfeil www.jobtel.it
Umfassendes Informationsportal zur Studien- und Berufsorientierung sowie zur Arbeitswelt

Pfeil www.bdp.it/scuolavoro
Neuigkeiten und Hintergrundinformationen zur Berufsausbildung sowie Linkliste zu Informationen der Regionen

Rechtsgrundlage, Förderung und Finanzierung:

Pfeil www.invalsi.it
Nationale Agentur für die Evaluation des Bildungssystems

Pfeil www.fondosocialeuropeo.it
Informationsmagazin über finanzierte Ausbildung und berufliche Kurse

Qualifikationen:

Pfeil www.isfol.it
Das italienische Institut für Ausbildungsentwicklung von Arbeitnehmern bietet Studien über das italienische Ausbildungssystem an (auch verfügbar in englischer und spanischer Sprache).

Pfeil www.form-azione.it
Internetseite der Emilia Romagna Regionalagentur, die für die Arbeitsvermittlung und -politik zuständig ist. Eine Sektion bietet Informationen zur beruflichen Ausbildung an.

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Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) - Info-Center der ZAV: 0228 / 713 13 13 - E-Mail: zav-auslandsvermittlung@arbeitsagentur.de