Berufliche Bildung
Haben Sie Lust, im Rahmen der Ausbildung Erfahrungen im Ausland zu sammeln? Dann sollten Sie sich zunächst bei Ihrem Ausbilder oder Berufsschullehrer nach Austausch- und Praktikantenprogrammen erkundigen. Auslandsaufenthalte für Auszubildende werden in der Regel von Bildungseinrichtungen organisiert und über das EU-Bildungsprogramm Leonardo da Vinci gefördert. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.na-bibb.de/leonardo.
ÜberblickDas Ausbildungssystem ist mit dem deutschen dualen System, in dem Teile der Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule stattfinden, nicht vergleichbar. Die berufliche Ausbildung erfolgt überwiegend als Vollzeitunterricht an Schulen. Eine Berufsausbildung dauert drei Jahre. Während im ersten Ausbildungsjahr die Grundausbildung stattfindet, werden im zweiten Jahr stärker spezialisierte Ausbildungsinhalte vermittelt. Um den notwendigen Praxisbezug sicherzustellen, finden mindestens 15 Prozent der Ausbildungszeit in Betrieben statt. Am Ende der Ausbildung steht ein qualifizierter Berufsabschluss, der zu einer höheren Ausbildung berechtigt. Daneben gibt es als Pilotprojekt auch einige duale Ausbildungsgänge. In Schweden ist das NRP (Nationellt Referenscentrum för Information om Yrkesutbildning) die Nationale Referenzstelle für Transparenz Beruflicher Qualifikationen.Auf seiner Internetseite www.senrp.se bietet es Informationen über das berufliche, fachliche und technische Niveau schwedischer Qualifikationen. Berufliche Bildung für Jugendliche Schüler, die nach Abschluss der verpflichtenden Gemeinschaftsschule (grundskola) die dreijährige weiterführende Schule (gymnasieskola) besuchen, können zurzeit einen von 17 verschiedenen Kursen wählen. Drei allgemein bildende Programme sind die Grundlage für ein Hochschulstudium, 14 berufsbildende Programme bereiten auf verschiedene Berufe vor. Die derzeitigen berufsbildenden Programme sind:
Die berufsbildenden Programme beinhalten auch acht Kernfächer (kärnämnen) wie Englisch, Sport und Mathematik, die überall gleich sind. Hinzu kommen Projektarbeit (projektarbete), programmspezifische Fächer (karaktersämnen) und Fächer zur Arbeitsvorbereitung (arbetsförlagd utbildning). Die Bildung in der Schule vermittelt Grundkenntnisse über den gewünschten Beruf, ergänzt durch 15 Wochen Betriebspraktikum. Um den Beruf auszuüben, braucht man nach dem Schulabschlusszeugnis in der Regel eine weitere Qualifikation, die man zum Beispiel durch eine ein- oder zweijährige betriebliche Lehre oder durch den Besuch einer höheren Schule erwirbt. Ab Herbst 2011 wird die weiterführende Schule voraussichtlich sechs allgemein bildende und zwölf berufsbildende Bildungsprogramme zur Auswahl bieten. Allen gemeinsam sind weiterhin acht Kernfächer, wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung. Als berufsbildende Programme sind geplant:
Parallel zu dieser schulischen Berufsbildung gibt es seit 2008 als Pilotprojekt auch eine duale Ausbildung für Jugendliche (gymnasial lärlingsutbildning). Mindestens die Hälfte der Ausbildung wird im Betrieb durchgeführt, dafür sind weniger Unterrichtsstunden in den Kernfächern vorgesehen. Anforderungen und Prüfungsziele von schulischer und beruflicher Bildung sollen gleich sein. Neben diesen staatlich geregelten Ausbildungssystemen gibt es auch noch Ausbildungsgänge, die von privaten Trägern zusammengestellt werden. Darunter fallen die „Ergänzungsausbildungen“ (kompletterande utbildningar), vor allem für künstlerische Berufe, Medienberufe und einige Handwerksberufe. Für Menschen mit Behinderungen oder anderen besonderen Anforderungen gibt es weitere individuelle Angebote. Berufliche Bildung für Erwachsene Für Erwachsene gibt es schon seit 2002 eine geregelte duale Berufsbildung, die qualifizierte Berufsausbildung (kvalificerad yrkesutbildning – KY). Voraussetzung ist der Abschluss der weiterführenden Schule oder vergleichbare Kenntnisse. Diese Ausbildung dauert ein bis drei Jahre (zumeist zwei Jahre). Etwa ein Drittel der Zeit verbringt man im Betrieb, die übrige Zeit mit theoretischen Kursen. Es gibt rund 400 verschiedene Ausbildungen bei unterschiedlichen Bildungsträgern – Gemeinden, privaten Einrichtungen und Hochschulen in Zusammenarbeit mit Unternehmen. Die Kurse werden von der Behörde für qualifizierte Berufsausbildung (Myndigheten för kvalificerad yrkesutbildning) zertifiziert und vom Staat gefördert. Für Erwachsene, die ihre Kenntnisse in einem bestimmten Beruf vertiefen wollen, gibt es außerdem „Aufbau-Ausbildungsgänge“ (påbyggnadsutbildningar) mit lokalen oder nationalen Unterrichtsplänen. Auch die Volkshochschulen (folkhögskolor) bieten kürzere oder längere berufliche Kurse an. Im Herbst 2009 startet die neue „Berufshochschulausbildung“ (Yrkeshögskoleutbildning), die verschiedene weiterführende Berufsausbildungen zusammenführt. Es gibt zunächst rund 90 verschiedene Ausbildungsgänge, die Theorie und betriebliche Praxis miteinander verbinden. Inhalte und Kursdauer werden den aktuellen Erfordernissen des Arbeitsmarktes angepasst. Der Abschluss qualifiziert direkt für anspruchsvolle Aufgaben. Die qualifizierte Berufsausbildung KY soll dennoch fortgeführt werden (mindestens bis 2013). Zugang und BeratungZugangsvoraussetzungenDie einzige Voraussetzung für die Aufnahme in die weiterführende Schule (gymnasieskola) ist zurzeit der erfolgreiche Abschluss der Gemeinschaftsschule (grundskola) in den Fächern Schwedisch, Englisch und Mathematik. Wer die Kriterien nicht erfüllt, kann an individuell zusammengestellten Bildungsprogrammen teilnehmen. Ab Herbst 2011 sollen nach den Plänen der Regierung strengere Aufnahmekriterien für die weiterführende Schule eingeführt werden. Für das studienvorbereitende Programm (högskoleförberedande program) sind dies Mindestnoten in zwölf Fächern. Die Aufnahmekriterien für das berufliche Programm (yrkesprogram) stehen noch nicht fest. Für die neue duale Ausbildung (gymnasial lärlingsutbildning) bewerben sich Jugendliche zurzeit über ihre Schule. Die Schule muss für die Teilnahme an dem Pilotprojekt zugelassen sein. Die Qualifizierte Berufsausbildung (kvalificerad yrkesutbildning – KY) steht Absolventen der weiterführenden Schule offen, aber auch Erwachsenen, die schon arbeiten und ihre Kompetenzen in einem bestimmten Bereich weiterentwickeln möchten. Für die neuen dualen Studiengänge an einer Berufshochschule (yrkeshögskole) erfragen Sie die Zugangsvoraussetzungen am besten direkt bei den einzelnen Bildungsträgern. Berufsberatung Da die Grundausbildung in der Schule stattfindet, fängt auch die Berufsberatung in der Schule an. Ein ausgedehntes Netzwerk von Berufsberatungszentren in Schulen, Universitäten und Weiterbildungseinrichtungen hilft den Jugendlichen, sich für einen Beruf zu entscheiden. Zusätzlich haben sie Zugang zu weiteren Informationsmöglichkeiten:
Rechtsgrundlage, Förderung und FinanzierungDie berufliche Bildung in Schweden liegt in der Zuständigkeit des Ministeriums für Bildung und Forschung und der örtlichen Behörden. Die nationale Bildungsagentur (Skolverket) ist die zentrale Verwaltungsbehörde für das schwedische öffentliche Schulsystem. Wer – wie die meisten Jugendlichen in Schweden – seine berufliche Grundbildung an der weiterführenden Schule erwirbt, zahlt keine Gebühren, er bekommt allerdings auch keine Vergütung.Seit 2008 läuft ein Pilotprojekt der Regierung, nach dem die berufliche Ausbildung auch in dualer Form stattfinden kann, also teils im Betrieb und teils an der Schule (gymnasial lärlingsutbildning). Die meisten Auszubildenden haben einen Anstellungsvertrag bei dem Betrieb, in dem sie arbeiten und lernen. Mit oder ohne Anstellungsvertrag haben sie Anspruch auf einen staatlichen Zuschuss (studiebidrag). Auch für die Qualifizierte Berufsausbildung (KY) und für die neuen dualen Studiengänge an einer Berufshochschule (yrkeshögskoler) bekommt man keine Ausbildungsvergütung vom Betrieb. Einige der privaten Ergänzungsausbildungen (kompletterande utbildningar) sind gebührenpflichtig. Finanzielle Unterstützung bekommen Schüler, Auszubildende und Studenten vom Zentralrat für die Studentenförderung (Centrala studiestödsnämnden – CSN). Wer unter 20 ist, bekommt automatisch den Grundzuschuss von 1.050 Kronen pro Unterrichtsmonat (studiebidraget). Bis zu 855 Kronen monatlich können Jugendliche zusätzlich beantragen, wenn sie bedürftig sind, und noch einmal bis zu 2.350 Kronen, wenn die Schule weit weg vom Elternhaus liegt. In dem Jahr, in dem man 20 Jahre alt wird, muss man für die Förderung einen Antrag stellen. Die Unterstützung (studiemedel) gibt es nur unter bestimmten Voraussetzungen; unter anderem muss man bestimmte Noten erreichen und mindestens halbtags lernen. Man bekommt bis zu 2.684 Kronen als monatlichen Zuschuss und bis zu 5.136 Kronen als Darlehen; Zulagen für Kinder oder andere Sonderfälle sind möglich. QualifikationenBerufliche Bildung für JugendlicheDie berufliche Grundausbildung innerhalb der Sekundarschule wird im Rahmen gewöhnlicher Klassenarbeiten bewertet. Die Schulabschlusszeugnisse enthalten detaillierte Informationen über die absolvierten praktischen Lernphasen. Nach Ende der Schulzeit dürfen die Jugendlichen Prüfungen wiederholen, um ihre Noten zu verbessern. Viele der berufsbildenden Programme in der weiterführenden Schule führen zurzeit noch zu keiner Berufsqualifikation; man muss nach Schulabschluss noch eine ein- bis zweijährige Lehre anschließen, um den Beruf ausüben zu dürfen. Das Prüfungssystem wird im Rahmen der aktuell geplanten Reformen voraussichtlich umgestellt. Bis zum Herbst 2011 sollen wieder Abschlussprüfungen eingeführt werden (eine berufliche Prüfung – yrkesexamen – und eine Hochschulzugangsprüfung – högskoleförberedande examen). Für die berufliche Abschlussprüfung muss man unter anderem Mindestnoten in Schwedisch, Englisch und Mathematik erzielen, ebenso in den wichtigsten beruflichen Kursen. Das Notensystem wird stärker differenziert. Die berufliche Prüfung soll die gleichen Ansprüche haben und die gleichen Qualifikationen bringen, unabhängig davon, ob man die weiterführende Schule (gymnasieskola) besucht hat oder die neue duale Ausbildung (gymnasial lärlingsutbildning) absolviert hat. Mit Zusatzkursen in Schwedisch und Englisch kann man auch die Hochschulzugangsberechtigung erwerben. Berufliche Bildung für Erwachsene Alle Kurse der qualifizierten Berufsausbildung (KY) führen zu einem Zertifikat (utbildningsbevis). Nach Kursen, die mindestens 40 Studienwochen dauern, erhält man ein qualifiziertes berufliches Zeugnis (kvalificerad yrkesexamen). Es finden keine Abschlussprüfungen statt. Nach einem einjährigen Studiengang im neuen System der Berufshochschule (yrkeshögskole) legt man eine berufliche Hochschulprüfung ab (yrkeshögskoleexamen). Zweijährige Studiengänge führen zur qualifizierten Prüfung (kvalificerad yrkeshögskoleexamen). Bei einigen Ausbildungsgängen gibt es keine Abschlussprüfung, für sie bekommt man ein Zertifikat (utbildningsbevis). Manche Berufe in Schweden sind reglementiert. Das bedeutet, dass es detaillierte festgeschriebene Voraussetzungen gibt, um den betreffenden Beruf ausüben zu können. Weiterführende Links zur Beruflichen Bildung in SchwedenBerufliche Bildung:
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