Berufliche Bildung
Haben Sie Lust, im Rahmen der Ausbildung Erfahrungen im Ausland zu sammeln? Dann sollten Sie sich zunächst bei Ihrem Ausbilder oder Berufsschullehrer nach Austausch- und Praktikantenprogrammen erkundigen. Auslandsaufenthalte für Auszubildende werden in der Regel von Bildungseinrichtungen organisiert und über das EU-Bildungsprogramm Leonardo da Vinci gefördert. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.na-bibb.de > Leonardo da Vinci.
ÜberblickIm Zuge der Reform des Bildungssystems von 1986 und der Reform der beruflichen Bildung von 1991 entstanden drei Hauptbildungszweige, die wenig miteinander verzahnt sind. Zurzeit soll das Bildungssystem wieder reformiert werden: Primäres Ziel ist es, das Lebenslange Lernen zu fördern. So sind alle Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, über einen Zeitraum von insgesamt zwölf Jahren Bildungsangebote wahrzunehmen – Schulbildung oder berufliche (Aus-)Bildung können ein Teil davon sein. Außerdem will man Kompetenzen und Abschlüsse besser regeln, die Angebote zur Berufsinformation verstärken sowie vor allem die berufsbildenden Angebote erweitern (Initiative Novas Oportunidades, „Neue Chancen“).Schulische Berufsbildung (Cursos Profissionais) Schon in der Grundschule und in der unteren Sekundarbildung werden berufliche Kurse angeboten. In der oberen Sekundarschule kann man dann zwischen einem allgemeinbildenden Zweig, dem berufsbildenden, technologischen oder künstlerischen Zweig wählen. Die Ausbildungsdauer beträgt hier drei Jahre (für 15- bis 18-Jährige), man kann auch zwischen den Zweigen wechseln. Duale Berufsbildung (Cursos de Aprendizagem) Die duale Berufsausbildung dient der Qualifikation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 25 Jahre, die möglichst bald ins Berufsleben eintreten möchten. Ein Teil der Ausbildung erfolgt in Bildungszentren, ein Teil als praktische Ausbildung bei Unternehmen. Die Kurse dauern zwischen 970 und 4.500 Stunden, je nach gewähltem Beruf und Niveau. Nach Abschluss der höheren Sekundarbildung gibt es die Möglichkeit, einen Kurs zur technischen Spezialisierung (Curso de Especialização Tecnológica) zu besuchen. Diese Kurse richten sich an 18- bis 19-Jährige und werden zum Beispiel von Hochschulen in Zusammenarbeit mit Unternehmen angeboten. Die duale Ausbildung wird vom Institut für Beschäftigung und Berufliche Bildung (Instituto do Emprego e Formação Profissional – IEFP) gefördert. Andere Formen der Berufsbildung
Zugang und BeratungZugang zur schulischen Berufsbildung (Cursos Profissionais)Die allgemeine Zugangsvoraussetzung für eine schulische Berufsausbildung ist der Abschluss der unteren Sekundarstufe. Wer schon 18 Jahre alt ist, muss spezielle Berufsausbildungskurse für Erwachsene besuchen. Der Zugang zu diesen Kursen ist begrenzt, deshalb gibt es ein Aufnahmeverfahren, das die Berufsschule bestimmt. Zugang zur dualen Berufsbildung (Cursos de Aprendizagem) Die Zugangsvoraussetzungen für die duale Berufsausbildung sind je nach Niveau des Kurses unterschiedlich. Angeboten werden Kurse des Niveaus II, Kurse des Niveaus III und technologische Spezialisierungskurse (Cursos de Especialização Tecnológica). Um einen Kurs auf Niveau II zu besuchen, müssen die Bewerber älter als 15 Jahre sein und die zweite Phase der Grundbildung abgeschlossen haben, die in der Regel an Grundschulen angeboten wird. Um einen Kurs auf dem Niveau III zu beginnen, müssen die Bewerber die dritte Stufe der Grundbildung, also auch die untere Sekundarschule, abgeschlossen haben. Wer einen technologischen Spezialisierungskurs absolvieren will, muss zuvor die höhere Sekundarbildung vollendet haben. Über eine duale Berufsausbildung kann man sich in einem der Jobzentren des Institut für Beschäftigung und Berufliche Bildung (Instituto do Emprego e Formação Profissional – IEFP) informieren. Der Zugang hängt neben dem Schulabschluss auch von der Zahl der freien Stellen, einer Eingangsprüfung und einem Gesundheitsattest ab. Berufsberatung Bei der Berufsorientierung helfen Psychologen, die auf Berufsberatung und Kompetenzevaluierung spezialisiert sind und ihre Dienste kostenlos im gesamten Netzwerk der IEFP-Jobzentren anbieten. Die Berufsbildungszentren sowie viele der Grund- und Sekundarschulen bieten Jugendlichen ebenfalls psychologische Hilfe und Berufsberatung. Im Zuge der jüngsten Reformen sollen die Informationsangebote weiter ausgebaut werden. Rechtsgrundlage, Förderung und FinanzierungFür das portugiesische Bildungssystem sind verschiedene Behörden zuständig: Das Ministerium für Bildung (Ministério da Educação) beaufsichtigt die berufliche Bildung, soweit sie zum allgemeinen Bildungssystem gehört; Basis hierfür ist das Grundgesetz über das Bildungssystem. Das Ministerium für Arbeit und Soziale Solidarität (Ministério do Trabalho e da Solidariedade Social) führt Aufsicht über die berufliche Bildung, soweit sie als Teil des Arbeitsmarktes verstanden wird; Basis hierfür ist das Rahmengesetz der Berufsbildung. Bei der inhaltlichen Ausgestaltung der Bildungsangebote werden die Sozialpartner, wie Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und lokale Behörden, einbezogen.Schulische Berufsbildung als Teil des allgemeinen Bildungssystems Auf Grundbildungsebene untersteht die Einrichtung der Kurse sowohl dem Ministerium für Bildung als auch dem Ministerium für Arbeit und Soziale Solidarität. Der Besuch von beruflichen Kursen berechtigt die Teilnehmer zu staatlichen Beihilfen und Zuschüssen. Duale Berufsbildung als Teil des Arbeitsmarktes Die Schaffung und Regelung von dualen Ausbildungsangeboten untersteht dem Nationalen Ausschuss für die Ausbildung, in dem auch Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände vertreten sind und der das Ministerium für Arbeit und Soziale Solidarität berät. Die Auszubildenden haben ein Recht auf finanzielle Unterstützung, nämlich Verpflegungs- und Transporthilfen. Andere Formen der Berufsbildung Weitere Kurse organisiert das Ministerium für Arbeit und Soziale Solidarität oder in manchen Fällen auch das jeweilige Ministerium, das die Aufsicht über den entsprechenden beruflichen Bereich ausübt – zum Beispiel das Gesundheitsministerium oder das Landwirtschaftsministerium. Auch hier können die Auszubildenden finanzielle Unterstützung beantragen. QualifikationenSchulische BerufsbildungDie schulische Berufsausbildung vermittelt den Schülern einen Schulabschluss und eine berufliche Qualifikation des Niveaus I oder II, mit der sie unmittelbar eine Arbeit aufnehmen können. Wer die Sekundarbildung erfolgreich abgeschlossen oder ein gleichwertiges Zeugnis erhalten hat, kann sich für die technologischen Spezialisierungskurse (Cursos de Especialização Tecnológica) anmelden. Nach Abschluss dieser Spezialisierung erhält man ein Fachdiplom und eine Bestätigung der beruflichen Qualifikation des Niveaus IV. Duale Berufsbildung Bei erfolgreichem Abschluss dieser Kurse wird ein Zertifikat der beruflichen Befähigung ausgestellt. Je nachdem, wie lang die Ausbildung gedauert hat, bekommt man ein Zeugnis, das die entsprechenden Kurse, Abschlüsse und beruflichen Qualifikationsniveaus bescheinigt. Gleichzeitig bekommt man ein Diplom, das einem Schulabschluss nach dem 6., 9. oder 12. Schuljahr entspricht. Andere Formen der Berufsbildung Auch die anderen Formen der Berufsbildung vermitteln häufig sowohl einen Schulabschluss als auch ein berufliches Zertifikat, teilweise in Modulen. Wer in Portugal an einer Hochschule studieren möchte, muss in der Regel eine Zugangsprüfung ablegen, deren Inhalte das Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Hochschulbildung landesweit vorgibt. Wer einen technologischen Spezialisierungskurs an einer Hochschule absolviert hat, kann sich Inhalte dieser Kurse für sein Studium anrechnen lassen. Weiterführende Links zur Beruflichen Bildung in Portugal:
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