Studieren in Frankreich

 

Hochschullandschaft

Eine Besonderheit des französischen Hochschulsystems sind die Grandes Écoles, an denen in vier oder fünf Jahren die Führungselite Frankreichs ausgebildet wird. Jede Grande École hat sich auf ein Fach beziehungsweise eine Fächergruppe spezialisiert: Dabei sind die Ingenieur- und die Handelshochschulen am häufigsten vertreten. Das Fachstudium wird durch allgemeinbildende und persönlichkeitsfördernde Kurse, Programme und Auslandsaufenthalte ergänzt, um die Studierenden auf ihre künftige Führungsrolle vorzubereiten. Die Grandes Écoles bieten hervorragende Studienbedingungen: Viele Lehrbeauftragte kommen aus der Praxis, Studierende werden persönlich und intensiv betreut, man nutzt moderne Lehrmittel, und die allgemeine Leistungsbereitschaft ist sehr hoch. Wer an einer Grande École studieren möchte, muss sich in einem sehr anspruchsvollen Aufnahmetest gegen konkurrierende Bewerberinnen und Bewerber durchsetzen.

Im Gegensatz zu den Grandes Écoles sind die Universitäten (Universités) grundsätzlich verpflichtet, alle studieninteressierten Abiturienten auzunehmen – eine Ausnahme gilt lediglich für Studiengänge mit begrenzter Studienplatzanzahl. Die Universitäten sind staatlich und bieten allgemeine und berufsbildende Studiengänge an. Finanziell sind sie in der Regel schlechter ausgestattet als die Grandes Écoles. Zu ihnen gehören die IUT (Instituts universitaires de technologie) und die Ingenieurschulen. Die IUFM (Instituts universitaires de formation des maîtres; www.iufm.education.fr) bilden Lehrerinnen und Lehrer für die Primar- und Sekundarstufe aus.

Über 300.000 Studierende sind für Studiengänge eingeschrieben, die in staatlichen oder staatlich anerkannten Gymnasien (Lycées) eingegliedert sind. Zu diesen Studiengängen gehören die Vorbereitungsklassen für die Grandes Écoles und die Fachingenieurschulen (STS – Sections de techniciens supérieurs). Ähnlich viele Studierende nutzen andere staatliche und staatlich anerkannte Lehreinrichtungen, die den verschiedenen Fachministerien unterstehen, zum Beispiel Schulen für medizinische und soziale Berufe (Gesundheitsministerium), Kunst- und Kulturhochschulen (Ministerium für Kultur und Kommunikation) oder Ingenieurhochschulen (Bildungsministerium). Eine Übersicht und Listen der verschiedenen Hochschultypen gibt es auf der Internetseite www.enseignementsup-recherche.gouv.fr (> Enseignement supérieure). Das Studienangebot der Universitäten und Grandes Écoles kann auf der Internetseite www.onisep.fr eingesehen werden.

Weitere Informationen über die Grandes Écoles finden Sie unter www.cge.asso.fr.

Fernstudium

Jede Universität bietet Fernstudiengänge an. Zur Informationsbündelung und zum Ausbau des Angebots dienen Organisationen wie die FIED (Fédération Interuniversitaire d’Enseignement à Distance) und das CNED (Centre National d’Enseignement à Distance). Der FIED gehören rund 25 Universitäten an. Das CNED ist Beratungsstelle, Kursanbieter und Agentur für andere Bildungsinstitutionen. Einzelheiten zum Fernstudium in Frankreich finden Sie auf den Websites der beiden Organisationen, http://telesup.univ-mrs.fr und www.cned.fr.

Informationen zum Studium

Das akademische Jahr beginnt im Oktober und läuft bis Mai, anschließend finden Prüfungen statt. Die Studiengänge sind in drei Studienabschnitte unterteilt. Die entsprechenden Abschlüsse heißen Bachelor/License, Master und Doctorat. Weitere Abschlüsse gibt es an speziellen Hochschulen (zum Beispiel Kunst, Architektur) und in bestimmten Studienfächern (Medizin etc.). Details dazu finden Sie unter www.onisep.fr (> Mes infos > Étudiant étranger) und unter www.studieren-in-frankreich.de (> Studiengänge).

Französische Arbeitgeber achten heute nicht mehr so sehr auf den Hochschulabschluss, sondern vor allem auf die Anzahl der Studienjahre. So wird man in vielen Stellenanzeigen als Voraussetzung für die Besetzung einer Stelle nicht den akademischen Grad lesen, sondern zum Beispiel BAC+4 oder BAC+5 (BAC steht für Baccalauréat, die allgemeine Hochschulreife).

License (BAC +3): Voraussetzung ist die allgemeine Hochschulreife (Baccalauréat). Die License entspricht dem europäischen Bachelor, das Studium dauert sechs Semester. In jedem Studienjahr erwirbt man 60 Studienpunkte, die auch zwischen europäischen Universitäten übertragbar sind. Die License vermittelt eine breite Grundbildung in einem oder mehreren Fächern. Die alten Studienabschlüsse sollen in das License-Studium integriert werden: Nach zwei Jahren kann man zum Beispiel das DUT (diplôme universitaire de technologie) oder das BTS (brevet de technicien supérieur) ablegen.

Master (BAC +5): Voraussetzung ist in der Regel eine License in einem vergleichbaren Fachgebiet. Das Masterstudium dauert zwei Jahre, in denen man insgesamt 120 Studienpunkte erwirbt. Nach dem zweiten Semester wird eine Zwischenprüfung abgelegt. Ein Praktikum in einem Unternehmen oder Labor ist Pflicht. Das Studium ist berufsorientiert (master pro) oder forschungsorientiert (master recherche). Doctorat (BAC +8): Das Promotionsstudium dauert drei, teilweise vier Jahre; neben der Doktorarbeit müssen die Studierenden allgemeinbildende, wissenschaftliche und berufsorientierte Kurse absolvieren. Weitere Informationen zum Thema Studium in Frankreich liefern die Länderinformationen des DAAD (www.daad.de), die Internetseite des französischen Kulturinstituts (www.studieren-in-frankreich.de) und das französische Bildungsportal der Égide (www.egide.asso.fr).

Studiengebühren

Das Studium an staatlichen Hochschulen ist in Frankreich kostenlos. Die Immatrikulationsgebühren unterscheiden sich je nach Fachrichtung oder Studienabschnitt – im Schnitt liegen sie für Bachelor/Licence-Studiengänge bei 200 €, für die meisten Studiengänge bei circa 160 € pro Studienjahr. Für ingenieurwissenschaftliche und medizinische Studiengänge müssen bis zu 520 € bezahlt werden, für einen Master etwa 230 €. Hinzu kommen Gebühren für die studentische Sozialversicherung (Régime étudiant de la sécurité sociale). Alle Studierenden müssen entweder dort versichert sein oder bei der Immatrikulation einen anderen Versicherungsnachweis erbringen. Eine detaillierte Übersicht über die Studiengebühren finden Sie unter www.studieren-in-frankreich.de.

Zulassung und Bewerbung

Deutsche mit Hochschulreife können sich direkt an der französischen Universität ihrer Wahl einschreiben. Ausgenommen hiervon sind die Fächer Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie in Paris und Umgebung. Details zu diesen Studiengängen finden Sie unter www.studieren-in-frankreich.de (> Studieren > Fachrichtungen > Medizin).

Für ein Studium an einer französischen Hochschule müssen ausländische Studienbewerber eine Hochschulzugangsberechtigung nachweisen, die dem französischen Baccalauréat gleichgestellt ist. Für deutsche Staatsangehörige ist dies das Abitur. Außerdem müssen ausländische Studienbewerber über ausreichende Französischkenntnisse verfügen. Offiziell können EU-Bürger ohne Sprachnachweise an einer französischen Hochschule studieren. Die Universität darf jedoch die Kenntnisse der Studierenden prüfen, zum Beispiel durch einen Sprachtest vor Ort. Von diesem Test werden ausländische Studierende befreit, die ein französisches Baccalauréat, ein europäisches oder deutsch-französisches Abitur, eine mindestens ausreichende Note im Leistungskurs Französisch oder das Sprachdiplom DELF (Diplôme d’Études en Langue Française) oder DALF (Diplôme approfondi de Langue Française) haben.

Wer die Fachhochschulreife besitzt und an einer Hochschule in Frankreich studieren möchte, muss beim Leiter der gewählten Lehreinrichtung eine Ausnahmegenehmigung zur Studienaufnahme beantragen. In einer Sonderprüfung können Bewerber einen Abschluss erlangen, der den Studienzugang auch ohne Abitur ermöglicht (DAEU, Diplôme d’accès aux études universitaires). Französische Universitäten kennen im Allgemeinen keine anderen Zugangsvoraussetzungen als die Hochschulreife. Eine Ausnahme bilden einige wenige Studiengänge mit begrenzten Studienplätzen und speziellem Zulassungsverfahren. Der Zugang zu den Grandes Écoles ist nur nach einer Eignungsprüfung (concours d’entrée) oder nach Prüfung der bisherigen Leistungen durch einen pädagogischen Ausschuss möglich. Mehr Informationen unter www.studieren-in-frankreich.de.

Finanzierung

Deutsche, die ihr Studium ganz oder teilweise im Ausland absolvieren möchten, können nach dem neuen Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) leichter gefördert werden. Unter www.das-neue-bafoeg.de erfahren Sie mehr darüber. Auf der Internetseite finden Sie auch ein nach Ländern gegliedertes Verzeichnis der Ämter für Ausbildungsförderung.

Das europäische Bildungsprogramm Erasmus fördert Studienaufenthalte im europäischen Ausland. Im Rahmen dieses Bildungsprogramms können Studierende für die Dauer von drei Monaten bis zu einem vollen Studienjahr im Ausland verbringen. Das Stipendium ist eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung eines Auslandsstudiums. Hier ist der DAAD die erste Adresse (http://eu.daad.de).

Nach dem Studium

Voraussetzung für ein Promotionsstudium ist in Frankreich der forschungsorientierte Master (master recherche), früher DEA (Diplôme d’Études Approfondies). Man kann von dieser Voraussetzung entbunden werden, wenn man Erfahrungen in der Durchführung wissenschaftlicher Arbeiten nachweist und ein außergewöhnlich interessantes Forschungsthema vorschlägt. Das Promotionsstudium schließt mit einer schriftlichen Doktorarbeit (thèse) ab, die verteidigt werden muss. Eine mündliche Prüfung findet nicht statt.Wer als deutscher Promotionsanwärter seine wissenschaftliche Anbindung an Deutschland und Frankreich sicherstellen möchte, sollte eine binationale Promotion (cotutelle de thèse) in Erwägung ziehen. Mehr Informationen unter www.hrk.de (> Service für Hochschulmitglieder > Cotutelle). Das Stipendienprogramm „Eiffel Doctorat“ fördert Frankreich-Aufenthalte von hoch qualifizierten Doktoranden und Doktorandinnen, die eine solche binationale Promotion anstreben. Weitere Informationen finden Sie unter www.egide.asso.fr.

Berufseinstieg für Hochschulabsolventen

Mehr als jeder fünfte Berufseinsteiger hat in Frankreich keinen Job: Die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen liegt bei 22,2 Prozent und damit geringfügig über dem Durchschnitt in der EU (20,6 Prozent, alle Zahlen Eurostat, Juni 2010).

Wer frisch von der Hochschule kommt, findet allerdings leichter eine Arbeitsstelle als Personen ohne oder mit nur geringer Qualifikation. Unter den Hochschulabsolventinnen und -absolventen bestehen dabei allerdings Unterschiede – je nach Studienfach und je nachdem, ob man von einer Université kommt oder von einer der Grandes Écoles.

Inbesondere an den Grandes Écoles de commerce und den Grandes Écoles d’ingénieurs wird die Elite Frankreichs ausgebildet. Wer dort ein Studium abschließt, hat in der Regel keinerlei Probleme, umgehend eine passende Arbeitsstelle zu finden. So waren laut einer Studie von Céreq im Jahr 2007 von denjenigen Masterabsolventinnen und -absolventen, die drei Jahre zuvor an den Grandes Écoles ihren Abschluss gemacht hatten, im Schnitt lediglich 4 Prozent arbeitslos. Unter den Université-Abgängerinnen und -Abgängern waren es je nach Abschluss 7 Prozent (Licence) oder 10 Prozent (Maîtrise). Beide Abschlüsse entsprechen dem Bachelorgrad. Von den Absolventinnen und Absolventen mit einem Masterabschluss (oder DEA, DESS) waren 6 Prozent arbeitslos. Wer einen Mastertitel an einer Grande École erworben hat, verdiente drei Jahre nach dem Abschluss durchschnittlich 2.200 € netto pro Monat, etwa 400 € mehr als Masterabsolventinnen und -absolventen der Universités. Die Daten der Studie 2010 können Sie sich voraussichtlich ab Anfang 2011 auf der Homepage von Céreq herunterladen: www.cereq.fr (> Bases de données > Enquêtes Générations). Absolventinnen und Absolventen deutscher Hochschulen werden von französischen Arbeitgebern in der Regel mit französischen Université-Absolventen gleichgesetzt.

„Autorität leitet sich in Frankreich sehr stark auch von der besuchten Hochschule ab. Markenzeichen fast aller Topmanager ist ein Diplom der Grandes Écoles. Führend sind die Polytechnique, die Ecole Nationale d’Administration (ENA) sowie die Haute Ecoles des Hautes Etudes Commerciales (HEC). Der Doktortitel ist kein klassischer Karrierekatalysator. Erfolgreiche Manager haben sich auch selten hochgearbeitet oder über den zweiten Bildungsweg ihr Rüstzeug angeeignet.“

Alexandra Seidel-Lauer, Leiterin der Medienabteilung der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer


Nach Angaben der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer bestehen derzeit besonders gute Einstiegschancen für Absolventinnen und Absolventen der Ingenieurwissenschaften (BAC+5, Master) in folgenden Bereichen: Bio-, Nanotechnologie, Umwelttechnik und erneuerbare Energien, Luft- und Raumfahrt sowie Chemie. Auch in der Informatik (BAC+2/3) und in der Informations- und Kommunikationstechnologie fragen Unternehmen verstärkt Absolventinnen und Absolventen nach. Zudem werden in den kommenden Jahren aufgrund von Pensionierungen im öffentlichen Dienst viele Stellen frei – zum Beispiel im Schulwesen. Schlechter sieht die Lage für Absolventinnen und Absolventen der Geisteswissenschaften aus: Dies liegt unter anderem daran, dass die Studiengänge in diesem Bereich häufig nicht berufsspezifisch ausgerichtet sind. Auch im Bank- und Versicherungswesen werden derzeit kaum Hochschulabsolventen nachgefragt.

Unter www.cedefop.europa.eu finden Sie die Studie „Skills supply and demand in Europe. Medium-term forecast up to 2020“. Dort erfahren Sie, welche Qualifikationen auf den europäischen Arbeitsmärkten in den kommenden Jahren besonders gefragt sein werden. Die Experten haben unter anderem festgestellt, dass Personen mit fachspezifischen Hochschulabschlüssen generell leichter einen passenden Arbeitsplatz finden als Absolventen allgemein ausgerichteter Studiengänge. Persönliche Kontakte im Betrieb spielen beim Berufseinstieg eine wichtige Rolle: Mehr als jeder fünfte Masterabsolvent der Ingenieur- oder Wirtschaftswissenschaften erhielt die erste feste Stelle über Beziehungen. Daher empfiehlt es sich, bereits während des Studiums Praktika in Frankreich zu absolvieren und die Kontakte anschließend zu pflegen. Unter www.infostages.com inserieren Arbeitgeber freie Praktikumsstellen. Die Online-Jobportale der Association pour la promotion des cadres (http://jd.apec.fr) und der Association pour faciliter l’insertion des jeunes diplômés (www.afij.org) richten sich speziell an Hochschulabsolventinnen und -absolventen. Dort können Sie gezielt nach freien Stellen in den einzelnen Regionen Frankreichs suchen und erhalten viele hilfreiche Informationen für die Stellensuche.

Nach Möglichkeit sollten Sie sich bei Ihrer Jobsuche auf die Regionen Île de France, Limousin, Bretagne und Pays de la Loire konzentrieren: Hier war die Arbeitslosigkeit Anfang 2010 am geringsten.

Forschung

Unter den EU-Ländern ist Frankreich auf dem Gebiet der Forschungskooperationen der wichtigste Partner Deutschlands. Seit 1978 besteht die Deutsch-Französische Kooperation in der Verkehrsforschung – Informationen dazu erhalten Sie unter www.deufrako.org. Im Bereich der Biotechnologie gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen den nationalen Programmen „génoplante“ (www.genoplante.com) und GABI (www.gabi.de).

Darüber hinaus liegen die fachlichen Schwerpunkte der Zusammenarbeit im Bereich der Raumfahrt- und Luftfahrtforschung, der Informations- und Kommunikationstechnologien, der Meeres- und Polar-, Energie-, Gesundheits- sowie Umwelt- und Klimaforschung sowie der Nano- und Lasertechnologie. Zu den großen französischen Forschungsorganisationen gehören das Centre National de la Recherche Scientifique (www.cnrs.fr) und das Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale (www.inserm.fr).

 

Linkliste:

Pfeil www.studieren-in-frankreich.de
Das Informations- und Dokumentationszentrum für das Studium in Frankreich (CIDU) wurde von der französischen Botschaft gegründet. Die Website enthält ausführliche Informationen zum Studium in Frankreich. Außerdem bietet sie einen sehr guten Service an, z.B. kostenlose Beglaubigung und Übersetzung deutscher Abschlüsse oder persönliche Studienberatung. Hinzu kommen Tipps zum Leben in Frankreich und weiterführende Links zu wichtigen französischen Einrichtungen.

nach oben nach obenDruckversionDruckversion

Bildausschnitt: Foto einer lächelnden Frau, die mit einem Spiralblock in den Händen in einem Bibliotheksgang steht.
 
Symbolbild: Ein junger Mann vor einer Tafel mit Einsteins berühmter Formel E=mc²
 
Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) - Info-Center der ZAV: 0228 / 713 13 13 - E-Mail: zav-auslandsvermittlung@arbeitsagentur.de