Berufliche Bildung
Haben Sie Lust, im Rahmen der Ausbildung Erfahrungen im Ausland zu sammeln? Dann sollten Sie sich zunächst bei Ihrem Ausbilder oder Berufsschullehrer nach Austausch- und Praktikantenprogrammen erkundigen. Auslandsaufenthalte für Auszubildende werden in der Regel von Bildungseinrichtungen organisiert und über das EU-Bildungsprogramm Leonardo da Vinci gefördert. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.na-bibb.de/leonardo.
ÜberblickDas System der Berufsbildung ist in Bulgarien, wie das gesamte Bildungssystem, weitgehend zentralisiert. Die schulische Berufsausbildung wird vom Bildungsministerium und seinen regionalen Inspektoraten (RIO) verwaltet. Auch das Ministerium für Arbeit und Sozialpolitik (Министерство на труда и социаната политика), die Beschäftigungsagentur (Aгенция пo заетостта), die Berufsbildungsbehörde NAPOO (Националната агенция за професионално образование и обучение) und die regionalen Verwaltungsbehörden sind in das System der beruflichen Bildung eingebunden.Das Berufsbildungsgesetz kennt vier Stufen der beruflichen Qualifikation, denen jeweils ein unterschiedliches Anforderungsprofil entspricht. Für die meisten Berufe ist Stufe 3 der höchste Ausbildungsgrad; Stufe 4 kann nur in wenigen Berufen erreicht werden wie etwa Radioreporter, Trainer für Sport und Fitness oder Pilot. In einigen Berufen ist höchstens die Stufe 2 (Landwirt, Betriebswirt, Industriewirt) oder 1 (Kassierer, Lagerist, Heizer) möglich. Dauer und Inhalt der Berufsausbildung werden durch Rahmenlehrpläne festgelegt, die vom Bildungsministerium erlassen werden. Die betriebliche Ausbildung wird im Arbeitsgesetzbuch geregelt. Sowohl für den theoretischen als auch den praktischen Teil ist der Arbeitgeber verantwortlich. Der Unterricht findet in Schulungszentren der Betriebe statt oder auf Antrag der Arbeitgeber in Berufsschulen. Seit einigen Jahren bemühen sich die Handwerkskammern darum, eine duale Handwerkerausbildung (weitgehend nach deutschem Vorbild) einzuführen. Berufliche Erstausbildung Für die berufliche Erstausbildung können verschiedene Schularten gewählt werden: Die Berufsgymnasien (професионални гимназии) können nach der 7. oder 8. Klasse besucht werden und gehen bis zur 12. oder 13. Dort erhalten die Schüler – neben der „Mittleren Bildung“ (средно образование), die Voraussetzung für ein Hochschulstudium ist - eine Berufsausbildung der Stufe 2 oder 3. Die „Berufsschulen“ (професионални училища) bieten eine Kombination aus Grundbildung (основно образование) mit einfacher Berufsausbildung (Stufe 1) in Form von dreijährigen Kursen ab der 7. Klasse oder zweijährigen ab der 8. oder 9. Klasse an. Möglich sind auch Kurse, die zur Berufsqualifikation der Stufe 2 führen. Das Berufskolleg (професионален колеж) führt zur Berufsqualifikation der Stufe 4. Hier findet keine Allgemeinbildung mehr statt, sondern ausschließlich eine Berufsausbildung. Eingangsvoraussetzung ist die abgeschlossene Sekundarbildung (средно образование). Es gibt in Bulgarien 414 Berufsgymnasien (davon 39 private), 39 Berufskollegs (alle privat betrieben) und 5 Berufsschulen (професионални училища, alle staatlich). Die meisten Schülerinnen und Schüler besuchen staatliche Schulen. Einen rechtlichen Sonderstatus haben die sogenannten Kunstschulen (21, davon eine privat), die Sportschulen (17) sowie seit 2006 auch die „Kulturschulen“ (2). Weiterbildung Zur Weiterbildung (продължаващо професионално обучение) gehören in Bulgarien im weitesten Sinne alle Maßnahmen der beruflichen Bildung, die sich an Personen über 16 Jahre mit abgeschlossener beruflicher Erstausbildung richten. Die Regierung fördert seit einigen Jahren gezielt die Umschulung von Arbeitslosen und Arbeitnehmern. Koordiniert werden die Programme von der Beschäftigungsbehörde (Агенция за заетостта) und ihren lokalen Büros (Arbeitsämtern, Бюра по труда). Die Kurse selbst werden von unterschiedlichen Anbietern durchgeführt, darunter die staatlichen beruflichen Schulen (die damit zusätzliche Einnahmen erwirtschaften können), aber in zunehmendem Maße auch private Anbieter, vor allem die lizenzierten Berufsbildungszentren (CPO, Центрове за професионално обучение). Träger solcher lizenzierter Berufsbildungszentren sind Betriebe, reine Bildungsanbieter (private und staatliche), aber auch Vereine (Nichtregierungsorganisationen). Dazu gehören auch die traditionellen „Kulturhäuser“ (чисталища, ähnlich wie Volkshochschulen) und das übers ganze Land reichende Netz der „Знание“-Vereine (gegründet in sozialistischer Zeit; „Знание“ = „Wissen“). Weniger stark entwickelt ist der Markt an freien (nicht staatlich subventionierten) Weiterbildungsangeboten. Aufgrund der prekären wirtschaftlichen Lage vieler Haushalte (besonders auf dem Lande und in den Provinzstädten) ist die Nachfrage hier relativ gering. Angeboten werden insbesondere Sprachkurse und Computerkurse. Praktika im Rahmen der Berufsausbildung In der Struktur der beruflichen Bildungsprogramme sind keine Pflichtpraktika in Betrieben vorgesehen. Der Umfang der praktischen Bildung in den Lehrplänen beträgt 40 Prozent des Gesamtlehrplans. Die praktische Bildung findet hauptsächlich in den Schulen statt, aber zunehmend auch in Betrieben. In diesem Zusammenhang ist die Initiative ECO NET erwähnenswert, die sich der Förderung von Ausbildungsbetrieben in Südosteuropa widmet. Das Programm fördert auch ein Übungsfirmenkonzept in Bulgarien. Rechtsgrundlage, Förderung, FinanzierungDie berufliche Bildung wird durch eine Vielzahl von Rechtsakten geregelt. Die wichtigsten sind das Berufsbildungsgesetz (ZPOO, Закон за професионалното образование и обучение), die Staatlichen Bildungsanforderungen für berufliche Bildung (DOI, Държавни образователни изисквания за професионалното образование и обучение) und das Arbeitsgesetzbuch.Das Berufsbildungsgesetz (ZPOO) deckt sowohl die berufliche Erstausbildung als auch die Weiterbildung ab. Die Regelungen betreffen auch das System der nicht formalen Bildung (also Bildung und Weiterbildung außerhalb des traditionellen Schulsystems). Für die berufliche Bildung ist das Ministerium für Bildung und Wissenschaft zuständig. Berufliche Erstausbildung Der staatliche Haushalt ist die Hauptfinanzierungsquelle für die berufliche Erstausbildung. Die meisten Berufsschulen werden vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft finanziert. Teilweise stammen die Mittel auch von nationalen und internationalen Programmen oder werden von den Schulen selbst erwirtschaftet. Fortbildung Die Erwachsenenbildung ist im Volksbildungsgesetz (ZNP) geregelt. Betriebliche Ausbildung Für die betriebliche Ausbildung ist der Arbeitgeber zuständig. Dies gilt sowohl für den theoretischen als auch den praktischen Teil. Der Unterricht erfolgt in betrieblichen Bildungszentren, auf Antrag des Betriebs in Schulen der formellen beruflichen Bildung. Die Rahmenbedingungen für die betriebliche Ausbildung sind im Arbeitsgesetzbuch geregelt. QualifikationenDie beruflichen Schulen und die Berufsbildungszentren (CPO) können ein Zeugnis über die berufliche Qualifikation ausstellen, das sich an den staatlichen Anforderungen für berufliche Bildung orientiert. Der Betrieb zertifiziert Qualifikationen, die im Rahmen der innerbetrieblichen Bildung erworben werden.Berufliche Erstausbildung Die Abschlusszertifikate der Ausbildung werden auf Grundlage der theoretischen und praktischen Abschlussprüfungen ausgestellt, die nach Vollendung der Bildungskurse stattfinden. Das Ministerium für Bildung und Wissenschaft bestimmt die Bildungsprogramme, Bewertungskriterien und Prüfungstermine für die schulische Berufsausbildung. Die Prüfungen werden von den Schulen organisiert. Die Mitwirkung der Sozialpartner wäre zwar vorteilhaft für die Qualität der Ausbildung. Allerdings ist es den bulgarischen Arbeitgebern bislang nicht gelungen, sich auf Ausbildungsstandards zu verständigen. Fortbildung in den CPOs Die von der Berufsbildungsbehörde NAPOO lizenzierten Berufsbildungszentren (CPO) haben das Recht, eigene Zertifikate der beruflichen Qualifikation auszustellen. Zugang und BeratungBerufliche ErstausbildungSchülerinnen und Schüler können nach Beendigung der 7. oder der 8. Klasse in profilorientierte Schulen aufgenommen werden. Dafür müssen sie eine Zugangsprüfung bestehen, die dem Profil der betreffenden Schule entspricht (zum Beispiel bulgarische Sprache und Literatur, Mathematik oder Geisteswissenschaften). Die Inhalte der Zugangsprüfung muss das Ministerium für Bildung und Wissenschaft genehmigen. Weiterbildung Die Arbeitsämter bieten berufliche Information und persönliche Beratung. Arbeitssuchende erhalten hier Informationen über offene Stellen auf dem örtlichen Arbeitsmarkt, Einstellungsvoraussetzungen, Berufsbilder, Schulungen und Umschulungskurse. Praktika Um Schülern die Suche nach Praktikumsstellen zu erleichtern, hat das Bulgarische Zentrum der Ausbildungsbetriebe das Anwerbungsprogramm „Arbeitssuche“ ins Leben gerufen. Das Programm bietet die Möglichkeit, Kontakt mit Betrieben aufzunehmen und erstmals ein Bewerbungsverfahren zu durchlaufen. Gleichzeitig erhalten die Schüler Informationen über Ausbildungsberufe, Praktika und Vermittlungsagenturen. Weiterführende Links zur Beruflichen Bildung in BulgarienBildungssystem:
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