Berufliche Bildung
Haben Sie Lust, im Rahmen der Ausbildung Erfahrungen im Ausland zu sammeln? Dann sollten Sie sich zunächst bei Ihrem Ausbilder oder Berufsschullehrer nach Austausch- und Praktikantenprogrammen erkundigen. Auslandsaufenthalte für Auszubildende werden in der Regel von Bildungseinrichtungen organisiert und über das EU-Bildungsprogramm Leonardo da Vinci gefördert. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.na-bibb.de/leonardo.
Übrigens: Mit dem Europass-Mobilitätsnachweis hat die Europäische Union ein europaweit einheitliches Dokument geschaffen, das alle im Ausland gemachten Lernerfahrungen dokumentiert. Der Europass enthält Angaben zu den Inhalten, den Zielen und der Dauer des Auslandsaufenthaltes. Er vermittelt damit einen genauen Überblick über den Umfang der internationalen Erfahrung und dokumentiert jede Art von Lernaufenthalten im Ausland. Weitere Informationen dazu unter: www.europass-info.de.
Informationen zu ausländischen Bidlungssystemen bietet auch der Deutsche Bildungsserver unter http://bildungssysteme-international.dipf.de. Das Online-Portal enthält Links zu Bildungsministerien, Bildungseinrichtungen, Fachgesellschaften, nationalen und internationalen Organisationen sowie zu Datenbanken mit Informationen zu über 230 Ländern und Regionen.
Wenn Sie eine berufliche Erstausbildung komplett im Ausland absolvieren möchten, benötigen Sie umfassende Informationen über das jeweilige Ausbildungssystem: Welche Ausbildungswege gibt es, wie ist der Stellenwert und das Niveau der Ausbildung, und wie wird die Ausbildung in Deutschland anerkannt? Die folgenden Angaben bieten nur einen ersten Überblick. Weiterführende Informationen finden Sie bei den genannten Stellen. "Mein Praktikumsaufenthalt bei unserer Partnerschule in Železn ý Brod, einer alten Glasmacherstadt in Nordböhmen, war spannend. Ich war erstaunt, wie sehr sich das Handwerk in beiden Ländern ähnelt. Wir konnten uns untereinander über die Glasmachersprache verständigen, weil viele Begriffe im Tschechischen und im Deutschen gleich sind. Aber es gab auch Unterschiede. So erhalten die Glasmacherschüler in Tschechien viel mehr Zeichen- und Designunterricht, als das bei uns üblich ist."
Ramona Seyfarth hat während ihres Praktikums Einblicke in das tschechische Glashandwerk bekommen.
Für Deutsche, die eine Ausbildung in Tschechien anstreben, sind die deutsch-tschechischen Berufsaubildungsprojekte in den kaufmännischen Berufen interessant. Die Ausbildung ist an das deutsche Ausbildungssystem angelehnt und wird in beiden Ländern anerkannt. Interessiert? Dann informieren Sie sich auf der Website der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (www.dtihk.cz).
Überblick
Das System der beruflichen Bildung umfasst die Erstausbildung und die Weiterbildung. Die berufliche Erstausbildung wird in öffentlichen und privaten Schulen vermittelt. Die Absolventinnen und Absolventen erhalten Zeugnisse, die allgemein anerkannt sind und das erreichte Bildungsniveau bescheinigen sowie die Grundlage für eine allgemein anerkannte Qualifikation bilden.
Die Weiterbildung wird von den Arbeitgebern, privaten Bildungsträgern, öffentlichen und privaten Schulen und anderen Organisationen angeboten und vom Ministerstvo práce a sociálních věcí (Ministerium für Arbeit und Soziales) beaufsichtigt.
Berufliche Erstausbildung
Die berufliche Erstausbildung ist Teil der Sekundarbildung, die in drei Zweige, je nach angestrebtem Qualifikationsniveau, unterteilt ist:
- Die Sekundarbildung kann nach dem erfolgreichen Abschluss eines ein- bis zweijährigen Programms (Ganztagsunterricht) erreicht werden. Sie vermittelt berufliche Grundkompetenzen an junge Menschen, welche die Grundbildung nicht abgeschlossen haben.
- Die Sekundarbildung mit Lehrbrief wird nach der erfolgreichen Beendigung eines zwei- bis dreijährigen Programms erreicht. Junge Menschen werden damit auf qualifizierte Arbeiten in überwiegend manuellen Tätigkeiten vorbereitet. Ein Drittel des Lehrplans umfasst allgemeine Fächer, ein Drittel beruflichen Unterricht und das letzte Drittel praktische Bildung, die überwiegend in Schulwerkstätten und zu einem geringen Teil in Betrieben stattfindet.
- Die Sekundarbildung mit „Maturita“-Prüfung wird nach der erfolgreichen Beendigung eines vierjährigen Programms oder nach einem zweijährigen Nachfolgeprogramm erreicht. Das Ziel ist es, junge Menschen für technische, administrative und andere Berufe vorzubereiten, in denen die intellektuelle Arbeit überwiegt. Die Lehrpläne bestehen zu etwa 45 Prozent aus allgemeinen und zu 55 Prozent aus fachspezifischen Unterrichtsfächern. Die Absolventen können ein Hochschulstudium aufnehmen.
Weiterbildung
Die Sekundarschulen und die höheren Fachschulen bieten Weiterbildungsangebote für Erwachsene als berufliche Kurse und Spezialisierungskurse „post-maturita“ an. Die Kurse sind kostenpflichtig, sofern sie nicht zum Erwerb einer sekundaren oder höheren beruflichen Qualifikation führen.
Die Weiterbildung außerhalb des formellen Bildungssystems wird überwiegend von den Arbeitgebern für ihre Beschäftigten organisiert – sei es in Form von internen Kursen in eigenen Ausbildungseinrichtungen oder in Form externer Kurse, die von Bildungsträgern angeboten werden (Berufsschulen oder Bildungsorganisationen). In manchen Sektoren ist die Weiterbildung für Arbeitnehmer obligatorisch. Es handelt sich zum Beispiel um eine Autofahrerprüfung, um Schulungen zu neuen Verordnungen oder um die Schulung zur Sicherheit bei der Arbeit. Die Absolventen erhalten Zeugnisse, die normalerweise in den betreffenden Sektoren anerkannt werden. Die Úřad práce (Arbeitsämter) als regionale Institutionen mit Vermittlungsdiensten organisieren Umschulungsmaßnahmen für Arbeitssuchende.
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Rechtsgrundlage, Förderung und Finanzierung
Das wichtigste Gesetz zum Bildungssystem (einschließlich der beruflichen Bildung) ist das Gesetz Nr. 561/2004 über vorschulische, Grundschul-, Sekundar-, höhere fachliche und andere Bildung (o předškolním, základním, středním, vyšším odborném a jiném vzdělávání). Zuständig für Bildung ist das Ministerstvo školství, mládeže a tělovýchovy (Ministerium für Bildung, Jugend und Sport). Für das Schulwesen sind die Bildungsabteilungen der 14 regionalen Behörden verantwortlich.
Das Ministerium erstellt einen Rahmenlehrplan für jeden Zweig der Sekundarbildung. Er ist für die Schulen bindend bei der Entwicklung ihrer Lehrpläne.
Berufliche Erstausbildung
Die Berufsschulen werden von den Bildungsabteilungen der regionalen Behörden verwaltet und finanziert. Die Sozialpartner, einschließlich der Berufsverbände, beteiligen sich nicht an der Finanzierung der beruflichen Bildung. Dies gilt auch für die praktische Ausbildung in den Schulen. Die Bildung in öffentlichen Berufsschulen ist für die Schüler kostenlos, während die privaten Schulen normalerweise Schulgebühren erheben.
Höhere Fachausbildung
Die Studienprogramme der höheren Fachschulen müssen vom Ministerium genehmigt werden. Die Akkreditierung erfolgt auf Empfehlung der Zulassungskommission für die höhere Fachausbildung. Die höheren Fachschulen (sowohl öffentliche als auch private) können Studiengebühren erheben.
Weiterbildung
Die Weiterbildung wird von einer Reihe gesetzlicher Bestimmungen geregelt. Für die Sekundar- oder höheren Fachschulen sind beispielsweise die Schulgesetze zuständig.
Die Umschulung von Arbeitssuchenden wird von den regionalen Arbeitsagenturen finanziert, die dem Ministerstvo práce a sociálních věcí (Ministerium für Arbeit und Soziales) unterstehen. Wer an einer Umschulungsmaßnahme teilnimmt, erhält finanzielle Leistungen, die etwas höher sind als die Arbeitslosenleistungen.
Finanzielle Anreize für Unternehmen, in die Entwicklung der Weiterbildung zu investieren, sind in der Tschechischen Republik noch nicht eingeführt worden. Die Arbeitgeber entscheiden sowohl über die Bildungsinhalte als auch über die Formen der beruflichen Bildung ihrer Beschäftigten.
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Qualifikationen
Berufliche Erstausbildung
Folgende Bildungsniveaus können nach dem erfolgreichen Abschluss der entsprechenden Programme erreicht werden:
- Sekundarbildung (ein- bis zweijährige Programme)
- Sekundarbildung mit Lehrbrief (zwei- bis dreijährige Programme)
- Sekundarbildung mit maturita (Abitur) (vierjährige Programme)
Das výuční list (ein berufliches Zeugnis) bescheinigt den Erwerb einer beruflichen Grundausbildung für die Ausübung von qualifizierten Arbeiten in überwiegend manuellen Berufen, ermöglicht aber nicht den Zugang zum tertiären Bildungsbereich. Wenn sich jemand für die Zulassung zur tertiären Bildung bewerben möchte, muss er zuerst ein weiteres zweijähriges Ausbildungsprogramm mit Maturita-Prüfung absolvieren.
Ein Maturita-Zeugnis bescheinigt, dass der Inhaber eine Qualifikation zur Ausübung von beruflichen Tätigkeiten auf mittlerem Managementniveau erhalten hat. Maturita-Inhaber sind berechtigt, ein Studium auf der tertiären Ebene zu beginnen. In 2010 wird in Tschechien das Zentralabitur eingeführt.
Höhere Fachschulbildung
Die höhere Fachschulbildung schließt mit einem Absolutorium (Fachprüfung) ab. Es besteht aus Prüfungen in den einzelnen Fächern, in einer Fremdsprache und aus der Verteidigung der Abschlussarbeit. Das Absolutorium-Zeugnis und ein Diplom des Absolventen bescheinigen den Abschluss von höheren Fachschulstudien.
Weiterbildung
Weiterbildungskurse bilden kein aufeinander aufbauendes System wie die berufliche Erstausbildung. Die Absolventen dieser Kurse erhalten ein Zeugnis. Jedoch haben diese Zeugnisse normalerweise keine allgemeine Gültigkeit, weil nicht alle Weiterbildungsträger vom Ministerium anerkannt sind. Für manche Berufe oder Tätigkeiten ist eine Fortbildung vorgeschrieben, zum Beispiel falls Arbeitnehmer mit gefährlichen Stoffen oder Maschinen arbeiten. Manche Sektoren haben Berufsbildungssysteme oder Prüfungen entwickelt, die die Arbeitnehmer bestehen müssen, um einen bestimmten Posten zu erhalten. Großbetriebe haben teilweise auch systematische Weiterbildungsangebote entwickelt. Die Bildungsmaßnahmen, die als Teil dieser Systeme angeboten werden, führen zu beruflichen Qualifikationen, die nur im Betrieb anerkannt werden.
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Zugang und Beratung
Berufliche Erstausbildung
Die Sekundarbildung ist nur für diejenigen zugänglich, die die Grundschulbildung erfolgreich beendet haben. Als Teil des Aufnahmeverfahrens, das von jeder Schule festgelegt, werden die Fähigkeiten, Kenntnisse, Interessen und der Gesundheitszustand der Bewerber bewertet, um ihre Eignung für den betreffenden Beruf festzustellen. Wer sich für einen künstlerischen Beruf bewirbt, muss sein besonderes künstlerisches Talent unter Beweis stellen.
Höhere Fachschulbildung
Die höhere Fachschulbildung steht allen Bewerbern offen, die die Sekundarbildung mit einer Maturita-Prüfung abgeschlossen und eine schriftliche Aufnahmeprüfung bestanden haben.
Weiterbildung
Die Zugangsvoraussetzungen zu Weiterbildungs- und Bildungsprogrammen sind unterschiedlich und hängen vom Anbieter ab.
Beratung
Schülerinnen und Schüler erhalten im letzten Grundschuljahr Beratung durch speziell ausgebildete Lehrer. Die Berater helfen den Jugendlichen bei der Berufsorientierung und bei der Wahl der passenden Schule. Dieser Teil des Beratungssystems wird vom Institut für Pädagogisch-Psychologische Beratung der Tschechischen Republik beaufsichtigt, das vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport finanziert wird.
Das Ministerium für Arbeit und Soziales unterhält 77 Informations- und Beratungszentren in den Arbeitsämtern. Die Zentren bieten Beratung zu weiterführenden Bildungsmöglichkeiten sowohl für junge Menschen als auch für erwachsene Arbeitssuchende. In beiden Bereichen sind die Beratungsdienste kostenlos.
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Weiterführende Links zur Beruflichen Bildung in der Tschechischen Republik
Berufliche Bildung:
www.nuov.cz
Národní ústav odborného vzdělávání
Nationales Institut für Berufliche und Technische Bildung, veröffentlicht Informationen über das Ausbildungssystem, Schulen, Qualifikationen und Prüfungen und bietet eine fachspezifische Berufsberatung an
http://portal.mpsv.cz/sz
Webseite des Ministeriums für Arbeit und Soziale Angelegenheiten in der Tschechischen Republik, mit ausführlichen Informationen zu Arbeitsmodalitäten, Arbeitsmigration, Sozialversicherungen und Pensionsformen sowie Links zu allen relevanten anderen Stellen, Organisationen und Institutionen.
-->Arbeitsverwaltung
www.scio.cz
Scio
Portal mit Datenbanken über weiterführende Mittelschulen und höhere Fachschulen
www.eurydice.org
Das Informationsnetzwerk für Bildung in Europa einschließlich der Datenbank Eurybase (verfügbar auch in englischer und deutscher Sprache)
www.ippp.cz
Institut pedagogicko-psychologického poradenství
Institut der pädagogisch-psychologischen Beratung, bietet Fortbildungskurse im Bildungsbereich an
www.nsp.cz
Národní soustava povolání
Das Nationale System der Berufe ist eine Datenbank der einzelnen Berufe
www.urad-prace.cz
Úřady práce
Auf der Webseite der Arbeitsämter finden die Arbeitssuchenden eine Auflistung von freien Stellen
http://vyssiodborneskoly.com
Vyšší odborné školy
Auf der Webseite der höheren Fachschulen finden die Interessenten eine detaillierte Auflistung der Schulen
www.zkousky-nanecisto.cz
Přijímací zkoušky nanečisto
Die Inhalte der Aufnahmeprüfungen können Bewerber vor der Prüfung auch im Internet testen
www.infoabsolvent.cz
Informační systém o uplatnění absolventů škol na trhu práce
Informationsystem zur Orientierung der Schulabgänger auf dem Arbeitsmarkt, hilft Jugendlichen aller Bildungsstufen bei der Berufswahl
www.istp.cz
Integrovaný systém typových pozic
Integriertes Klassifizierungssystem von Arbeitstätigkeiten, eine Datenbank von Berufsprofilen mit Voraussetzungen für die Ausübung spezifischer Berufe (auch verfügbar in englischer Sprache)
www.mpsv.cz
Ministerstvo práce a sociálních věcí
Ministerium für Arbeit und Soziales, bietet Informationen über Gesetzgebung im Arbeitssektor an und informiert zudem über die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt (auch verfügbar in englischer Sprache)
www.msmt.cz
Ministerstvo školství, mládeže a tělovýchovy
Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, bietet Informationen über das tschechische Bildungssystem (auch verfügbar in englischer Sprache)
www.narodni-kvalifikace.cz
Národní soustava kvalifikací
Die nationale Liste der Qualifikationen enthält eine Übersicht über die einzelnen Qualifikationsstufen, die in Tschechien erreicht werden können
www.nvf.cz
Národní vzdělávací fond
Nationaler Bildungsfonds, fördert die Entwicklung des Humankapitals
www.rvp.cz
Metodický portál vzdělávání
Auf dem Portal für das Bildungswesen werden aktuelle didaktische Fragen in der Tschechischen Republik besprochen
www.vuppraha.cz
Vyhláška o vyšším odborném vzdělávání
Die Gesetze zur höheren Fachschulbildung bestimmen den Rahmen für die Bildung im Bereich der Berufsausbildung
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