Studieren in Estland

 

Hochschullandschaft

In Estland gibt es akademische Hochschulen (Universitäten) und nicht akademische Lehreinrichtungen auf hochschulähnlichem Niveau. Seit 1999 bieten zudem einige berufsorientierte Einrichtungen tertiäre Ausbildungen an.

Die staatlichen Universitäten sind dem Bildungsministerium unterstellt, arbeiten jedoch autonom. Die Universität Tartu (www.ut.ee) und die Universität Tallinn (www.tlu.ee) bieten als klassische Volluniversitäten ein umfangreiches Fächerspektrum an. Die anderen Universitäten haben sich jeweils auf ein Fachgebiet spezialisiert – etwa die Technische Universität Tallinn (www.ttu.ee), die Estnische Universität für Landwirtschaft (www.eau.ee), die Estnische Akademie für Musik (www.ema.edu.ee) und die Estnische Akademie für Kunst (www.artun.ee).

Die privaten Hochschulen bieten mindestens ein Studienprogramm an, das zum Abschluss „Baccalaureusekraad“ führt (erster möglicher Hochschulabschluss).

Die staatlichen und privaten nicht akademischen Lehreinrichtungen (Rakenduskorgkool) vermitteln in erster Linie berufsbezogenes Wissen und berufliche Fähigkeiten. Die privaten Rakenduskorgkool fokussieren in ihrem Studienprogramm wie die privaten Universitäten auf Sozialwissenschaften (Wirtschaft, Recht, Internationale Beziehungen). Es gibt außerdem mehrere berufsorientierte Lehreinrichtungen (Kutseoppeasutus), die eine höhere Ausbildung (Diplomstudiengang) anbieten.

Mit dem Ziel, „lebenslanges Lernen“ zu fördern, hat die Universität Tartu ein Zentrum für Fernstudien (www.ut.ee) eingerichtet. Es koordiniert und entwickelt die Studienprogramme der 1996 gegründeten „Open University“, die sowohl Fernstudiengänge als auch Weiterbildungsstudienprogramme anbietet.

2002 wurde in Kooperation mit der Universität Tallinn das Deutsche Fernstudienbüro eröffnet. Die Universität Tallinn bietet den Magisterstudiengang Deutschlandstudien an. Eine Liste mit den staatlichen und privaten Hochschulen finden Sie unter http:// de.wikipedia.org.

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Informationen zum Studium

Das Studienjahr ist in zwei Semester eingeteilt. Das Wintersemester beginnt in der Regel im September und endet im Januar, das Sommersemester dauert von Februar bis Juni. Der zeitliche Umfang eines Studiengangs wird in Punkten (AP – Ainepunkt) gemessen. Ein Punkt entspricht einer Woche Studienarbeit mit normalerweise 40 Stunden. Das Studienjahr besteht aus 40 AP. Unterrichtssprache ist in der Regel Estnisch, doch es gibt auch Studienangebote auf Englisch, Russisch und Deutsch.

„Mein Gastsemester an der Universität Tartu war hervorragend organisiert, und meine Heimathochschule Koblenz hat vieles anerkannt. Ich war im Baltic Studies Programme, wo wir den Übergang von der Planwirtschaft in die soziale Marktwirtschaft analysierten. Das fand ich sehr spannend, und die Atmosphäre gefiel mir gut – Kurse auf Englisch, Studenten aus aller Welt.“

Nach dem Gastsemester in Tartu schrieb Thomas Münch auch seine Masterarbeit in Estland.


Den akademischen Titel Bakalaureusekraad oder Bachelor kann man in drei und vier Studienjahren erlangen. Darauf aufbauend kann nach zwei weiteren Studienjahren der Magistrikraad oder Master erworben werden. Im Rahmen des Bologna-Prozesses soll das Hochschulwesen in den Ländern Europas bis 2010 vereinheitlicht werden. Informationen zum Stand der Reformen in Estland erhalten Sie unter www.archimedes.ee und bei der Organisation „World Education Services“ unter www.wes.org.

Nicht akademische Abschlüsse

Berufsorientierte Studiengänge (Krankenpflege, Geburtshilfe, Sozialarbeit) führen die beiden Lehreinrichtungen Kutseoppeasutus und Rakenduskorgkool durch. Das Studium dauert drei bis vier Jahre (120 bis 160 AP). Die Absolventen dieses Studiengangs erhalten den Abschluss "Diplom" mit einem Zusatz des beruflichen Fachgebiets.

Den Diplom-Studiengang bieten Rakenduskorgkool und Universitäten an. Die Studiendauer beträgt auch drei bis vier Jahre (120 bis 160 AP). Dieser Studiengang führt zum Erwerb des "Diplom".

Akademische Abschlüsse

2002/2003 führte Estland eine Studienreform im Sinne der Harmonisierung des europäischen Hochschulraumes (Bologna-Prozess) durch. Seitdem bieten die estnischen Universitäten Studiengänge an, die zu den Abschlüssen "Bachelor" (Bakalaureusekraad) und "Master (Magistrikraad) führen.

Der erste akademische Abschluss ist der "Bakalaureusekraad". Die Studiendauer beträgt drei bis vier Jahre (120 bis 160 AP). Manchmal wird auch die lateinische Version für diesen Abschluss verwendet (Baccalaureus artium oder Baccalaureus scientiarum).

Die zweite akademische Stufe bildet der "Magistrikraad". Voraussetzung für diesen Abschluss ist der Bakalaureusekraad oder ein äquivalenter Abschluss. Die Studiendauer beträgt ein bis zwei Jahre (80 AP). Manchmal wird auch die lateinische Version (Magister artium, Magister scientiarum, Magister theologiae oder Magister iuris) verwendet. Das Medizinstudium (240 AP) schließt mit dem Erwerb des "Arsti aste" ab. Dieser Abschluss entspricht dem Magistrikraad.

Der "Doktorikraad" ist die dritte akademische Stufe. Er setzt den Magistrikraad oder ein Äquivalent voraus. Das Promotionsstudium dauert vier Jahre (160 AP). Auch für den Doktorikraad gibt es eine lateinische Version (Doctor philosophiae, Doctor iuris, Doctor medicinae oder Doctor theologiae).

Spezielle Promotionsstudienprogramme (Uni Tartu) stehen auch Ausländern offen. Unterrichtet wird in der Regel auf Estnisch. Es ist allerdings auch möglich, ein Promotionsstudium auf Englisch abzuschließen.

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Studiengebühren

Ausländische Studierende müssen Studiengebühren bezahlen. Sie betragen derzeit bis zu 3.500 € im Jahr (Quelle: DAAD). Die einzelnen Hochschulen legen die Studiengebühren selbst fest.

"Die Studiengebühren sind in Estland teilweise deutlich höher als in Deutschland. Auch die Einheimischen müssen knapp 1.000 € pro Semester zahlen, wenn sie keine Stipendien bekommen. Die Lebenshaltungskosten sind nicht viel billiger als in Deutschland, ein Milchkaffee beispielsweise kostet in der Uni-Cafeteria 2,20 €. Daher beschränken sich sehr viele Studenten auf ein BA-Studium. Aus finanziellen Gründen gehen sie nach dem BA sofort arbeiten, viele haben auch schon parallel zum Studium einen Job.“

Sonja Pachali arbeitet als DAADLektorin an der Universität Tallinn.

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Zulassung und Bewerbung

Ausländische Studienbewerberinnen und -bewerber müssen dieselben Zulassungsbedingungen erfüllen wie einheimische. Voraussetzung für die Zulassung ist der Sekundarschulabschluss II (Gümnaasiumi loputunnistus) oder ein Äquivalent. Die deutsche allgemeine Hochschulreife wird anerkannt. Bewerberinnen und Bewerber müssen ihre Unterlagen direkt bei der Hochschule ihrer Wahl bis Ende Juni oder Anfang Juli einreichen. Für fast alle Studiengänge gibt es Auswahlverfahren. Die Auswahlkriterien legen die Hochschulen fest. In der Regel müssen Studienbewerberinnen und -bewerber zwei bis drei Eignungsprüfungen absolvieren und ausreichende Sprachkenntnisse nachweisen.

Alle Universitäten bieten ausländischen Studenten Estnischkurse an. Informationen über Estnischkurse in Deutschland finden Sie auf dem Infoportal der Esten in Deutschland unter www.eesti.de.

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Finanzierung

Deutsche, die ihr Studium ganz oder teilweise im Ausland absolvieren möchten, können nach dem neuen Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) leichter gefördert werden. Unter www.das-neue-bafoeg.de erfahren Sie mehr darüber. Auf der Internetseite finden Sie auch ein nach Ländern gegliedertes Verzeichnis der Ämter für Ausbildungsförderung.

Das europäische Bildungsprogramm Erasmus fördert Studienaufenthalte im europäischen Ausland. Im Rahmen dieses Bildungsprogramms können Studierende für die Dauer von drei Monaten bis zu einem vollen Studienjahr im Ausland verbringen. Das Stipendium ist eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung eines Auslandsstudiums. Hier ist der DAAD die erste Adresse (http://eu.daad.de).

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Teil- oder Vollstudium?

Wenn Sie ein oder zwei Semester im Ausland studieren möchten, sollten Sie dies erst in einer fortgeschrittenen Studienphase tun. Für die Zeit des Auslandsstudiums lassen Sie sich am besten beurlauben. Darüber hinaus bietet eine Reihe von "Internationalen Studiengängen" die Gelegenheit, studienbezogene Auslandsaufenthalte auf der Grundlage geregelter Kooperationsbeziehungen mit österreichischen Hochschulen zu absolvieren und gegebenenfalls auch einen Doppelabschluss zu erwerben. Eine Übersicht der Kooperationsbeziehungen zwischen deutschen und österreichischen Hochschulen gibt die Hochschulrektorenkonferenz HRK unter www.hochschulkompass.de.

Es besteht zwar auch die Möglichkeit der Exmatrikulation für die Zeit des Auslandsstudiums, doch ist dies nicht ratsam, weil Sie dadurch möglicherweise Ihren Studienplatz gefährden. Auch die Zugehörigkeit zur Krankenversicherung könnte verloren gehen. In jedem Fall empfiehlt es sich, vorab beim Studentensekretariat und bei der Krankenversicherung genaue Informationen einzuholen.

Das Akademische Auslandsamt Ihrer Heimatuniversität hilft bei allen Fragen zum Auslandsstudium. Die Adressliste aller Auslandsämter finden Sie unter www.hochschulkompass.de. Unter http://eu-community.daad.de informiert der DAAD über den Studienalltag und die kulturellen Besonderheiten in den europäischen Ländern. Dort finden Sie auch Berichte von Studierenden über ihre Erfahrungen im Ausland.

Ein Vollstudium im Ausland ist nur dann empfehlenswert, wenn Sie tatsächlich Ihr Studium dort abschließen. Bei einer späteren Arbeitsaufnahme in Deutschland könnten sich hinsichtlich der Anerkennung von Abschlüssen und der Zulassung zu manchen Berufen Schwierigkeiten ergeben - etwa bei Tätigkeiten im öffentlichen Bereich.

Das Informationssystem anabin informiert über das Niveau ausländischer Hochschulabschlüsse im Vergleich zu denen in Deutschland (www.anabin.de).


Die Tartu University informiert auf ihrer Homepage über spezielle Kurse für Austauschstudenten in Englisch: www.ut.ee (> Degree Programs).

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Nach dem Studium

Berufseinstieg für Hochschulabsolventinnen und -absolventen

Die Lage am Arbeitsmarkt
Für Arbeitsuchende in Estland ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt günstig: Für das Gesamtjahr 2007 verzeichnete das estnische Statistikamt eine Arbeitslosenquote von 4,6 Prozent. Im vierten Quartal 2007 waren es sogar nur noch 4,1 Prozent.

Dabei lassen sich erhebliche regionale Unterschiede feststellen: Während die südestnische Region Valgamaa mit 5,7 Prozent die landesweit höchste Arbeitslosenquote verzeichnet, sind es in der Hauptstadt Tallinn und Umgebung 1,8 Prozent und in der Universitätsstadt Tartu und Umgebung sogar nur 1,7 Prozent. Längst ist von einem Arbeitskräftemangel in Estland die Rede.

Aussichten für Hochschulabsolventen
Die Chancen für Hochschulabsolventinnen und -absolventen, nach dem Studium einen Arbeitsplatz zu finden, sind angesichts des Arbeitskräftemangels ausgesprochen gut. Sowohl das Statistikamt als auch das Arbeitsamt registrieren für 2007 eine steigende Nachfrage nach Arbeitskräften. Dabei handelt es sich zu einem Großteil um Stellen für nicht akademische Berufe, vor allem aus der Baubranche. Die Stellenangebote für Akademikerinnen und Akademiker waren wor allem für Informatiker, Ingenieurwissenschaftler, Physiker, Chemiker und Grundschullehrer zahlreich.

Auch nach Auskunft der Universitäten sind die Berufsaussichten für Hochschulabsolventinnen und -absolventen nahezu aller Fachrichtungen gut. Dabei werden die potenziellen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor allem über Internetportale gesucht. Es gibt Portale, die speziell für bestimmte Branchen eingerichtet sind, beispielsweise für den Personalbedarf von Hochschulen und wissenschaftlichen Instituten oder von Krankenhäusern.

Starke Nachfrage nach IT-Fachleuten und Führungskräften
Laut einer Prognose des estnischen Ministeriums für Wirtschaft und Kommunikation ist in den kommenden Jahren mit einer Zunahme der Arbeitsplätze in der verarbeitenden Industrie, in der Metallverarbeitung und im Einzelhandel zu rechnen. Der Bauboom dürfte seinen Zenit überschritten haben, aber auch in Zukunft mehr Stellen anbieten als noch 2004. Eine deutlich steigende Nachfrage verzeichnen die Bereiche Bildung, Soziales, Gaststätten und Kommunikation. In diesen Branchen sowie im IT-Bereich rechnet das Ministerium mit einem deutlichen Arbeitskräftemangel und dem stärksten Bedarf an Führungskräften und Spezialistinnen und Spezialisten.

Hohe Flexibilität, wenig Kontinuität
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verbleiben oft nur wenige Monate bei einem Unternehmen. Sie suchen die Möglichkeit, bei einem Jobwechsel ein höheres Gehalt auszuhandeln. Der Arbeitsmarkt befindet sich daher in ständiger Bewegung. Viele Unternehmen beklagen allerdings den Mangel an Kontinuität in der Belegschaft. Sie versuchen, ihre Mitarbeiter langfristig an sich zu binden, und reagieren positiv auf eine entsprechende Bereitschaft bei Bewerberinnen und Bewerbern.

Forschung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung informiert auf seinem Portal www.internationale-kooperation.de über Forschungsprogramme und -initiativen. Zu den wichtigsten zählen hierbei das Nato-Wissenschaftsprogramm „Science for Peace and Security“ (www.nato.int) und die europäische Forschungsinitiative „EUREKA“ (www.eureka.be). Über Stipendien, Arbeits- und Forschungsmöglichkeiten für Forscher und Wissenschaftler informiert http://ec.europa.eu/euraxess. Von dieser Webseite aus sind die nationalen Mobilitätsportale mit ihrem Beratungs- und Informationsagebot für Wissenschaftler zu erreichen. Der EU-Dienst „Cordis“ (http://cordis.europa.eu) bietet Hunderte von freien Doktoranden- und Postdoktorandenstellen vieler Fachrichtungen in Europa an.

Das Programm "MORE" (Mobility for Young Researchers in Central and Eastern Europe) hat sich die wechselseitige Mobilität junger Wissenschaftler aus Deutschland sowie Mittel- und Osteuropa auf die Fahnen geschrieben und berät als Koordinierungsstelle interessierte Nachwuchswissenschaftler ( www.kowi.de).

 

Linkliste:

Pfeil www.daad.de
Online-Service des Deutsch Akademischen Austausch Dienstes mit umfassenden Informationen zum Bildungs- und Hochschulwesen, Praktika, sowie Forschen und Lernen in Estland. Außerdem gibt es viele Zusatzhinweise sowie weiterführende Links zu allen relevanten Stellen und Institutionen.

Pfeil www.akadeemia.ee
Das zweisprachige Online-Portal stellt Informationen und Angebote zu Studien-, Arbeits- und Forschungsmöglichkeiten mit wissenschaftlichen Inhalten in Estland zur Verfügung.

Pfeil www.archimedes.ee
Das Online-Portal bietet Information und Beratung zur Durchführung und Koordination verschiedener EU-Programme und Projekte auf den Gebieten Ausbildung, Bildung, Forschung, technologischen Entwicklungen und Innovationen.

Pfeil www.rajaleidja.ee
Homepage von rajaleidja

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Bildausschnitt: Foto einer lächelnden Frau, die mit einem Spiralblock in den Händen in einem Bibliotheksgang steht.
 
Symbolbild: Ein junger Mann vor einer Tafel mit Einsteins berühmter Formel E=mc²
 
Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) - Info-Center der ZAV: 0228 / 713 13 13 - E-Mail: zav-auslandsvermittlung@arbeitsagentur.de