Portugal: Land und Leute
Land & Leute
Die meisten Menschen verorten den Beginn der europäischen Aufklärung in Frankreich. Gewiss haben die Schriften des französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau entscheidend dazu beigetragen. Doch dessen Zweifel an der göttlichen Fügung der Welt gründen auf dem großen Erdbeben, das am 1. November 1755 die portugiesische Hauptstadt Lissabon fast vollständig zerstörte. Es gilt als größte Naturkatastrophe in der europäischen Geschichte und markiert daher, so makaber es auch klingen mag, den Aufbruch eines ganzen Kontinents in die Neuzeit.
Sowohl Portugal als auch Spanien liegen auf der Iberischen Halbinsel. Die Nachbarländer werden oft in einem Atemzug genannt, manche bezeichnen sie sogar als „siamesische Zwillinge“. Doch damit tut man beiden unrecht. Portugal, zu dessen Staatsgebiet die Inselgruppe der Azoren und Madeira gehören, hat einen sehr eigenständigen Charakter und strebt unablässig danach, nicht mit dem östlichen Anrainer in einen Topf geworfen zu werfen.
Portugal ist etwa doppelt so groß wie die Schweiz. An seiner schmalsten Stelle lässt sich das Land in knapp drei Autostunden durchqueren. Die augenfälligsten Unterschiede in der Landschaft ergeben sich aber erst bei einer Reise vom klimatisch gemäßigten Norden bis hinunter an die heiße und hügelige Algarve. Mit seinen Kiefernwäldern und weitläufigen Getreidefeldern mit Olivenhainen und Korkeichen ist der Süden Portugals zu einem beliebten Touristenziel geworden.
Für lange Zeit war Portugal ein Auswanderungsland. In Frankreich leben etwa 600.000 Portugiesen. Während der Unabhängigkeitskriege seiner Kolonien füllten Hunderttausende von Immigranten die Lücke. Seit seinem Beitritt zur Europäischen Union ist Portugal ein Einwanderungsland vor allem für Menschen aus Afrika, Südamerika und Osteuropa. Erleichtert wird die Integration durch die gemeinsame Sprache und die Religion. Die große Mehrheit der rund elf Millionen Portugiesen bekennt sich zum römisch-katholischen Glauben.
Die ausländische Bevölkerung lebt zu mehr als der Hälfte in Lissabon. Von hier aus zieht sich ein eng besiedelter Küstenstreifen entlang dem Atlantik bis nach Norden zur spanischen Grenze. Hier leben drei von vier Einwohnern, der Rest verteilt sich auf das Hinterland. Die touristischen Hochburgen Portugals sind neben der Algarve die Inselgruppe der Azoren und Madeira, die weit im Atlantik gelegene „Blumeninsel“.
Lissabon und Porto sind die beiden einzigen Großstädte. Dort konzentriert sich die industrielle Kraft des Landes. Sie zieht Jahr für Jahr mehr Arbeitsuchende aus der Provinz an. Denn noch immer ist Portugal das wirtschaftlich schwächste Altmitglied der EU. Die Hindernisse für stärkeres Wachstum liegen vor allem im Bildungssystem, in der unzureichenden Infrastruktur und in der verbreiteten „Leben vor Arbeit“-Mentalität der Bevölkerung. Allmählich jedoch erwacht der Mittelstand und macht sich bereit, nach Europa aufzuschließen.
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Blick in die Wirtschaft
Seit 2002 ist Portugals wirtschaftlicher Aufholprozess erlahmt. Nach Berechnungen des portugiesischen Statistikamtes bleibt das Wirtschaftswachstum unterhalb der Werte für die Euro-Zone; die Schätzungen für 2009 liegen infolge der Finanzkrise bei 0,1 Prozent (Quelle: Eurostat).
Haupthemmnisse für Portugals Wirtschaft sind strukturelle Probleme: niedrige Produktivität, überhöhtes Haushaltsdefizit, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, schwache Innovationsleistungen auf dem Gebiet von Wissenschaft und Technologie, hohe Defizite in der Schulbildung. Nach einer Länderanalyse der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vom April 2006 muss Portugal sich von arbeitsintensiven Produkten mit niedriger Wertschöpfung lösen und seinen Schwerpunkt auf mittlere und hochtechnologische Produkte verlegen. Dies erfordert jedoch die Verbesserung des Bildungssystems, das weit unter dem EU-Niveau liegt (Analphabetenquote von neun Prozent) und als Ursache für die landesweit geringe Produktivität angesehen wird.
Die seit März 2005 amtierende Regierung unter Premierminister José Sócrates hat umfangreiche Reformen in der Wirtschafts- und Finanzpolitik angeschoben. Dazu zählen Maßnahmen zur Förderung von Unternehmensgründungen, Hilfen bei der Vermittlung von Hochschulabsolventen an kleine und mittlere Betriebe und ein umfangreiches Aus- und Weiterbildungsprogramm.
Knapp zwei Drittel des portugiesischen Bruttoinlandsproduktes werden im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. Eine herausragende Stellung nimmt dabei mit über zehn Prozent der Tourismus ein. Die wichtigsten Rohstoffe sind Marmor, Anthrazit, Kaolin, Wolfram, Eisenerz, Holz und Kork. Zu den Kernbereichen der portugiesischen Industrie zählen die Textil- und Schuhindustrie, die Zellstoff-, Papier- und Korkherstellung sowie die Metallverarbeitung.
Die bedeutendsten Außenhandelspartner sind Spanien, Deutschland, Frankreich und Großbritannien mit Nordirland. Mit ihnen wickelt Portugal rund 60 Prozent seines Außenhandels ab. Hauptexportartikel sind Maschinen, Geräte und Ausrüstungen, Textilien, Bekleidung und Schuhe, Fahrzeuge und Transportmittel sowie Papier, Zellstoff, Kork und Holz. Wichtigste Einfuhrgüter sind Maschinen, Fahrzeuge und Fahrzeugteile, chemische Erzeugnisse, Agrarprodukte und Metallwaren.
Weitere Informationen über Portugal finden Sie unter www.auswaertiges-amt.de, http://ec.europa.eu, www.portugal.org, www.portugal-links.de und www.ccilaportugal.com.
Weiterführende Informationen:
www.auswaertiges-amt.de
Das Auswärtige Amt informiert auf seinem Online-Portal unter dem Stichwort "Länderinformationen" über europäische und außereuropäische Länder. Die Themen: Politik, Wirtschaft, Kultur, Stand der bilateralen Beziehungen und Einreisebestimmungen des jeweiligen Ziellandes sowie Reise-, Sicherheits- und Gesundheitshinweise.
www.portugal.org
Diese Website informiert über Reisen und Tourismus, Handel und Investitionen sowie über Land und Leute. Außerdem gibt es Links zu wichtigen Organisationen des Landes.
www.ccila-portugal.com
Das Online-Portal bietet neben Wirtschaftsinformationen und Hinweisen zum portugiesischen Arbeitsmarkt auch Informationen über Ausbildungskurse nach dem deutschen Vorbild des Dualen Berufsbildungssystems in Portugal.
http://ec.europa.eu
Übersicht über die verschiedenen Regional- und Minderheitensprachen, die in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union gesprochen werden. Die Webseite bietet Informationen zur Geschichte der Region sowie der Entwicklung und Verbreitung von Regional- und Minderheitensprachen.
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