Rumänien: Land und Leute

 

Land & Leute

Das flächenmäßig größte Gebäude der Welt ist das Pentagon in Washington. Das zweitgrößte steht nicht in Dubai oder Shanghai, sondern in Rumänien. Es ist der Palatul Parlamentului in Bukarest. Das monströse Bauwerk in der Hauptstadt der osteuropäischen Republik wurde im Auftrag des früheren Diktators Ceausescu errichtet. Auf die 450.000 Quadratmeter des einstigen Volkspalastes verteilen sich 3.000 Zimmer, 64 Empfangssäle und 60 Korridore. Heute tagt darin das rumänische Parlament.

Ebenfalls eine Besichtigung wert ist der „Cimitirul Vesel“, übersetzt: der lustige Friedhof. Jedes Jahr besuchen Zehntausende von Touristen die Ruhestätte im nordrumänischen Sapânta direkt an der Grenze zur Ukraine. Auf den leuchtend blauen Kreuzen sind die Todesumstände der Verstorbenen in humoristischen Versen und Bildern nacherzählt. Das Grab eines Mannes, der an Alkoholismus starb, schmückt ein umgekipptes Glas. Auf einem anderen ist eine naschende Köchin zu bestaunen, und auf dem Kreuz eines Unfallopfers thront ein zerbeultes Auto.

Für das vom Fremdenverkehr noch kaum entdeckte Land an der östlichen Grenze der EU sind diese Touristenattraktionen bares Geld wert. Denn Rumänien ist zwar landschaftlich reizvoll, aber nicht reich. Von Bulgarien, Serbien, Ungarn, der Ukraine und Moldawien umgeben, verfügt România nur über einen schmalen Zugang zum Schwarzen Meer. Ansonsten teilt sich das Land von der Größe der früheren Bundesrepublik (rund 238.000 Quadratkilometer) in Gebirge, Hochland und Ebene.

"Rumänien ist voller Kontraste: Städte wie Sibiu und Braşov sind schön restauriert, doch auf dem Land gibt es zum Teil keinen Strom, und die Leute fahren mit Pferdewagen. Obwohl sie weniger Geld haben als wir, sehen die Rumänen positiv in die Zukunft und lassen sich nicht schnell stressen. Die Leute sind offen und hilfsbereit.“

Brigitte Mitzel arbeitete in Sibiu als Produktionsplanerin und schrieb für die Hermannstädter Zeitung.


Der beherrschende Gebirgszug der Karparten trennt die historischen Regionen Moldovei (Moldau), Valahiei (Walachei) und Transilvania (Siebenbürgen) voneinander ab. Transsilvanien ist das durch den Roman von Bram Stoker weltweit bekannt gewordene Schreckensreich des Grafen Dracula. Viele der rund 21,5 Millionen Einwohner leben immer noch weit verstreut in Bauernhäusern und Gehöften. Am dichtesten besiedelt sind Moldovei, die Valahiei und die Hauptstadtregion.

Die mit Abstand größte Stadt Rumäniens ist die Hauptstadt Bukarest. Mit knapp zwei Millionen Einwohnern ist sie die sechstgrößte Stadt in der Europäischen Union. Weitere Großstädte mit jeweils mehr als einer viertel Million Bewohnern sind Iaşi, Cluj-Napoca, Timişoara, Consţanta, Crinova und Galaţi. Das Klima im Lande ist, mit starken Schwankungen zwischen Gebirge und Tiefebene, gemäßigt kontinental. Der Süden ist mediterran beeinflusst.

Die Rumänen sind mit knapp 90 Prozent die größte Volksgruppe. Daneben gibt es zahlreiche nationale Minderheiten. Die größte Gruppe stellen die Magyaren im Südosten Siebenbürgens und im Grenzgebiet zu Ungarn. Während noch immer viele Roma im Land leben (2,5 Prozent der Bevölkerung), hat sich die Zahl der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg stark verringert. Auch Ukrainer, Russen, Türken, Serben und Slowaken sind in Rumänien zu Hause. Neben der Amtssprache Rumänisch sprechen sie ihre eigenen Sprachen. Als offizielle Zweitsprache ist jedoch nur Ungarisch anerkannt.

Weitere Informationen über Rumänien finden Sie unter www.auswaertiges-amt.de, http://ec.europa.eu und http://de.wikipedia.org.

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Blick in die Wirtschaft

Nach dem Beitritt zur EU am 1. Januar 2007 hat die rumänische Wirtschaft stark zugelegt. Im ersten Halbjahr 2008 wuchs sie um rekordverdächtige 8,8 Prozent, die höchste Rate in der gesamten EU. Besonders der private Konsum und zahlreiche Investitionen kurbelten die Wirtschaft an. Die Arbeitslöhne stiegen, ebenso allerdings die Inflation (Spitzenwerte um 9 Prozent). Es wird immer unwahrscheinlicher, dass Rumänien den Euro wie geplant 2014 einführen kann.

Mit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise ab Ende 2008 kühlte auch die rumänische Wirtschaft ab. Besonders betroffen sind die rumänischen Automobilzulieferer, die eine wichtige Rolle für die Wirtschaft des Landes spielen, sowie der Bausektor, die Stahlbranche und die IT-Branche. Ein weiteres Problem ist die Abwertung des Lei, die zu einer Verteuerung der Importe führt. Für 2009 erwartet die EU-Kommission ein Wirtschaftswachstum von nur noch 1,8 Prozent, nachdem sie noch im Herbst mit 4 bis 5 Prozent gerechnet hatte. 2010 soll das Wirtschaftswachstum dann wieder deutlicher steigen.

Traditionell dominierende Industriezweige sind der Maschinenbau, die Ölindustrie, Metallurgie, Chemie, Holzverarbeitung und Nahrungsmittelindustrie. Stark an Bedeutung gewannen in den letzten Jahren die Automobilindustrie und Elektrotechnik.

Der Textilsektor beschäftigt etwa ein Siebtel der Arbeitskräfte in der verarbeitenden Industrie. Große, international finanzierte Infrastrukturprojekte brachten ebenfalls Arbeit und Geld ins Land.

 

Interessante Links:

Pfeil www.auswaertiges-amt.de
Das Auswärtige Amt informiert auf seinem Online-Portal unter dem Stichwort "Länderinformationen" über europäische und außereuropäische Länder. Die Themen: Politik, Wirtschaft, Kultur, Stand der bilateralen Beziehungen und Einreisebestimmungen des jeweiligen Ziellandes sowie Reise-, Sicherheits- und Gesundheitshinweise.

Pfeil www.ec.europa.eu
Übersicht über die verschiedenen Regional- und Minderheitensprachen, die in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union gesprochen werden. Die Webseite bietet Informationen zur Geschichte der Region sowie der Entwicklung und Verbreitung von Regional- und Minderheitensprachen.

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Rumänien: Panoramablick auf das Kloster Sinaia in den rumänischen Karpaten.
 
Rumänien: Blick in eine Schäßburger Altstadtgasse.
 
Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) - Info-Center der ZAV: 0228 / 713 13 13 - E-Mail: zav-auslandsvermittlung@arbeitsagentur.de