Studieren in Lettland

 

Hochschullandschaft

Seit der Unabhängigkeit im Jahre 1991 hat Lettland nach und nach das Bildungssystem reformiert. 1995 wurde ein duales Hochschulsystem eingeführt, das aus einer universitären und einer nicht universitären Ausbildung besteht. Das Ausbildungsniveau hängt nicht wie in Deutschland von der Hochschulart, sondern vom gewählten Studienprogramm ab. Dieselbe Lehreinrichtung kann berufsqualifizierende und akademische Studienprogramme parallel anbieten. In den 20 staatlichen und 13 nicht staatlichen Lehreinrichtungen auf Hochschulniveau sind gut 100.000 Studierende eingeschrieben. Die Universität von Lettland in Riga ist mit rund 17.000 Vollzeitstudierenden die größte Hochschule des Landes.

Einen akademischen Grad kann man nur an den Universitäten erwerben. Berufsqualifizierende Abschlüsse bieten neben den Universitäten auch eine Reihe von staatlichen und privaten Akademien, Hochschuleinrichtungen und Fachhochschulen an. Diese Studiengänge sind vergleichbar mit dem Studium an deutschen Fachhochschulen, bei einigen kann man das Studium nach dem Abschluss auf universitärem Niveau fortsetzen.

Der Baltic Sea Virtual Campus (www.bsvc.org) gibt Studierenden die Möglichkeit, ein multilaterales Fernstudium mit 13 Partneruniversitäten im Ostseeraum zu absolvieren. Neben den deutschen Hochschulen FH Lübeck, HAW Hamburg und FH Kiel nimmt unter anderem die Technische Universität Riga in Lettland an diesem Projekt teil.

Mehr zum Studium und zur Forschung in Lettland erfahren Sie auch im Online-Portal des Deutschen Akademischen Austauschdienstes unter www.daad.de.

Informationen zum Studium

Das akademische Jahr ist in zwei Semester eingeteilt. Das Herbstsemester dauert von September bis Januar, das Frühjahrssemester von Februar bis Juni. Das Studium wird nach dem europäischen Kreditpunktesystem (ECTS) bewertet. Ein Kreditpunkt entspricht einer Studienwoche.

Studiengebühren

Ausländische Studierende müssen generell Studiengebühren zahlen. Sie betragen jährlich je nach Studiengang zwischen 750 € an staatlichen Hochschulen und 1.000 € bis 5.000 € an privaten Hochschulen.

Zulassung und Bewerbung

Studienvoraussetzung an lettischen Hochschulen ist ein Sekundarschulabschluss nach zwölf Schuljahren. Die deutsche allgemeine Hochschulreife wird anerkannt. Es gibt kein zentrales Zulassungsverfahren. Die Hochschulen führen in der Regel ihre eigenen Aufnahmeprüfungen durch. Vor der Einschreibung wird ein Gesundheitszeugnis verlangt, einschließlich eines HIV-Tests. Die einzelnen Voraussetzungen erfragen Sie am besten bei Ihrer Zielhochschule.

Unterrichtssprache ist Lettisch. Eine Sprachprüfung ist somit Teil der Zulassungsbedingung. Die Hochschulen bieten für ausländische Studierende Lettischkurse an. Es gibt in geringem Umfang auch Studienprogramme in englischer, russischer und deutscher Sprache. Speziell für ausländische Studenten bietet die Universität von Lettland den Masterstudiengang „Baltic Sea Region Studies“ an, ein englischsprachiges Studienprogramm zur Geschichte, Kultur und Sprache des Landes. Mehr Informationen finden Sie unter www.lu.lv.

Finanzierung

Deutsche, die ihr Studium ganz oder teilweise im Ausland absolvieren möchten, können nach dem neuen Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) leichter gefördert werden. Unter www.das-neue-bafoeg.de erfahren Sie mehr darüber. Auf der Internetseite finden Sie auch ein nach Ländern gegliedertes Verzeichnis der Ämter für Ausbildungsförderung.

Das europäische Bildungsprogramm Erasmus fördert Studienaufenthalte im europäischen Ausland. Im Rahmen dieses Bildungsprogramms können Studierende für die Dauer von drei Monaten bis zu einem vollen Studienjahr im Ausland verbringen. Das Stipendium ist eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung eines Auslandsstudiums. Hier ist der DAAD die erste Adresse (http://eu.daad.de).

Teil- oder Vollstudium?

Wenn Sie ein oder zwei Semester im Ausland studieren möchten, sollten Sie dies erst nach dem Grundstudium tun. Für die Zeit des Auslandsstudiums lassen Sie sich am besten beurlauben. Es besteht zwar auch die Möglichkeit der Exmatrikulation für diesen Zeitraum, doch ist dies nicht ratsam, weil Sie dadurch möglicherweise Ihren Studienplatz gefährden. Auch die Zugehörigkeit zur Krankenversicherung könnte verloren gehen.

In jedem Fall empfiehlt es sich, vorab beim Studentensekretariat und bei der Krankenversicherung genaue Informationen einzuholen. Das Akademische Auslandsamt Ihrer Heimatuniversität hilft bei allen Fragen zum Auslandsstudium. Die Adressliste aller Auslandsämter finden Sie unter www.hochschulkompass.de. Unter http://eu-community.daad.de informiert der DAAD über den Studienalltag und die kulturellen Besonderheiten in den europäischen Ländern. Dort finden Sie auch Berichte von Studierenden über ihre Erfahrungen im Ausland.

Ein Vollstudium im Ausland ist nur dann empfehlenswert, wenn Sie tatsächlich Ihr Studium dort abschließen. Bei einer späteren Arbeitsaufnahme in Deutschland könnten sich hinsichtlich der Anerkennung von Abschlüssen und der Zulassung zu manchen Berufen Schwierigkeiten ergeben – etwa bei Tätigkeiten im öffentlichen Bereich. Auskunft erteilen Hochschullehrer, die fachliche Kontakte zu Hochschulen im Ausland unterhalten.

Die Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen, die im Ausland erbracht wurden, ist nicht einheitlich geregelt. Dies liegt an der föderalen Struktur des deutschen Bildungssystems und an der Autonomie deutscher Hochschulen. Wichtig ist, alle Fragen vor Beginn des Auslandsstudiums zu klären. Auf diese Weise ersparen Sie sich hinterher böse Überraschungen. Das Informationssystem anabin informiert über das Niveau ausländischer Hochschulabschlüsse im Vergleich zu denen in Deutschland (www.anabin.de).

Nach dem Studium

Berufseinstieg für Hochschulabsolventinnen und -absolventen

Die Lage am Arbeitsmarkt
Lettland gehört zu den EU-Staaten mit dem höchsten Wirtschaftswachstum: Das Land erzielte in den vergangenen drei Jahren jährliche Zuwachsraten von mehr als zehn Prozent. Zugleich ist die Arbeitslosigkeit rasant zurückgegangen. Innerhalb von vier Jahren halbierte sich die Arbeitslosenquote auf 5,1 Prozent (Eurostat, Stand: April 2008); sie liegt damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt (6,7 Prozent).

Regional ist die Arbeitslosigkeit sehr unterschiedlich. In den Städten und im Westen ist sie besonders niedrig. So waren in der Hauptstadt Riga im Februar 2008 nur 3,2 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung arbeitslos gemeldet, in Daugavpils 4,6 Prozent und in Liepāja 4,8 Prozent. Auch der Bezirk Riga hatte mit 4,2 Prozent nur eine geringe Arbeitslosigkeit aufzuweisen, der ostlettische Bezirk Rēzekne kam dagegen auf 16,7 Prozent.

Aussichten für Hochschulabsolventen
Vom Arbeitskräftemangel sind nahezu alle Branchen betroffen. Zwar werden in erster Linie nicht akademische Fachkräfte wie Maurer, Schlosser oder Krankenpfleger benötigt. Aber auch für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger, die frisch von der Hochschule kommen, sind die Aussichten günstig. Besonders gut sieht es aus für Ingenieurinnen und Ingenieure (vor allem in den Bereichen Bau, Umwelt, Schiffsbau, Maschinenbau, Metallverarbeitung und Informatik), Fachärzte, Apotheker und Lehrer. Auch Übersetzerinnen und Übersetzer werden gesucht, während Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in der Regel Probleme mit dem Start ins Berufsleben haben.

Starke Nachfrage nach Ökonomen, Ingenieuren und Ärzten
Unternehmen suchen in vielen Fällen nicht über das Arbeitsamt, sondern über Internetportale nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Besonders zahlreich sind Stellenausschreibungen für die Sparten Finanzdienstleistungen, Logistik, Immobilien, Marketing, Consulting und Projektmanagement. Benötigt werden vor allem Absolventinnen und Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Fächer. Der Boom im Bau, der Architekten und Bauingenieuren in den vergangenen Jahren sehr gute Jobaussichten bescherte, scheint dagegen vorerst vorüber zu sein.

Das Problem der niedrigen Löhne
Die lettischen Löhne und Gehälter steigen rasant an. Zweistellige Zuwachsraten sind die Regel. Dennoch brachte ein lettischer Arbeitnehmer 2007 durchschnittlich gerade einmal gut 400 Euro im Monat nach Hause. Auch viele akademische Berufe wie zum Beispiel Lehrer werden gering entlohnt. Die Folge: Viele Lettinnen und Letten ziehen es vor, ihre Heimat zu verlassen, um im Ausland zu arbeiten.

Überdurchschnittlich gut verdienen Angestellte bei einer Bank oder einem internationalen Unternehmen. Auch in einigen Berufen mit Fachkräftemangel werden vergleichsweise hohe Löhne und Gehälter gezahlt. Am besten zahlen Arbeitgeber in der Hauptstadt Riga und Umgebung, allerdings sind hier auch die Lebenshaltungskosten besonders hoch.


 

Nützliche Links:

Pfeil www.daad.de
Online-Service des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes mit umfassenden Informationen zum Bildungs- und Hochschulwesen, Praktika, sowie Forschen und Lernen in Lettland mit Zusatzhinweise und weiterführenden Links zu allen relevanten Stellen und Institutionen.

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Bildausschnitt: Foto einer lächelnden Frau, die mit einem Spiralblock in den Händen in einem Bibliotheksgang steht.
 
Symbolbild: Ein junger Mann vor einer Tafel mit Einsteins berühmter Formel E=mc²
 
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