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Litauen: Land und Leute

 

Land & Leute

Litauer und Polen rühmen sich der ersten modernen Verfassung Europas. Sie wurde am 3. Mai 1791 vom Parlament der Aristokratenrepublik Polen-Litauen verabschiedet. Erst Monate später gaben sich die Franzosen eine Verfassung. Lange erfreuen konnten sich die litauisch-polnischen Bürger an ihrem für die Zeit fortschrittlichen Gesetzeswerk freilich nicht. Es wurde schon 1793 mit der Zweiten Polnischen Teilung wieder außer Kraft gesetzt.

Fast 200 Jahre später kämpften die Litauer um die Rückkehr zum Verfassungsstaat. Am 50. Jahrestag des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakts, im August 1989, demonstrierten rund zwei Millionen Litauer, Letten und Esten in einer 600 Kilometer langen Menschenkette von Vilnius über Riga nach Tallinn für die Unabhängigkeit ihrer Nationen. 1990 erklärte sich Litauen als erste der Sowjetrepubliken zum souveränen Staat. Seit 2004 ist das Land EU-Mitglied, seit Ende 2007 gehört es zum Schengener Raum.

„Die Natur in Litauen fasziniert mich. Man kann mit Freunden einen schönen See auf der Landkarte aussuchen und dort ein Wochenende zelten oder Kanu fahren, ohne andere Menschen zu treffen. In Deutschland ist alles viel verbauter, viele Flächen sind privatisiert.“

Simone Töller lebte von 2006 bis 2009 in Kaunas im Süden Litauens


Litauen ist der größte und bevölkerungsreichste Staat des Baltikums. Die Republik ist etwas kleiner als Irland und grenzt an Lettland, Weißrussland, Polen und die Russische Föderation. In der Nähe der Hauptstadt Vilnius liegt der geografische Mittelpunkt des Kontinents Europa. Litauen hat 90 Kilometer Ostseeküste. Das Bad im Meer erfordert allerdings Überwindung, denn das Wasser wird selten wärmer als 16 Grad. Die Sommer in Litauen sind mild und feucht, im Winter liegen die Temperaturen gewöhnlich unter null.

Von den knapp 3,5 Millionen Einwohnern des Landes sind gut 80 Prozent Litauer. Polen und Russen kommen jeweils auf knapp 7 Prozent. Im Land leben mehr als 100 verschiedene ethnische Gruppen. Der weitaus größte Teil der Bevölkerung ist römisch-katholisch. Weil das Land erst spät christianisiert wurde, lassen sich im litauischen Katholizismus noch Anklänge an frühe Naturreligionen entdecken. Zu den religiösen Minderheiten gehören protestantische und russisch-orthodoxe Christen, Mitglieder von Freikirchen, Juden und sunnitische Muslime.

Als einziges Land in Europa hat Litauen den Muttertag in den Rang eines gesetzlichen Feiertages erhoben. Litauisch ist die Amtssprache im Land und wird von den weitaus meisten Einwohnern gesprochen. Doch ebenso hört und spricht man Polnisch, Russisch, Weißrussisch und Ukrainisch.

Die Landessprache ist sehr schwer zu lernen. Die Grammatik und einzelne Vokabeln erinnern an das Altgriechische und an Sanskrit. Litauisch hat mehr grammatikalische Fälle als das Deutsche – sieben statt vier –, und es kennt mehr Möglichkeiten, die Verben zu beugen. Ähnlich wie die chinesische Sprache ist das Litauische eine Tonsprache, das heißt, die unterschiedliche Betonung gleich geschriebener Wörter kann mit einer unterschiedlichen Bedeutung einhergehen. Die Buchstaben werden in lateinischer Schrift geschrieben, einige tragen Sonderzeichen wie Häkchen oder Punkte. Schriftlich ein X für ein U vormachen kann man auf Litauisch allerdings niemandem: Das Alphabet sieht das X ebenso wenig vor wie ein Q oder ein W.

Weitere Informationen über Litauen finden Sie unter www.auswaertiges-amt.de, http://ec.europa.eu, www.baltikuminfo.de und www.litauen-info.de.

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Blick in die Wirtschaft

Litauen hat seit der Unabhängigkeit wirtschaftlich große Fortschritte gemacht. Der private Konsum, Investitionen von Unternehmen und Exporte haben die Wirtschaft angekurbelt, das Bruttoinlandsprodukt ist stärker angestiegen als in den meisten europäischen Ländern (2007 um fast 9 Prozent, 2008 noch um rund 3 Prozent).

Für 2009 rechnen Experten allerdings mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um bis zu 5 Prozent. Die 2008 angebrochene Finanz- und Wirtschaftskrise hat dazu geführt, dass Unternehmen und Verbraucher ihre Ausgaben deutlich gesenkt haben; vor allem die vorher boomende Bauwirtschaft geht zurück. Auch die gesunkene Auslandsnachfrage trifft Litauen besonders hart, da die Wirtschaft stark von Exporten abhängt.

„2006 war Litauen gerade der EU beigetreten, da dachte ich: Dort müsste es doch Bedarf an vielen Waren geben. In Deutschland bekommt man ja alles, aber hier habe ich gleich eine Marktlücke entdeckt – es gab kein gutes Brot. Jetzt baue ich mit einem Bäckermeister und einer Buchhalterin zusammen eine deutsche Bäckerei auf, und es läuft sehr gut.“

M. B. ist Bürotechnik-Meister. 2007 verkaufte er seine Läden in Bonn und zog nach Litauen.


Steuererhöhungen und Privatisierungen sollen wieder Geld in die Kassen der Regierung spülen. Der feste Wechselkurs des Litas zum Euro bleibt zunächst bestehen. Problematisch ist die hohe Inflationsrate, die 2008 bei gut 11 Prozent lag und für 2009 auf rund 7 Prozent geschätzt wird. Damit kann das Land den Euro voraussichtlich nicht vor 2010 einführen.

Langfristige Hemmnisse für die wirtschaftliche Entwicklung sind außerdem der Mangel an Arbeitskräften – viele Litauer suchen im Ausland nach besser bezahlten Jobs – und die Knappheit an Bodenschätzen, weswegen sich die Industrie weitgehend auf den verarbeitenden Bereich konzentriert.

 

Interessante Links:

Pfeil www.litauen.info
Hier erhalten Sie umfangreiche Informationen zu Land, Leute, Sehenswertes, Wissenswertes und die litauische ethnische Volkskunst und Traditionen.

Pfeil www.auswaertiges-amt.de
Das Auswärtige Amt informiert auf seinem Online-Portal unter dem Stichwort "Länderinformationen" über europäische und außereuropäische Länder. Die Themen: Politik, Wirtschaft, Kultur, Stand der bilateralen Beziehungen und Einreisebestimmungen des jeweiligen Ziellandes sowie Reise-, Sicherheits- und Gesundheitshinweise.

Pfeil www.baltikuminfo.de
Das Online-Portal informiert über Land, Leute, Reiseziele und Veranstaltungen in den drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Außerdem verweist die Website auf Links zu anderen Organisationen, die in diesem Zusammenhang von Bedeutung sind.

Pfeil www.litauen-info.de
Dieses Online-Portal liefert eine Vielzahl interessanter Informationen über Litauen. Es ist eine umfangreiche deutschsprachige Informationsquelle über Litauen.

Pfeil www.ec.europa.eu
Übersicht über die verschiedenen Regional- und Minderheitensprachen, die in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union gesprochen werden. Die Webseite bietet Informationen zur Geschichte der Region sowie der Entwicklung und Verbreitung von Regional- und Minderheitensprachen.

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